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Gedächtnis: Warum Londons Taxifahrer einfach mehr im Kopf haben

Gedächtnis: Warum Londons Taxifahrer einfach mehr im Kopf haben (Wordle)

Londons Taxifahrer brauchen kein Navi. Sie haben den kompletten Stadtplan auf ihrer internen Festplatte – nämlich im Kopf – gespeichert. Dafür ist jahrelanges Lernen von Straßennamen notwendig. Dass dies dazu führt, dass sogar das Gedächtniszentrum wächst, konnten nun britische Forscher beweisen. Allerdings verlieren die Taxifahrer im gleichen Zug eine andere Fähigkeit.

Wer in London (Vereinigtes Königreich) in ein Taxi steigt, möchte von Punkt A nach Punkt B gelangen. Für Taxifahrer in der britischen Hauptstadt wäre das Finden des Ziels „Trafalgar Square“ ebenso kein Problem wie das etwas ausgefallenere Ziel „Orme Square“. Letzteres liegt nördlich des Hyde-Parks. Kein Taxi-Chauffeur in London bräuchte jedoch, um an das Ziel zu gelangen, ein Navigationssystem. Den Londoner Stadtplan hat jeder von ihnen im Kopf. Das bedeutet: Jeder einzelne Londoner Taxifahrer muss 25.000 Straßennahmen und 20.000 sehenswerte Orten kennen – sonst gibt es keine Fahrerlizenz für die Metropole.

Die weltweit einzigartige Ausbildung ist zeitaufwändig. Sie dauert in der Regel drei bis vier Jahre. Die Fahrer müssen jedes Fleckchen im Umkreis von sechs Meilen um die Charing Cross Station im Zentrum Londons wie ihre Westentasche kennen.

Stadtplan im Gehirn = mehr graue Zellen im Kopf

Die Forscher vom University College London freuen sich ebenso über die Ausbildung. Denn sie bietet ein nahezu perfektes Szenario für eine Gedächtnisstudie. Im Fachmagazin „Current Biology“ berichten die Wissenschaftler von ihren Erkenntnissen, die sie durch die Fahrerschulung gewannen. Demnach verändern sich während der Ausbildung jene Gehirnareale, die für das Erinnern wichtig sind.
In der Studie wurden insgesamt angehende 39 Fahrer untersucht. Sie mussten sich Hirnscans und Gedächtnistest unterziehen. Die Tests wurden einmal vor der Ausbildung und einmal nach der bestandenen Prüfung durchgeführt. Die Vergleichsgruppen bildeten 20 Anwärter, die ihre Ausbildung abbrachen sowie 31 Männer, die weder Straßennamen noch Orte auswendig lernen mussten.

Am Beginn zeigten sich in keiner der drei Gruppen irgendwelche Unterschiede im Hinblick auf Gehirnstrukturen oder Erinnerungsvermögen.
Nach erfolgreich absolvierter Ausbildung fanden sich jedoch Veränderungen. Die Taxifahrer-Azubis besaßen nach drei bis vier Jahren Schulbankdrücken mehr graue Substanz als die anderen. Die graue Substanz ist im Hippocampus angesiedelt. Dieser wiederum ist für das Gedächtnis mit zuständig.  Bei den Abbrechern oder Ungelernten konnten die Forscher keine Veränderungen im Hippocampus nachweisen.

Fittes Gehirn zu lebenslangem Lernen fähig

Externe Reize wie das Lernen von Straßen und Orten veränderte also bei den Azubis die Struktur des Hippocampus deutlich. Es bildeten sich neue Nervenzellen mit neuen Synapsen. Damit zeigt sich einmal mehr, dass das menschliche Gehirn selbst im Erwachsenenalter flexibel bleibt.

Nun suggeriert die detaillierte räumliche Vorstellungskraft von verzweigten Stadtplänen zunächst das Porträt eines fitten Gehirns. Allerdings konnten die Forscher auch Nachweisen, dass die Taxifahrer bei anderen Aufgaben mit kognitiven Einbußen leben müssen. Im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen fiel den Taxifahrer-Absolventen die Wiedergabe von komplexen Figuren nach 30 Minuten aus dem Kopf deutlich schwerer. Die Forscher vermuten, dass dies die Folge des einseitigen Hirntrainings ist.

Dennoch möchten die Forscher die Untersuchung als weiteren Beleg dafür werten, dass das menschliche Gehirn zu lebenslangem Lernen in der Lage ist. So könnten Menschen mit Gehirnverletzungen durch gezieltes Training ihre Regeneration positiv beeinflussen.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 01. Februar 2012 um 13:25 Uhr )
 

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