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Zündete Schlafen auf dem Boden den Turbo für die Gehirnentwicklung

Zündete Schlafen auf dem Boden den Turbo für die Gehirnentwicklung

Wer auf Bäumen schläft, muss sich vor seinen Träumen in Acht nehmen. Allzu heftiges Träumen kann zum Absturz führen. Und das gäbe ein Böses erwachen. Forscher vermuten nun, dass das Verlassen des Nachtlagers in den Bäumen die menschliche Evolution beschleunigte. Das Schlafen auf dem Boden könnte die Entwicklung des Gehirns bei unseren Vorfahren positiv beeinflusst haben.

Heute stellt sich die Frage, ob die Schlafposition Einflüsse auf die Partnerschaft hat. Bist Du Bauch- oder Rückenschläfer? Doch viel einschneidender für die menschliche Entwicklung war die Frage: Baumschläfer oder Bodenschläfer? Da wir die Frühmenschen leider nicht mehr befragen können, müssen wir uns geeignete Studienobjekte in der näheren Verwandtschaft suchen. Bei Schimpansen konnte beobachtet werden, dass sie regelmäßig die schützenden Baumwipfel verlassen und in der Nacht lieber gemütlich auf dem Boden schlummern. Haben sich unsere Vorfahren auch so verhalten? Und wenn ja, wie hat sich der Schlafplatz auf ihre geistige Entwicklung ausgewirkt?

Bereits vor 3,2 Millionen Jahren entwickelte sich Australopithecus afarensis. Dieser Vormensch, dessen bekannteste Vertreterin das Fossil Lucy ist, konnte bereits sehr gut auf zwei Beinen gehen. Er besaß lange Arme und schlanke Finger. Mit ihnen konnte er nach wie vor hervorragend klettern. Da würde es passen, wenn sich Australopithecus nachts den Schutz der Baumwipfel gesucht hätte. Er wäre dort sicher vor seinen Feinden gewesen.

War Australopithecus afarensis ein Baumschläfer und Homo erectus ein Bodenschläfer?

Sollte diese Annahme stimmen, so wäre Homo erectus der erste Frühmensch gewesen, der sein Schlaflager lieber auf dem Boden errichtete. Homo erectus betrat die Weltbühne vor ca. 1,9 Millionen Jahren. Sein Körper war nicht mehr für das Klettern geschaffen. So musste er am Boden bleiben. Homo erectus steht im Verdacht, als Erster das Feuermachen erlernt zu haben. Mit Hilfe der Flammen hätte er nachts Feinde abschrecken können.
Eine Studie an westafrikanischen Schimpansen zeigt, dass Bodenschlafen auch bei Schimpansen sehr beliebt ist. Insgesamt stöberte Kathelijne Koops von der University of Cambridge 634 Schimpansen-Schlafplätze in den Nimba-Bergen von Guinea auf. 90 Schlafstätten befanden sich auf dem Boden.
Selbst in der Demokratischen Republik Kongo fanden Forscher Schlafplätze von Schimpansen am Boden. Dies ist umso erstaunlicher, da diese im Jagdgebiet von Leoparden lagen. Die Schimpansen nächtigen dort trotz Feinden und obwohl sie keine so mächtige Verteidigungsmöglichkeit wie das Feuer haben. Es ist daher gut möglich, dass sich das Bodenschlafen sogar schon bei Australopithecus durchgesetzt hatte.

Beförderte der REM-Schlaf eine evolutionäre Rückkopplungsschleife?

Der Wechsel des Schlafplatzes trotz der Gefahr von Fressfeinden muss einen wichtigen Vorteil mit sich gebracht haben. Der Anthropologe Thomas Wynn von der University of Colorado vermutet daher, dass dadurch die geistige Entwicklung der frühen Menschen entscheidend vorangebracht wurde. Wer auf dem Boden schläft, kann länger und heftiger träumen. Dafür braucht es REM-Schlafphasen, in denen sich die Muskeln entspannen. Der REM-Schlaf ist enorm wichtig für das Erinnerungs- und Wahrnehmungsvermögen. Heute weiß man, dass Erlerntes während der Schlafphasen gefestigt wird.  Nur im Tiefschlaf kann man sich nicht auf einem Baum festhalten. Also musste man sein Glück auf dem Boden versuchen.

Da aber das Bodenschlafen die geistige Weiterentwicklung ankurbelte, kam es zu einer Rückkopplungsschleife: Die Bodenschläfer waren schlauer und konnten sich beispielsweise durch die Nutzung von Feuer ihrer Feine erwehren. Dadurch konnten sie wiederum entspannter und friedlicher Schlafen, was sich erneut positiv auf die geistige Entwicklung auswirkte.
Es scheint fast so als ob der Mensch im Schlaf zum Schlaumeier geworden wäre.

Schlau dank Schlaf

So schön das alles klingt. Es gibt allerdings auch Wissenschaftler, die diese Theorie von Schlau durch Schlaf kritisch sehen. Dazu gehört die Paläoanthropologin Carol Ward (University of Missouri in Columbia). Sie gibt es bedenken, dass es enorme Unterschiede zwischen Schimpansen und unseren Vorfahren gibt. Dadurch ließen aus solchen Studien keine wirklich gesicherte Rückschlüsse ziehen. Für sie bleibt die vorgestellte Theorie daher sehr spekulativ.

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Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 09. Oktober 2012 um 20:24 Uhr )
 

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