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Schamane
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Entdeckung eines unbekannten Urmenschen in China, der auf den Namen Rotwild-Mensch getauft wurde

Entdeckung eines unbekannten Urmenschen in China, der auf den Namen Rotwild-Mensch getauft wurde (Wordle)

So langsam erwacht das Fachgebiet „Steinzeit-Archäologie“ aus dem gefühlten Winterschlaf. Es trudeln wieder mehr Neuigkeiten ein. Anfang dieser Woche beispielsweise wurde die Meldung verbreitet, dass das Mammut geklont werden soll. Okay, diese News tauchen mit ähnlicher Regelmäßigkeit wie der Ungeheuer von Lochness auf. Aber die heutige Meldung ist durchaus eine kleine Sensation. In China wurden uralte Knochen entdeckt und nach einer genaueren Untersuchung festgestellt, dass sie von einer bislang unbekannten Urmenschen-Art stammen. Möglicherweise müssen die Theorien zur Besiedlung des asiatischen Kontinents neu überdacht werden.

Die jetzige Sensation war lange Zeit in einem unscheinbaren Stein verborgen. Dieser Brocken wurde bereits 1979 von Geologen in einer Höhle im südwestlichen China geborgen. Offensichtlich steckten menschenähnliche Knochen darin. Sie wurden zunächst als ein Zeugnis aus der Steinzeit unter vielen anderen gedeutet. Dementsprechend wenig Beachtung fand der Fund.

Das änderte sich erst 30 Jahre später. Im Jahr 2009 legten Wissenschaftler die Knochen frei, damit sie genauer analysiert werden konnten. Jetzt wurde das Ergebnis der Untersuchung öffentlich gemacht und die Sensation ist perfekt: Die Überreste gehören zu einem Individuum, das Mitglied eines unbekannten Steinzeitvolkes war. Dies schreibt das internationale Forscherteam um den Evolutionsbiologen Darren Curnoe und den Archäologen Ji Xueping im Journal „Plos one“. Während Curnoe an der Universität in New South Wales (Australien) forscht, ist Xueping am Institut für Kulturrelikte in Yunnan angestellt.

Der Rotwild-Mensch sah anders aus als der Homo sapiens

Die Wissenschaftler hatten die Überreste und weitere in chinesischen Höhlen entdeckte Skelette mehr als drei Jahre lang studiert. Eine Rekonstruktion des unbekannten Individuums ergab, dass es höchstwahrscheinlich ein Mann war, der übrigens vollkommen anders aussah als erwartet.
So besaß er kaum ausgeprägte Wangenknochen, eine verhältnismäßig kleine Nase und ein relativ kleines Kinn. Das Gesicht sah also anders als bei Homo sapiens aus. Doch es gibt auch Merkmale, die mit dem modernen Mensch übereinstimmen. So hatte die neue Spezies ebenfalls eine eher längliche Gesichtsform. Die gefundenen Unterschiede nähren den Verdacht, dass es sich bei den chinesischen Funden um eine neue Art handeln könnte. Diesen neue, alte Verwandtschaft hat bislang nur noch niemand gekannt.

Eine Datierung der Funde ergab, dass die fossilen Knochen relativ jung sind und gerade einmal ein Alter von 11.500 bis 14.500 Jahren haben. In den Maßstäben der Paläontologie und der Evolution des Menschen ist diese Zeitspanne ein Klacks. Bei den Knochen handelt es sich sogar um die jüngsten, menschlichen Fossilfunde in Ostasien, die nicht dem Homo sapiens zugeordnet wurden. Damit öffnet sich ein völlig neues Fenster in die späte, menschliche Evolution. Auf welcher Stufe genau sich die neuentdeckten Steinzeit-Menschen befanden, können oder wollen die Wissenschaftler auf Grund der ungewöhnlichen äußeren Merkmale noch nicht sagen.
Doch einen inoffiziellen Arbeitstitel oder Spitznamen hat der neue Menschen-Urahn bereits verliehen bekommen: Rotwild-Mensch. Der Name spielt auf die Jagd und Essgewohnheiten des Steinzeitvolkes an. Diese Menschen mochten ganz offensichtlich Hirsche, denn in einer anderen Höhle fanden sich neben den Überresten von drei Menschen die Gerippe von Hunderten erlegten Hirschen.

Diese Gebeine wurden im Jahre 1989  in der Höhle von Maludong entdeckt. Diese Höhle liegt 500 Kilometer von der Höhle von Longlin entfernt, woher die 1979 gefundenen Knochen stammten, die den Stein ins Rollen brachten. Gemeinsam ist beiden Fundstellen, dass die Funde zunächst unbeachtet blieben.
Doch Curnoe vermutet, dass die Region um Maludong ein Zentrum der Rotwild-Menschen gewesen sein muss. Das Volk lebte hier vermutlich bis zum Ende der letzten Eiszeit, d. h. diese Menschen streiften noch vor 11.000 Jahren durch die Ebenen Südchinas. Sie müssen fast unausweichlich auf den modernen Mensch getroffen sein. Dieser begann genau zu der Zeit, langsam sesshaft zu werden. Die Jäger und Sammler des Rotwild-Volks und die ersten Homo-sapiens-Bauern und Viehzüchter teilten sich ein Gebiet in Asien.

Der Stammbaum des Menschen für Asien muss umgeschrieben und ergänzt werden

Diese simple Erkenntnis könnte die bisherige Geschichte von der Besiedlung Asiens umschreiben. Der Experte Curnoe hält es nicht für ausgeschlossen, dass das Volk der Rotwild-Menschen als eines der ersten Völker von Afrika nach Asien eingewandert ist. Dies könnte vor mehr als 70.000 Jahren passiert sein. In Asien allerdings mischten sich die Rotwild-Menschen nicht mit anderen Gruppen. Dies würde erklären, warum sich bislang im Erbgut des modernen Menschen keinerlei Spuren dieses Vorfahren finden lassen.
Bisherige Theorien gehen davon aus, dass lediglich drei Menschen-Spezies Asien in den letzten 100.000 Jahren bevölkerten:

Möglicherweise muss diese Liste um eine vierte Art erweitert werden, die in Asien nachgewiesen ist. Die Entdeckung einer neuen Menschenart ist zweifelsohne eine kleine Sensation. Allerdings sind Experten nicht wirklich überrascht. Denn der asiatische Kontinent ist für Evolutionsforscher bislang soetwas wie eine weiße Landkarte. Über die Eroberung des Kontinents durch die Ahnen der heutigen Asiaten ist so gut wie nichts bekannt und das ist das eigentlich Bedauerliche, denn heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung genau auf diesem Kontinent.

Bislang lag der Forschungsfokus darauf, wie der Mensch sich auf dem afrikanischen Kontinent entwickelte und dann Europa eroberte. Doch die Verschiebung des Forschungsschwerpunktes beginnt gerade. Die Funde aus den chinesischen Höhlen von Maludong und Longlin könnten diese Entwicklung in der Evolutionsforschung noch beschleunigen. Mit dem Rotwild-Menschen wurde definitiv das asiatische Kapitel in der Geschichte der menschlichen Evolution aufgeschlagen.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 14. März 2012 um 20:51 Uhr )
 

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