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Evolutionäre Großbaustelle Homo sapiens

Evolutionäre Großbaustelle Homo sapiens (Wordle)

Auf Spiegel.de ist unter der Überschrift „Schwächen des Homo sapiens : Wie die Evolution den Menschen piesackt“ ein interessanter Artikel erschienen, der eindrucksvoll aufzeigt, dass der Mensch sich vielleicht als „Krone der Schöpfung“ sehen kann, aber ganz bestimmt nicht vollkommen ist. Auch die menschliche Evolution ist trotz der modernen Zivilisation nicht zum Erliegen gekommen. Noch immer experimentiert Mutter Natur mit unserem Bauplan und einiges, was dabei herauskommt ist für den Menschen nicht mal von Vorteil.

Heutige Menschen haben mit ihren Vorfahren aus der Steinzeit nicht mehr allzu viel gemein. Die evolutionären Anpassungen sind gravierend. Dabei sind einige Entwicklungen gar nicht mal zu unserem Vorteil. Viele Alltagsgebrechen gehen auf diese evolutionären Anpassungen zurück.
Würde Ötzi heute durch eine Stadt spazieren gehen, so sähe er ziemlich viel, worüber er sich wundern müsste. Bei seiner Größe von 158 Meter und 50 Kilogramm Körpergewicht käme er sich fast wie ein Zwerg vor – im Vergleich zu den heutigen Menschen. Dabei müsste ihm noch nicht einmal ein Hüne wie Basketballspieler Dirk Nowitzki über den Weg laufen. Für Ötzi wären ebenfalls die vielen Menschen mit blauen Augen wie ein Wunder. Zu seiner Zeit gab es kaum Menschen mit dieser Augenfarbe.

In der Steinzeit war vieles anders. Nur ganz wenige Erwachsene vertrugen Milch. Ötzis Kinder hätten nicht die feinmotorischen Fähigkeiten gehabt, mit wieselflinken Fingern über Touchscreens und PC-Tastaturen zu jagen. Okay, damals gab’s noch keine Mikrochips und Computer. Aber selbst wenn es diese schon gegeben hätte, wären solche Fähigkeiten noch nicht möglich gewesen. Doch die menschliche Evolution hat nicht nur Vorteile für den heutigen, modernen Menschen mit sich gebracht. Es entwickelten sich auch Gebrechen wie Knochenschwund, Kurzsichtigkeit oder Allergien. Damit musste sich in der Steinzeit kaum jemand herumschlagen.
Ötzi lebte vor ca. 5300 Jahren. Diese Zeitspanne ist in evolutionären Maßstäben eigentlich ein Klacks, denn normalerweise läuft die Evolution komplexen Lebewesen in ganz anderen Dimensionen ab. Hier wird eher in Jahrzehntausenden gerechnet. Und doch waren die Menschen der Steinzeit so ganz anders als wir heute. Zwischen ihnen und uns liegt etwas, das ziemlich viel veränderte: Die Entwicklung einer Zivilisation. Diese „menschliche Erfindung“ sollte die Umwelt berechenbarer machen. Damit hätten Anpassungsprozesse überflüssig werden können und die Evolution zum Stillstand kommen können.

Der Einsatz des Konjunktives ist an dieser Stelle äußerst richtig, denn es kam anders. Das genaue Gegenteil trat ein, denn die Veränderungen im menschlichen Leben und Zusammenleben waren so radikal, dass die hervorgerufenen Veränderungen beinahe in Zeitraffer abliefen. Der Körper des Homo sapiens veränderte sich im evolutionären Eiltempo. Der Wandel verlief aber nicht immer günstig für den Menschen.

Nachfolgend etliche Beispiele, die im Spiegel.de-Artikel aufgelistet werden.

Durch veränderte Ernährungsgewohnheiten muss der Mensch immer weniger kauen, sein Kiefer bildet sich zurück - Zahnfehlstellungen sind die Folge

Unsere steinzeitlichen Altvorderen mussten noch viel kauen. Diese mechanischen Prozesse regten bei den Steinzeitmenschen das Kieferwachstum an. Damit kannten diese Menschen kaum Zahnfehlstellungen, da die Zähne in einem gut ausgebildeten Kiefer ausreichend Platz hatten. Als jedoch der Mensch das Feuer entdeckte und nutzen lernte, wandelte sich seine Esskultur. Die Nahrung wurde immer weiter zerkleinert und gekocht. Heute gibt es wabbelige Hamburger und püriertes Obst. Die Bezeichnungen „Big Mac“ oder „Smoothie“ klingen zwar richtig hip, aber für unseren Kiefer fehlen die mechanischen Reize. Die Folge der sich verändernden Ernährungsgewohnheiten ist, dass unser Kiefer schrumpft und somit die Zähne immer weniger Platz haben. Aus diesem Grund müssen viele Menschen eine Spange tragen, um die Zahnfehlstellungen auszugleichen.

