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Khoi-San: Die Stammeslinie des ältesten Volkes der Welt lässt sich 100.000 Jahre zurückverfolgen

Khoi-San: Die Stammeslinie des ältesten Volkes der Welt lässt sich 100.000 Jahre zurückverfolgen (Wordle)

Die Frage, wie sich aus den archaischen Vorfahren des Menschen der Homo sapiens entwickelte, beschäftigt die Wissenschaft schon seit langem. Nun wurde das Erbgut des Volkdes der Khoi-San untersucht. Es liefert Hinweise auf die Entwicklung zum modernen Menschen. Die im Süden Afrikas lebende Bevölkerungsgruppe weißt eine erstaunliche genetische Vielfalt auf.

Nun ist es amtlich: Die Khoi-San sind die älteste Volksgruppe des modernen Menschen. Mit ihrer mehr als 100.000 Jahre zurückreichenden Stammeslinie kann es kein anderes Volk aufnehmen. Damit ist der Stammbum der Khoi-San etwa doppelt so alt wie der der Pygmäen oder der ostafrikanischen Jäger- und Sammler-Völker.
Erst kürzlich veröffentlichte Untersuchungen von archäologischen Funden kamen zu dem Schluss, dass die Kultur der San schon vor 44.000 Jahren existierte. Seit damals leben die San als Jäger und Sammler.

Nun analysierte ein internationales Team von Wissenschaftlern das Erbgut von 220 Menschen. Diese gehören elf verschiedenen Bevölkerungsgruppen an, die aber alle zur Gemeinschaft der Khoi-San gehören. Für ihre Studie mussten die Forscher 2,3 Millionen Erbgutvarianten untersuchen. Die Ergebnisse liefern wichtige Einblicke in die Evolution des Menschen. Ein wichtiger Meilenstein darin ereignete sich vor mehr als 100.000 Jahren als sich der moderne Mensch entwickelte und von Afrika aus die Welt eroberte.

2,3 Millionen untersuchte Erbgutvarianten belegen die 100.000 Jahre alte Stammeslinie der Khoi-San

Die Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass der moderne Mensch wahrscheinlich nicht an einem einzigen geografischen Ort entstand. Das zumindest schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin „Science“ und berufen sich dabei auf die genetischen Unterschiede der Populationen im südlichen Afrika. Vielmehr ist wahrscheinlich, dass es in dieser wichtigen Phase der Menschheitsgeschichte mehrfach zu Vermischungen und Abspaltungen gekommen ist. So ist es denkbar, dass der anatomisch moderne Mensch nicht aus einer homogenen Gruppe von Vorfahren hervorging.

Noch allerdings ist unklar, wie sich der Schritt vom archaischen Urmensch zum modernen Mensch genau vollzog. Die Analyse der Gene der Khoi-San gibt allerdings Hinweise, welche genetischen Stellschrauben bei diesem Wandel involviert waren. Die Khoi-San besitzen sehr ursprüngliche Genvarianten. Unter diesen entdeckten die Wissenschaftler drei Gene, die unter anderem für die Entwicklung des Skeletts und des Schädels wichtig sind.
Eines der Gene heißt RUNX2. Nach Ansicht der Forscher ist es für einige der Unterschiede in der Anatomie von modernem Mensch und den archaischen Vorfahren mit verantwortlich. RUNX2 beeinflusst beispielsweise die Wölbung der Stirn, die Form des Brustkorbs und der Schlüsselbeine. Außerdem steuert das Gen den Zeitpunkt, wann sich der Schädel schließt. Dieser Zeitpunkt wiederum ist für die Gehirnentwicklung von entscheidender Bedeutung.

Die Forscher vermuten daher, dass die Selektion von wenigen Genen wie den identifizierten drei Kandidaten die Entwicklung des anatomisch, modernen Menschen mit beeinflusst haben könnte.

Einige wenige Gene können die Menschwerdung maßgeblich beeinflusst haben

Innerhalb der Khoi-San fanden die Forscher erstaunlich große Unterschiede. So ließen sich anhand der DANN einige Aspekte der Stammesentwicklung nachvollziehen.  So belegen die Gene, dass sich die heute im Norden Namibias und Angolas lebenden San bereits vor 25.000 bis 43.000 Jahren von den übrigen Khoi-San abspalteten.  So entstand eine nördliche und eine südliche Untergruppe der Khoi-San. Diese Diversifikation wurde durch Landschaftsbarrieren wie Wüsten und Gebirge  verursacht – zumindest aber begünstigt.

Die Studie kann auch begründen, warum die Nama anders als die anderen Khoi-San leben. Die Nama sind ein in Namibia verbreiteter Volksstamm. Sie leben als sesshafte Bauern und nicht wie die übrigen San als Jäger und Sammler. Ihr Erbgut zeigte eine Verwandtschaft zu Völkern aus Ostafrika auf. So sind sie genetisch mit den Massai verwandt. Sehr wahrscheinlich brachten ostafrikanische Einwanderer die Landwirtschaft in das südwestliche Afrika lange bevor die Bauern aus dem westlichen Zentralafrika vor 1500 Jahren einwanderten.
Sehr wahrscheinlich haben die Nama eine Genvariante von den Massai geerbt, die es ihnen ermöglicht, auch als Erwachsene Milchzucker abbauen und verdauen zu können. Bei anderen Khoi-San-Gruppen trägt nur jeder Zehnte diese Genvariante in sich, die dafür sorgt, dass man nach dem Genuss von Milch keine Bauchschmerzen bekommt.

Heute leben die Stämme der Khoisan verstreut über die afrikanischen Staaten Botswana, Namibia, Südafrika, Angola, Sambia und Simbabwe. Alle Angehörige dieser Volksgruppe sind zierlich gebaute Menschen. Leider konnten nur die wenigsten der modernen Lebensweise widerstehen. Nur noch sehr wenige der Buschmänner leben traditionell wie ihre Vorfahren als Jäger und Sammler oder Viehhirten.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 26. September 2012 um 20:14 Uhr )
 

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