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Geologie am Meeresgrund: Entdeckter Graben vor Fehmarn Hinweis auf Sintflut in der Ostsee

Geologie am Meeresgrund: Entdeckter Graben vor Fehmarn Hinweis auf Sintflut in der Ostsee (Wordle)

Es muss ein großartiges Naturschauspiel gewesen. Vor Fehmarn entdeckten Forscher die Umrisse eines großen Flusslaufes. Einst muss sich hier eine Sintflut ergossen haben.

Die Ur-Ur-Ur Schleswig-Holsteiner mussten gedacht, dass der Weltuntergang drohe. Vor Fehmarn brachen Wassermassen mit einem gewaltigen Grollen los, nachdem ein natürlicher Damm dem Druck nicht mehr Stand hielt. Bei diesem Naturschauspiel lief der Ancylus-See aus. Dies war der Vorgänger der Ostsee. Der Dammbruch muss einer Sintflut gleichgekommen sein.

Geologen entdeckten jetzt am Meeresgrund der Ostsee – genauer zwischen Fehmarn und Lolland – das Flussbett der Flutkatastrophe während der Steinzeit. Vor mehr 10.700 Jahren rauschte der Fluss mit über 1000 m Breite im Fehmarnbelt in Richtung Nordwesten. Das gewaltige Flussbett wurde im Laufe der Zeit von den Schlickmassen der Ostsee überdeckt. Neueste Untersuchungsmethoden bringen aber die einstige Größe des Flusses wieder ans Tageslicht.

Sehr wahrscheinlich mussten die Menschen in der Region mit den Flutfolgen zurechtkommen. Dokumentierte Funde belegen, dass das Gebiet zwischen Dänemark und Norddeutschland damals bereits besiedelt war. Wer mit dem Leben davon kam, musste lernen, mit der veränderten Situation klar zu kommen. Beispielsweise mussten Fischer, die ihre Anlegeplätze in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland) hatten, nach dem Dammbruch der Wassergrenze und somit auch der Küste kilometerweit folgen. Binnen weniger Jahre nahm der Wasserspiegel des Ancylus-Sees um mehr als 10 Meter ab. Damit fielen große Flächen trocken. Andere Gebiete waren von den Überschwemmungen bedroht. Im Westen wurde die Landschaft östlich von Kiel und Lübeck geflutet. Aus Festland wurde Wasserfläche. Die dort lebenden Menschen mussten sich vor den Wassermassen in Sicherheit bringen.

Als die Wassermassen des Ancylus-Sees hervor brachen, veränderten sich Landschaften abrupt

Der Ancylus-See existierte zuvor für viele Jahrtausende. Zuletzt lag sein Pegel nur 20 Meter unter dem der heutigen Ostsee. Damit befaden sich aber die Wassermassen sehr viel höher als die damalige Nordsee. Der Meeresspiegel lag damals rund 120 m tiefer als heute.
Bislang gab das Verschwinden des Süßwasser-Sees den Wissenschaftlern Rätsel auf. Wann strömte das Wasser Richtung Nordsee? Wo flossen die Wassermassen entlang? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die die Wissenschaft beschäftigten.
Bis vor Kurzem gingen Theorien davon aus, dass der Durchbruch des Sees westlich von Rügen und damit vor dem Darß passiert sein musste. Doch nun entdeckte das Geologen-Duo Peter Feldens und Klaus Schwarzer von der Universität Kiel (Deutschland) das Flussbett am Grund des Fehmarnbelts. Die Ostsee begrub die Spur zum Ende ihres Vorgängers unter einer Meter dicken Schlick-Schicht.

Zur Katastrophe kam es nach dem Ende der Eiszeit. Die eiszeitlichen Gletscher hatten sich damals bereits bis ins nördliche Skandinavien zurückgezogen. Pflanzen und Tiere kehrten zurück und eroberten sich neue Lebensräume. Norddeutschland war damals eine waldige Hügellandschaft, durch die Elche und Rentiere streiften. Diese Idylle wurde jäh von der Ostsee-Sintflut unterbrochen.

Menschen von der Ostsee-Sintflut nach der Esizeit betroffen

Die Kieler Geologen berichten im Fachmagazin "Continental Shelf Research" von einer zwölf Meter tiefen Rinne, die die auslaufenden Wassermassen in den Boden gefräst hatten. Der Verlauf konnte mit Schallwellen, die den Grund der Ostsee durchleuchteten, nachgezeichnet werden, da verschiedene Bodenschichten die Schallwellen auch unterschiedlich reflektieren. So entsteht ein Bild vom Aufbau des Untergrunds.
Am Grund des Fehmarnbelts stießen die Wissenschaftler auf einen riesigen Trichter. Sie deuten die Umrisse im Ostseegrund als das Bett eines großen Flusses.
Nach ihrer Entdeckungen nahmen Feldens und Schwarzer weitere Untersuchungen vor. Sie machten beispielsweise zehn Probebohrungen im Gebiet und untersuchten die gefundenen Ablagerungen. Die Abfolge und Datierung der Schichten bestätigte, dass sich vor ca. 10.700 Jahren vor Fehmarn ein mächtiger Strom ergoss. Der Fluss verschwand erst wieder, als die skandinavischen Gletscher den alten Ancylus-See erneut anschwellen ließen. Nach 700 Jahren ertrank der noch namenlose Fluss wieder.

Die Kieler Forscher vergleichen den verschwundenen Strom in etwa mit der heutigen Elbe, wenn sie der Elbmündung entgegenströmt. Der Ur-Strom vor Fehmarn erreichte gar die Breite von einem Kilometer. Noch hat der Fluss keinen Namen. Die beiden Entdecker machen den Vorschlag, ihn auf den Namen Dana-Fluss zu taufen. Bereits in den 1920iger Jahren suchten Wissenschaftler nach einem verschwundenen Fluss, den sie vor Fehmarn vermuteten. Sie nannten ihn damals Dana-Fluss.

Verschwundener Fluss glich der Elbe an ihrem Unterlauf

Vermutlich floss vor 15.000 Jahren an derselben Stelle sogar ein noch größerer Strom. Damals lief der Vorvorgänger der Ostsee der sogenannte Baltische Eisstausee aus. Der See war durch das Gletscher-Schmelzwasser immer weiter vollgeschwollen. Über eine Schneise in Schweden gab es einen Wasseraustausch mit der Nordsee. In dessen Folge wurde der Baltische Eisstausee im salziger.

Die Verbindung zur Nordsee wurde jedoch gekappt. Das Land hob sich, nachdem es von der Last der Gletscher nicht länger nach unten gedrückt wurde. Auch Südschweden wurde emporgehoben. So entstand ein geschlossenes Südwasser-Reservoir – der bereits erwähnte Ancylus-See. Als dieser schließlich auslief, entstand am Grund des heutigen Fehmarnbelts eine Seenlandschaft, die wahrscheinlich sehr stark an das Gebiet der heutigen Holsteinischen Schweiz erinnerte.
Bis die Ostsee ihre heutige Gestalt annahm, vergingen jedoch auch noch einmal 3000 Jahre. Das Ende der Eiszeit ließ die Weltmeere anschwellen. Damit stieg auch der Pegel der Nordsee. Vor etwa 7000 Jahren strömte schließlich ihr Salzwasser um Norddänemark herum und im Kattegat hinunter in die Ostsee. Mit dieser Sintflut wurden die Spuren der Sintfluten zuvor verwischt und im Laufe der Zeit unter Schlamm begraben.

 


Quelle:

Aktualisiert ( Mittwoch, 08. Februar 2012 um 21:43 Uhr )
 

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