Auch die Weisheitszähne machen Probleme. Der Mund ist für sie mittlerweile zu klein geworden. Entweder sie suchen sich ein Plätzchen in der hintersten Ecke oder kommen gar nicht erst heraus. Diese Entwicklung führt jedoch zu Entzündungen und anderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Daher sind chirurgische Eingriffe, um die Weisheitszähne zu entfernen, an der Tagesordnung. Die Entfernung der „Achter“ ist die in Deutschland am häufigsten durchgeführte Operation.
Doch nicht nur der Kiefer entwickelt sich zurück. Auch unser menschliches Skelett wird von der Evolution immer weiter heruntergefahren. Untersuchungen an alten Beinknochen belegen, dass im Zeitraum von 2 Millionen Jahren bis vor etwa 7000 Jahren die Knochenstärke um ca. 15 % abnahm. Soweit so gut. Was uns aber ein paar Sorgen machen sollte, ist dass sich in den letzten 4000 Jahren die Knochenstärke um weitere 15 % reduzierte. Wofür die Evolution einst 2 Millionen Jahre benötigte, lief seit Beginn der Zivilisation in Zeitraffer ab.

Die Knochenstärke nimmt immer weiter ab - die Folge sind Arthrose, Rheuma und andere orthoädische Gebrechen

Forscher können diese Entwicklung ziemlich genau erklären. Der Mensch hat sich immer weiter von seinem Leben als Jäger und Sammler verabschiedet. Dies war anstrengend und benötigte viele Muskeln. Diese wiederum mussten an robusten Knochen befestigt werden, die unter extremen Belastungen nicht gleich kaputt gingen. Doch da diese Lebensweise aufgegeben wurde, wurden auch die robusten Knochen entbehrlich. Alles, was irgendwie nicht unbedingt gebraucht wird, streicht die Evolution, denn es wäre Energieverschwendung, solche Einrichtungen zu unterhalten. Im täglichen Überlebenskampf kann es einem Menschen sogar zum Nachteil gereichen. Denn wenn es zu Hungersnöten kommt, dann haben grazile Menschen gegenüber den muskulösen deutliche Vorteile. Sie müssen weniger Muskel- und Knochenmasse unterhalten und kommen damit mit weniger Kalorien, Vitaminen und Mineralien aus. Von daher haben sie bessere Chancen, eine Hungersnot zu überstehen.

Auch wenn es in heutigen Wohlstandsgesellschaften keine Hungersnöte mehr gibt, sorgt unsere Lebensweise dennoch für mehr Probleme als uns eigentlich lieb ist. Das Problem der westlichen Industriegesellschaften ist mittlerweile mehr der Nahrungsüberfluss und der Bewegungsmangel. Die Folgen sieht man fast überall: Die Menschen werden immer dicker. Deswegen müssen ihre Knochen mehr Masse tragen. Aber eigentlich sind die Knochen dafür ja nicht mehr ausgelegt, weil die Evolution ja beschlossen hat, den modernen Menschen zu verschlanken. Diese Entwicklung ist fast paradox. Der Mensch wird immer graziler und gleichzeitig immer schwerer. Hierin liegt eine wesentliche Ursache für Zivilisationsprobleme wie Arthrose, Rheuma und diverse andere orthopädische Probleme begründet.
Prima, oder? Aber vielleicht erkennt die Evolution die Sackgasse, in die sie die Menschheit hineinmanövriert und steuert dagegen? Diese Hoffnung, dass in der Entwicklung wieder die Richtung hin zum schlanken und knochenrobusten Menschen eingeschlagen wird, ist trügerisch. Denn es fehlt ein wichtiger Antriebsmotor: der Selektionsdruck. Sicherlich tut korpulenten Menschen mit schwachem Knochenbau mehr weh, aber dank der heutigen medizinischen Versorgungen könnten diese Leute ein ganz normales Leben führen. Sie haben keinerlei Nachteile im Überlebenskampf und können ihre Gene genauso wie alle anderen an die nächste Generation weitergeben.

