Zufallskarte

Verwirrung
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Marathon laufen ist wie eine Droge – das wissen sowohl Ausdauer-Läufer als auch Jäger

Marathon laufen ist wie eine Droge – das wissen sowohl Ausdauer-Läufer als auch Jäger (Wordle)

Begeisterte Läufer wissen es schon lange, Laufen kann einen Menschen in einen rauschähnlichen Zustand versetzen. Also ganz legal high werden! Aber warum ist das eigentlich so? Forscher meinen jetzt die Antwort gefunden zu haben. Sie sehen evolutionäre Gründe für die Glücksgefühle. Denn die Menschheit konnte Jahrtausende lang nur überleben, wenn sie sich in Bewegung setzte. Die Motivation zur Bewegung half früher nämlich bei der Jagd und führt in modernen Zeiten dazu, dass beispielsweise 46.000 Menschen zum New York Marathon 2011 antraten.

Laufen kann süchtig machen, denn man wird mit Endorphinen belohnt, wenn man längere Strecken hinter sich lässt. Außerdem können viele beim Laufen am besten entspannen und den Kopf freibekommen.
Vielerorts finden im Mai Marathons statt. Und am Start, spätestens aber am toten Punkt auf der Strecke, fragen sich viele, warum sie sich dies überhaupt antun?  Dabei spielt es keine Rolle, ob der Sportler die volle Distanz über 42,195 Kilometer oder den Halbmarathon anpeilt. Am Ende, wenn er über die Ziellinie läuft, wartet nicht nur eine mögliche Medaille sondern definitiv auch eine Dosis natürliche Opiate auf ihn. Diese Opiate bildet der Körper während des Laufens, denn durch die Bewegung wird im Gehirn das Belohnungszentrum angeregt.

Jäger und Sammler mussten die geborenen Langstreckenläufer sein

Forscher der Universität Arizona in Tucson (USA) wollten es jetzt endlich ganz genau wissen und untersuchten, warum der Körper den Läufer mit rauschartigen Glücksgefühlen überflutet? Sie vermuten, dass möglicherweise die Evolution diesen Mechanismus erfunden hat.
Schließlich mussten Jäger und Sammler der Steinzeit ihrem Essen hinterher rennen aber auch vor Raubtieren wegrennen. Noch heute jagen beispielsweise die San ihre Beute, indem sie sie zu Tode hetzen.
Die natürliche Auslese während der menschlichen Evolution könnte daher den sogenannten Runners High gefördert haben. Es überlebten jene Menschen, deren neurobiologische Mechanismen sie zur dauerhaften Bewegung motivierten.
Soweit zunächst die Theorie der Wissenschaftler. Diese musste jedoch überprüft werden. Dazu verglichen die Forscher Menschen, Hunde und Frettchen. Während Mensch und Hund sich meist gern bewegen, gehören Frettchen zu den Laufmuffeln. Die kleinen Raubtiere rennen kaum weite Strecken.

Für den Test mussten die Tiere zunächst ein wenig trainiert werden. Dann rannten alle Teilnehmer 30 Minuten lang auf einem Laufband. Gemessen wurde dabei unter anderem die Herzfrequenz. Sowohl bei den menschlichen als auch den tierischen Probanden lag diese bei ca. 70 Prozent Maximalauslastung.
Bei einem zweiten Experiment sollten die drei Wettstreiter (Mensch, Hund und Frettchen) 30 Minuten lang auf einem Laufband gehen. Die Frettchen allerdings erwiesen sich als deutlich unkooperativer. Sie blieben meistens in ihren Käfigen.

Frettchen sind Laufmuffel, denn ihr Körper produziert keine natürlichen Opiate

Vor und nach den unterschiedlichen Versuchen auf dem Laufband wurden von den Forschern bei den Probanden Blutproben entnommen. Diese untersuchte man, ob natürliche Stimmungsaufheller ausgeschüttet worden waren und verglich die gewonnen Daten. Das Ergebnis bestätigte bereits die Beobachtungen: Das Gehen auf dem Laufband verursachte keine Ausschüttung von Endorphinen. Beim Laufen wurde aber bei Menschen und Hunden große Mengen an Endocannabinoiden ausgeschüttet, die sich letztlich im Blut nachweisen ließen.

Von den menschlichen Versuchsteilnehmern hatte allerdings keiner einen Walkers High erlebt. Die Forscher vermuten daher, dass die natürliche Auslese sowohl Menschen als auch Hunde für höhere Belastungen belohnt hat. Die Frettchen übrigens haben das Nachsehen. Ihr Körper produzierte weder beim Gehen noch beim Laufen Opiate. Damit machte ihnen beides keinen Spaß.

Kritiker allerdings finden, dass der Vergleich von Frettchen und Menschen kaum aussagekräftig ist. Die Ableitung von allgemeingültigen Thesen dürfte schwierig sein, da man bekanntlich Äpfel nicht mit Birnen vergleichen kann. So leben Frettchen in Tunneln unter der Erde und verschlafen 18 Stunden des Tages.

Sportmuffel müssen für den Runners High erst trainieren

Dennoch glauben die Forscher aus Tucson, dass Menschen ein natürliches Verlangen haben, zu laufen. Bei Büromenschen scheint dieser Trieb allerdings verschüttet gegangen zu sein. Sie haben gelernt, dieses Bedürfnis zu ignorieren. Warum dem so ist, kann die Studie nicht beantworten. Alle Versuchsteilnehmer waren bereits im Vorfeld regelmäßig gejoggt.

Bewegungsmuffel zum Sport anzuregen ist nicht ganz einfach, denn die Forscher sind sich ziemlich sicher, dass ein einmaliges Joggen definitiv keinen Runners High erzeugt. Die Fitness der Schreibtisch-Ritter reicht nicht aus, um ausreichend Glücksgefühle zu produzieren. Die Belastungsgrenze muss nach und nach aufgebaut werden, dann stellen sich die Endorphine von ganz alleine ein. Ab diesem Punkt wird man dank des natürlichen Dopings zum Sport angeregt. Um an diesen Punkt allerdings zu gelangen, sollte man keinesfalls ein Frettchen als motivierenden Sparingspartner wählen.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Sonntag, 29. April 2012 um 19:16 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)