Zufallskarte

Glyptodon
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Klassische vs. Neue Medien: Jugendliche vertrauen dem Internet aber Zeitungen noch mehr

Klassische vs. Neue Medien: Jugendliche vertrauen dem Internet aber Zeitungen noch mehr (Wordle)

Man hört es an vielen Stellen: Fast täglich gibt es Unkenrufe, die den Tod der klassischen Medien im digitalen Zeitalter postulieren. Doch Bücher und Radios steigen in der Gunst sogar wider dem Trend. Allerdings hapert es noch beim Thema Datenschutz ganz erheblich. So in etwa lautet die Zusammenfassung der JIM-Studie.

Bei der Mediennutzung von Jugendlichen spielen soziale Netzwerke eine wichtige Rolle. Hier treffen sich die Kids virtuell. Laut den Zahlen der JIM-Studie loggen sich fast die Hälfte aller Schüler täglich in einem Netzwerk wie Facebook oder SchülerVZ ein. Viele tun dies sogar mehrmals am Tag. Die Lieblingsbeschäftigungen innerhalb der Community sind chatten und der Versand von Nachrichten. Fast Dreiviertel aller Jugendlichen besitzen ein Profil bei Facebook. Bei den jüngeren Usern hat auch SchülerVZ noch eine größere Fangemeinde. In der JIM-Studie kam auch heraus, dass Mädchen sich häufiger als Jungs in den Communities bewegen.

Mittlerweile haben allerdings viele Nutzer aus den Datenskandalen der letzten Jahre gelernt. Sie gehen mit Informationen aus ihrem Privatleben sensibler um. Der Skandal aus dem Jahre 2009 war scheinbar für viele ein wichtiger Warnschuss. Damals spähte ein Schüler, der selbst Mitglied bei SchülerVZ war, mehr als eine Million Profile in eben dieser Community aus. Er kopierte die Daten und veröffentlichte diese. Laut Informationen des Betreibers wurden damals allerdings nur Daten ausgelesen, die auch von registrierten Usern einsehbar sind: Name, Alter, Geschlecht, Schule und Porträtfotos. Andere sensible Daten wie Adressen, Telefonnummern oder Passwörter waren angeblich nicht betroffen gewesen. Doch durch diesen SchülerVZ-Hack wurden Millionen von Informationen über minderjährige Jugendliche quasi für jedermann zugänglich.

Schmale Gradwanderung: Wer in der Community Spaß haben will, braucht ein interessantes Profil

79 Prozent der befragten Schüler schützen mittlerweile ihr Profil mit den sogenannten Privacy-Optionen vor der Einsicht durch Fremde. Der durchschnittliche virtuelle Freundeskreis ist allerdings kaum überschaubar. Die Studie zeigt, dass ein User im Mittel 206 Freunde hat. Die Netzwerke von Mädchen sind mit durchschnittlich 217 Freunden größer als die der Jungen, die im Schnitt 196 Freunde haben. Bereits 12- bis 13-Jährige haben ca. 134 virtuelle Freunde. Immerhin gaben 96 Prozent der Untersuchungsteilnehmer an, dass sie die Freunde aus dem Profil auch persönlich kennen würden.

Die Spuren, die Jugendliche im Internet hinterlassen, sind deutlich. So luden 65 Prozent ein Foto oder Video von sich hoch. 40 % der Befragten veröffentlichen außerdem Bilder und Filme aus dem Freundes- bzw. Familienkreis.
Medienpädagogen predigen daher seit Jahren, dass sowohl Schüler als auch Eltern darauf achten sollen, dass niemand zu viel über sich preisgibt. Doch noch ist die Schärfung des Datenbewusstseins nicht bis zum Letzten vorgedrungen. Es muss daher immer wieder bewusst gemacht werden, wie viel die Kinder eigentlich über sich verraten.

Allerdings kann nicht einfach beantwortet werden, wie viel Privates ein Schüler in der virtuellen Gemeinde von sich offenbart. Denn die sozialen Netzwerke leben davon, dass Menschen sich austauschen, Gleichgesinnte treffen und auch über Privates plaudern. Ist man hier nicht auf der Hut und teilt zu viel Persönliches mit, dann steigt die Gefahr des Datenmissbrauchs. Gibt man sich allerdings zu sehr zugeknöpft und wortkarg, dann wird man von den anderen Community-Mitgliedern geschnitten, indem sie das Profil nicht mehr aufrufen. Es ist demnach eine schmale Gradwanderung, denn wer dazugehören will, muss auch ein interessantes Profil haben.