Mit der Verkürzung der Gliedmaßen versucht die Evolution dem entgegen zu wirken

Es ist so kaum überraschend, dass eine Langzeitstudie an amerikanischen Frauen belegt, dass diese immer kleiner und gedrungener werden. Immer mehr Körpergewicht wird auf immer kürzeren Beinen mit sich herumgetragen. Die Gründe für diese Entwicklung werden eingefleischte Feministinnen nicht gefallen. Kleine, gedrungene Frauen haben laut Statistik mehr Kinder, während sich schlanke Frauen häufiger für den Beruf entscheiden und sich so seltener fortpflanzen.
Die Evolution versucht also das Problem der Dicken mit den schwachen Knochen irgendwie zu lösen. Sie greift dabei allerdings nicht auf das bekannte Modell aus der Steinzeit zurück, sondern probiert etwas Neues. Die Verkürzung der Gliedmaßen sorgt dafür, dass weniger Hebelkräfte auf unser Skelett einwirken. Diese Anpassung ist überraschend und kreativ.

Weniger Gestaltungsspielraum gibt es allerdings bei der Milchzuckerunverträglichkeit. Dabei ist die sogenannte Laktosetoleranz erst eine Anpassung, die sich in der jüngeren Menschheitsgeschichte vollzog. In der Steinzeit konnten in der Regel nur Kinder Milch verdauen. Ältere Menschen kamen nicht in den Genuss dieses Energielieferanten. Erst mit der Entwicklung hin zum Viehzüchter und Bauern tat sich die Energiequelle Milch auf. Damit begann vor 7000 Jahren auch die Entwicklung, dass erwachsene Menschen Milchzucker zu verdauen lernten. Erst allmählich konnten die Menschen Kuhmilch trinken. Dafür verantwortlich ist ein Gendefekt, der es Menschen ermöglicht nicht nur als Kind sondern auch als Erwachsener Milch zu trinken, ohne Bauchschmerzen zu bekommen.

Die Milchzuckerverträglichkeit ist eine Anpassung, die sich erst in der jüngeren Menschheitsgeschichte aufgrnd einer Genmutation durchsetzte

Der Selektionsdruck war groß genug, denn in schlechten Zeiten konnte Kuhmilch das Überleben sichern. So setzte sich der Gendefekt allmählich durch. Heute haben die meisten Europäer und Amerikaner mit europäischen Wurzeln kaum Probleme, Milch zu verdauen. In Afrika leiden allerdings 80 bis 100 Porzent der Bevölkerung an Laktoseunverträglichkeit. Diese Verteilung wird sich sicherlich im Laufe der Zeit aufgrund von Völkerwanderungen und Durchmischungen verändern, doch die Gesamtsituation an sich bleibt unverändert: Es wird weiterhin Menschen geben, die mit Milch Probleme haben und andere wiederum, die keine Milch vertragen. An diesen ist die Evolution buchstäblich vorbeigerauscht.

Wissenschaftler bezeichne die Milchzuckerverträglichkeit als klassischen Evolutionssprung gemäß der Darwinschen Evolutionstheorie. Ausgehend von einer zufälligen Veränderung im menschlichen Erbgut setzt sich diese durch, da sie über das Wohl und Wehe ihren Trägers und seines Lebensstils entscheidet.
Es gibt jedoch auch Entwicklungen, die im menschlichen Körper ablaufen, die aber gar nicht so stark in unserem Erbgut verankert sind. Streng betrachtet gehören sie daher gar nicht zur Evolution. Dennoch beeinflussen sie massiv die menschliche Gesundheit.

Die Folgen des modernen Lebensstils: Neue blutbahnen entstehen und Frauen haben einen veränderten Hormonhaushalt

Ein Beispiel hierfür ist der weibliche Hormonhaushalt. Dieser in den letzten Jahrtausenden gehörigen Veränderungen unterworfen. Frauen waren in der Steinzeit entweder schwanger oder sie stillten ihre Kinder. Dies schlug sich deutlich in ihrem Östrogenlevel nieder. Heute haben viele Frauen deutlich weniger Kinder und wenn es Kinder gibt, dann sind die Stillzeiten deutlich kürzer. In Industrienationen wird außerdem oft mit der Anti-Baby-Pille verhütet. Dies führt jedoch dazu, dass Frauen viel größeren Mengen des Hormons Östrogen ausgesetzt sind und deswegen die Brustkrebserkrankungen stark steigen.

