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Insel-Zwerge: Auf Kreta lebten einst Mini-Mammuts

Insel-Zwerge: Auf Kreta lebten einst Mini-Mammuts  (Wordle)

Wir alle haben, wenn wir das Wort „Mammut“ hören, sofort das Bild von riesigen, majestätischen Tieren vor Augen. Doch wie sah das mit der Größe bei Arten aus, die es auf Inseln verschlug?
Auf Kreta konnte nun ein pleistozänes Rüsseltier nachgewiesen werden, dass es lediglich auf die Größe und das Gewicht eines Ponys brachte. Das Minimammut wurde auf Grund seiner fossilen Zähne identifiziert. Die Forscher können damit gleichzeitig ein altes Missverständnis ausräumen.

Die Mammuts im Miniaturformat lebten vor ca. drei Millionen Jahren auf der griechischen Insel Kreta (Griechenland). Wie die Vermessung der erhalten gebliebenen Backenzähne zeigte, erreichten einzelnen Individuen lediglich eine Schulterhöhe von 1,13 Meter. Sie schafften es, kaum mehr als 310 Kilogramm auf die Waage zu bringen. Im Vergleich zur Verwandtschaft waren die kretischen Mammuts Winzlinge. Normale, auf dem Festland in Eurasien oder Nordamerika lebende Mammuts wurden zwischen 2,5 bis 3,5 Meter hoch und wogen vier bis fünf Tonnen.

Neu entdeckt wurde das Mini-Mammut übrigens nicht erst heute. Die Überreste der Tiere fand man bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals allerdings hielten Experten die Fossilien für eine kleine Elefanten-Art und tauften sie auf den Namen Palaeoloxodon creticus.
Erst weitere Fundstücke und der Vergleich mit anderen urtümlichen Elefanten ergab jetzt die Erkenntnis, dass diese Rüsseltier-Winzlinge zu den Mammuts und nicht zu den Elefanten gehören. Aus diesem Grund wurden sie jetzt umgetauft in Mammuthus creticus. Die Wissenschaftler können die geringe Größe mit dem Lebensraum Insel erklären. Das Futterangebot war dadurch begrenzt. Deswegen wird vielfach beobachtet, dass sich auf Inseln Zwergformen entwickeln.

Inselverzwergung trat nicht nur bei Elefanten und Mammuts auf sondern auch bei der Gattung Homo

Bei Elefanten ist die sogenannte Inselverzwergung schon oft nachgewiesen worden. Im Laufe der Zeit schrumpfen die auf einer Insel lebenden großen Tiere im Vergleich zu ihrer auf dem Festland lebenden Verwandtschaft. Forscher kennen Zwergelefanten aus Funden, die auf Sardinien, Sizilien und einigen kalifornischen Inseln gemacht wurden. Neben Kreta ist auch die russische Wrangelinsel ein bekannter Fundort für den Zwergwuchs. Selbst beim Menschen entwickelten sich Insel-Zwerge. 2004 wurde der Homo floresiensis auf der indonesischen Insel Flores entdeckt. Neben seinem wissenschaftlichen Namen bekam er gleichzeitig den Spitznamen „Hobbit“ verpasst. Es handelt sich bei den Individuen wohl um geschrumpfte Vertreter des Homo erectus.

In der Mittelmeerregion gilt der Europäische Waldelefant (Elephas antiquus) als Vorfahre der verschiedenen Zwergvarianten. Leider ist der Europäische Waldelefant mittlerweile ausgestorben. Es kam allerdings bereits vor Jahren schon einmal die Diskussion auf, ob die kleinen Dickhäuter aus Kreta tatsächlich von diesem großen Verwandten abstammen sollten. Nun untersuchten griechische Forscher erstmals das Erbgut der kretischen Fossilien. Die Wissenschaftler kamen nach ihren Analysen zu dem Schluss, dass die Tiere wohl eher den Mammuts als den Elefanten zuzuordnen sind.
Allerdings wies die Studie etliche gravierende, methodische Mängel auf, sodass sie in der Wissenschaftsgemeinde nicht akzeptiert wurde. Um die Debatte um die Rüsseltiere von Kreta zu beenden, wurden daraufhin die Form der Backenzähne mit denen von anderen Elefanten und Mammuts verglichen.
Als Referenz-Tierarten traten an: der Europäische Waldelefant, das Südmammut, das Steppenmammut, das Wollhaarmammut sowie das urtümliche Mammuthus rumanus sowie mehrere Zwergelefanten. Durch den Vergleich kamen die Forscher zu dem Schluss, dass die Zähne, die im Nordwesten Kretas gefunden wurden, mehr Eigenschaften von Mammuts als von Elefanten aufwiesen.

Vergleich der Backenzähne von Mammuthus creticus mit denen verschiedener Mammut- und Elefantenarten belegte die Abstammung von den Mammuts

Mammuthus creticus verriet den Experten durch die Zähne am noch mehr über sich. So stammen die Tiere von einer recht frühen Mammut-Variante ab. Das schreiben die Autoren der Studie im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B“. Die Wissenschaftler vom Natural History Museum in London (Großbritannien) konnten nachweisen, dass die Vorfahren der Mini-Mammuts vor ca. dreieinhalb Millionen Jahren auf Kreta strandeten. Das ist sehr viel früher als man bislang vermutete.

Mammuthus creticus ist übrigens die kleinste, bekannte Mammutart und eine der kleinsten Rüsseltierarten überhaupt. Lediglich zwei andere Zwergelefantenarten waren noch einen Tick kleiner.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Freitag, 18. Mai 2012 um 14:46 Uhr )
 

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