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Kennen Sie Mrs. Ples? Auch bekannt als „die mit den Nüssen knackt“.

Kennen Sie Mrs. Ples? Auch bekannt als „die mit den Nüssen knackt“. (Wordle)Nein? Na dann erweitern Sie hier Ihr Wissen …
„Mrs. Ples“ gehört zu den 100 bekanntesten Südafrikanern. Sie ist eine alte Dame, denn sie ist bereits seit 2,6 Millionen Jahren tot. Dennoch bringt „Mrs. Ples“ die Forscher immer wieder zum Staunen. Und gleichwohl bleiben einige Fragen offen. Da es sich bei „Mrs. Ples“ lediglich um einen Schädel handelt, ist es gar nicht sicher, ob „Mrs. Ples“ nicht auch ein „Mr. Ples“ sein könnte. Einige Untersuchungen deuten ferner darauf hin, dass „Mrs Ples“ noch nicht erwachsen war und man somit korrekterweise von einer „Miss Ples“ sprechen müsste. Doch zurück zu den neuen Erkenntnissen!

Wann lebte Australopithecus africanus und damit Mrs. Ples?

Mrs. Ples“ ist - ebenso wie das „Kind von Taung“ - ein Australopithecus africanus. Diese frühe menschliche Gattung lebte vor ca. dreieinhalb bis zwei Millionen Jahren. Beide sind damit etwas jünger als „Lucy“ (AL 288-1). Das wohl berühmteste Skeletts eines menschlichen Vorfahrens war ein Australopithecus afarensis. Diese Spezies lebte vor ca. 3,9 bis 3 Millionen Jahren.
„Mrs. Ples“ (STS 5) wurde 1947 entdeckt, das Kind von Taung bereits 1924. Beide Schädel sind für ihr Alter besonders gut "in Schuss". Beim Kind von Taung blieb sogar ein natürlicher Abguss des Schädelinnenraums erhalten. Zu den Todesumständen der beiden frühen Menschen gibt es nur Mutmaßungen. Untersuchungen am Schädel des Kinds von Taung im Jahre 2006 legen die Vermutung nahe, dass es Opfer eines Greifvogels wurde. Das dies nicht ganz abwegig ist, belegen Beobachtungen an der Elfenbeinküste. Dort beobachteten Forscher Kronenadler bei der Jagd. Zur Beute der Kronenadler gehören Affen – genauer am Boden lebende Magaben. Diese können bis zu 11 kg schwer werden. Das Kind von Tauung hat ähnliche Schrammen, z. B. Einstichstellen in den Augenhöhlen, wie man sie bei heutigen Beutetieren auch sieht.

Anatomische Besonderheiten im Vergleich zu Lucy

Im Vergleich zu Lucy, deren Art zwischen 100 und 150 cm groß und zwischen 30 und 70 kg schwer werden konnte, war Australopithecus africanus deutlich graziler. Man schätzt ein ausgewachsenes Exemplar höchstens auf eine Größe von 110 bis 140 cm und ein Gewicht zwischen 30 und 60 kg. Der Schädel von „Mrs. Ples“ weist dafür einige anatomische Besonderheiten auf: ausgeprägte Wangenknochen sowie große Backenzähne, die mit einer dicken Schicht Zahnschmelz überzogen sind. Diese Morphologie findet man auch noch bei heute lebenden Arten: Entweder als Anpassung an den Verzehr von kleinen harten, aber energiereichen Nahrungsstücken wie Nüssen oder bei großen Mengen an relativ gehaltloser Kost wie Gras.

Um die dadurch auftretenden Fragen zum Nahrungserwerb beantworten zu können, wurde eine 3D-Computersimulation des Schädels von „Mrs Ples“ einer Art Crashtest unterzogen. Untersucht wurde dabei insbesondere, wie sich die Kaubelastungen auf den Schädel auswirkten. Zwecks Vergleiche wurden die gleichen Untersuchungen an der Affenart Macaca fascicularis (Langschwanzmakaken) durchgeführt. Die Ernährungsgewohnheiten dieser Makaken sind gut erforscht. Die Forscher fanden nur wenige Unterschiede. Besonders auffallend jedoch war, dass „Mrs. Ples“ besser für die Belastung der vorderen Backenzähne gewappnet war. Diese werden nicht umsonst auch Vormalzähne genannt.

Die Forscher schließen aus den Berechnungen, dass „Mrs. Ples“ damit harte Nüsse und Samen knacken konnte. Sicherlich war das nicht ihre Leibspeise, doch konnte dieses Spezialgebiss in Zeiten knapper Nahrung das Überleben sichern. Australopithecus africanus lebte in einer Klimaperiode, in der es in Südafrika eher kühl und trocken war. Deswegen tat die Anpassung an nicht unwahrscheinliche Hunger- bzw. Dürreperioden Not.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Samstag, 18. Februar 2012 um 21:42 Uhr )
 

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