Bei weitem nicht so gefährlich, dafür aber für Wissenschaftler umso mysteriöser ist die Entwicklung, dass vielen Menschen im Arm eine neue Schlagader wächst. Diese wurde auf den Namen Arteria mediana getauft. Als Embryo besitzt fast jeder Mensch diese Blutbahn. Sie bildet sich jedoch in der Regel nach der Geburt wieder zurück. So war es zumindest für viele Jahrtausende. Doch in der modernen Gesellschaft gibt es Veränderungen. Noch besaßen zu Beginn des 20 Jahrhunderts nur ca. 10 % der Menschen die Arteria mediana im Erwachsenenalter. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts und damit nur 100 Jahre später waren es bereits 30 %. Ganz offensichtlich meint die Evolution, dass es sinnvoll ist, den durch Handwerk und Arbeit belasteten Fingern eine zusätzliche Blutversorgung zu spendieren. Doch die Ausbildung der Arteria mediana hat nicht nur Vorteile. Das Karpaltunnelsyndrom ist äußerst schmerzhaft. Experten fanden bei überdurchschnittlich vielen Patienten eine ausgeprägte Arteria mediana. Die zusätzliche Arterie macht also im Arm Scherereien, da hier bereits viele Nerven- und Blutbahnen auf engstem Raum klarkommen müssen.

Wenn sich die Evolution zwischen Malaria-Bekämpfung und optimaler Sauerstoffversorgung des Körpers entscheiden muss, hat die Seuchenbekämfpung oberste Priorität - auch wenn das unter Umständen mit einer Anämie einher geht

Es gibt aber auch das Gegenteil, dass sich Blutgefäße zurückbilden wie beispielsweise Arterienäste, die für die Durchblutung der Schilddrüse zuständig sind. Auch hier reagiert die Evolution auf einen Missstand. Bei der sogenannten Hyperthyreose kommt es zu einer krankhaften Überfunktion der Schilddrüse. Immer mehr schwangere Frauen leiden unter diesen Symptomen.
Aber es gibt auch Blutgefäße, bei denen eine Korrelation mit dem Klima festgestellt wurde. Damit spielt der Wohnort des Menschen eine Rolle. So hat jeder vierte Nordeuropäer eine Rückenarterie. Bei Bewohnern in Äquatornähe findet sich diese Ader nur bei drei von 100 Personen. Der Oberkörper von Menschen, die am Äquator wohnen, ist in der Regel kleiner und schlanker. Forscher vermuten, dass der wuchtige Oberkörper der Nordeuropäer eine zusätzliche Blutversorgung gut gebrauchen kann.

Größere Auswirkungen hat es, wenn von den evolutionären Versuchen sowohl das Blut als auch das Immunsystem betroffen ist. In Gebieten mit Malaria ist zu beobachten, dass sich zunehmend ein Gendefekt durchsetzt. Er führt auf der einerseits dazu, dass dem Malaria-Erreger die Überlebensgrundlage geraubt wird. Auf der andere Seite führt er aber im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Blutarmut. Wenn sich also die Evolution beim Menschen zwischen dem Schutz vor Malaria und einer optimalen Sauerstoffversorgung entscheiden muss, so gewinnt der Seuchenschutz. Dieser ist für den Arterhalt wichtiger. Mit den Folgen des Gendefekts müssen Ärzte in den Tropen kämpfen: Bei ihnen werden immer mehr Patienten vorstellig, die unter Blutarmut leiden.

Einst schützte den Menschen ein Parasit für überschießenden Immunreaktionen. Da dieser Dauergast dank besserer Hygiene vor die Tür gesetz wurde, gibt es immer mehr Autoimmunkrankheiten und Allergien