Allgemine Geschäftsbedingungen ungeeignet, um über die Rechte und Pflichten innerhalb der Community aufzuklären

Cybermobbing ist nach wie vor ein Problem. 2011 berichteten 14 Prozent der Jugendlichen, dass sie im Netz bereits einmal etwas Falsches oder Beleidigendes über sich gelesen haben. Im Jahr 2010 waren es 15 Prozent. Dass jemand virtuell fertiggemacht wurde, haben bereits 22 Prozent erlebt (2010: 23 %).
Immerhin zwei Drittel der Studienteilnehmer gaben an, dass sie sich in punkto Datenschutz gut auskennen. Allerdings gaben auch mehr als 50 Prozent der Befragten an, dass sie die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ihres Netzwerkes gar nicht gelesen haben. Viele andere hätten sie schlicht nur überflogen.
Medienwissenschaftler schlussfolgern aus den Aussagen, dass die ABGs allein nicht geeignet sind, um Jugendliche auf ihre Rechte und die möglichen Gefahren innerhalb der Community hinzuweisen. Und selbst für Erwachsene wird es schwierig, alle Aspekte des Datenschutzes, der Persönlichkeitsrechte und die Nutzungsrecht innerhalb der Community zu überblicken. Die Betreiber der Plattform würden diese Themen meist hinter langen, umständlichen und unverständlich formulierten Texten förmlich verstecken.

Dennoch vertrauen mehr als 60 Prozent der Jugendlichen ihrem Community-Provider dahingehend, dass sie der Meinung sind, ihre persönlichen Daten werden gut geschützt. Ein gesundes Misstrauen kommt mit zunehmendem Alter. Unter den 18-Jährigen vertreten nur noch die Hälfte die Ansicht, dass die persönlichen Daten bei den Social-Network-Anbietern sicher sind.

Klassische Medien können sich gegen die neuen Medien behaupten

Das Surfverhalten von 89 Prozent der jungen Menschen erstreckt sich über 134 Minuten täglichen Internetkonsum. Im Vergleich zu 2010 sank die Zeit um vier Minuten. In etwa ebenso viele lassen sich regelmäßig vom Fernsehen berieseln. Hier kommt man auf eine tägliche Nutzungsdauer von 113 Minuten. 78 Prozent schalten auch regelmäßig das Radio ein. Damit stieg dessen Nutzungsrate um mehr als 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Viele Teilnehmer nutzen in der Regel die klassischen Geräte, aber mehr als 14 Prozent entdeckten die Vorzüge des Internets auch für den Konsum von Radio (2010: 15 %) und Fernsehen (2010: 12 %). Bei der Lektüre von Büchern spielen die neuen Medien dagegen noch gar keine Rolle. Lediglich ein Prozent der Befragten gab an, dass sie E-Books verwenden würden. Dies ist gegen den Trend, dass Bücher lesen wieder in Mode ist. 44 Prozent nehmen regelmäßig ein Buch zum Schmökern in die Hand. 1998 dagegen waren es nur 38 Prozent. Grundsätzlich sind die Mädchen auch hier in der Überzahl, denn es greifen mehr Mädchen zum Buch als Jungen.

Bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Informationen haben die Tageszeitungen bei den Jugendlichen die Nase vor. Platz 2 im Ranking belegt das Fernsehen. Danach folgen Radio und Internet. Immerhin 42 Prozent der Befragten lesen regelmäßig in einer Tageszeitung, 18 Prozent besuchen die Online-Ableger.

Im Rahmen der repräsentativen JIM-Studie werden seit 1998 jedes Jahr ca. 1200 Jugendliche vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest befragt. Die Studienteilnehmer sind zwischen 12 und 19 Jahre alt. Die Studie selbst soll Aufschluss darüber geben, welcher Stellenwert klassischen Medien im digitalen Zeitalter von den Jugendlichen zugeschrieben wird. Außerdem sollen Fragen beantwortet werden wie z. B. Wie kann man Heranwachsende und ihre Daten im WWW schützen? Wie oft sind Jugendliche online?

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 01. Februar 2012 um 13:39 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)