Auch die Zunahme von Autoimmunkrankheiten und Allergien hängt mit dem evolutionären Erbe zusammen. Viele Jahrhunderte lang besiedelte der Pärchenegel unseren Darm. Dank besserer Hygiene haben wir mittlerweile diesen Dauergast verloren. Der Parasit hatte allerdings auch seine Vorteile, denn er stimulierte das Immunsystem, indem er die Produktion von Abwehreinheiten anregte. Diese schützten nicht nur vor dem Wurm sondern auch vor Immunreaktionen, die aus dem Ruder laufen.
Da sich die menschlichen Lebensumstände verändert haben und immer mehr Menschen in Städten lebten, gibt es den Pärchenegel in unseren Gedärmen nicht mehr. Damit fehlt dem Immunsystem sehr häufig eine wichtige Korrekturinstanz. Einige Wissenschaftler plädieren dafür, die entscheidenden Moleküle auf der Oberfläche des Wurms nachzubauen, um damit das Immunsystem entsprechend zu trainieren und so empfindliche Menschen vor überschießenden Immunreaktionen zu schützen. Bis es jedoch soweit ist, müssen sich viele Heuschnupfen- und Allergiegeplagte in Geduld üben.

An einige zivilisatorische Begleiterscheinungen haben wir uns mittlerweile schon gewöhnt. Dazu gehört die Kurzsichtigkeit. In den Industrienationen ist ca. ein Drittel der Bevölkerung kurzsichtig. In Asien sind es sogar schon 90 Prozent der Menschen. Der Grund hierfür liegt in unserer Arbeitsweise. Viele sitzen immer öfter und länger nah an irgendwelchen Objekten z. B. vor dem Computer.
Um dabei ein akzeptables Bild zu erzeugen, muss das Auge sich ziemlich anstrengen und die Linse immer wieder neu fokussieren. Die Evolution löst das Problem relativ pragmatisch: Der Augapfel wächst einfach in die Länge. Damit entfällt ein erheblicher Teil der Anpassungsarbeiten. Man muss sich also bei der Naharbeit nicht mehr so anstrengen. Im Zeitalter von Brillen, Kontaktlinsen und Augenlaser kann auch der Nachteil, dass man nicht mehr so scharf in die Ferne blicken kann, ausgeglichen werden. Da es gegen die Kurzsichtigkeit keinen Anpassungsdruck gibt, wird die komplette Menschheit über kurz oder lang wohl kurzsichtig.

Die Arbeit am Bildschirm fördert die Entwicklung hin zur Kurzsichtigkeit

Viele Wissenschaftler und Experten stellen sich bereits die Frage, wie der Mensch in Zukunft aussehen wird. Vermutlich wird er kurzsichtig durch die Welt laufen. Aber das fällt nicht wirklich auf. Bei Frauen könnten sich die Brüste zurückentwickeln, da das Krebsrisiko eigentlich viel zu groß ist. Männer könnten weniger Muskeln haben, denn diese braucht man ja hinterm Schreibtisch nicht mehr. Doch an dieser Stelle kommt ein anderer Evolutionsfaktor ins Spiel: die sexuelle Selektion. Darunter versteht man, dass ausgeprägte weibliche Brüste und männliche Muskeln nach wie vor bei der Partnersuche anziehend wirken und deswegen eine große Rolle spielen. Durch die sexuelle Selektion konnten sich bereits die blauen Augen durchsetzen und verbreiten. Physiologisch gesehen bieten sie keinerlei Vorteile, aber erotisch wirken sie anziehend. So gibt es sie heute und wird es sie auch in Zukunft geben.

Verlieren wird die Menschheit wohl ihre Geschmackssensoren für Bitteres. Früher diente der Bittersinn der Warnung vor giftigen Speisen. Aber heute werden diese Geschmacksrezeptoren kaum noch angesprochen. Und was ist mit dem menschlichen Gehirn – dem „Kronjuwel der Schöpfung“. Tja, Fakt ist: Der Mensch wird zwar immer mehr zum Kopf- als zum Körperarbeiter aber das Gehirnvolumen ist in den letzten 5000 Jahren um ca. 200 Milliliter geschrumpft. Wenn diese Entwicklungen so weiter gehen, dann haben wir bald wieder die Ausmaße des Homo erectus „zwischen den Ohren“. Für diese Entwicklung sind nur zwei Erklärungen möglich: Entweder wird unser Gehirn immer effizienter, sodass weniger Platz benötigt wird oder aber die Menschheit verblödet. Wenn man sich teilweise das TV-Programm mit den ganzen Trash-Shows anschaut, klingt die letzte Variante eigentlich auch ganz plausibel. ;o)

 


Quellen:

Aktualisiert ( Freitag, 18. Mai 2012 um 22:20 Uhr )
 

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