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Evolution: Nur Rohkost macht kein großes Gehirn

Evolution: Nur Rohkost macht kein großes Gehirn  (Wordle)

Wie wir letzte Woche bereits berichteten, hat der Mensch im Verhältnis zum Körpergewicht im Tierreich ein großes Gehirn. Das menschliche Gehirn ist zwar nicht das größte von allen Tieren, aber immerhin unter den Primaten ist Homo sapiens der Rekordhalter. Doch warum konnte das menschliche Denkorgan überhaupt so groß werden? Einige Forscher drücken ihre Vermutung recht flapsig aus: Weil Affen keine Köche sind. Diese These wollen jetzt zwei Forscherinnen indirekt bestätigt haben, indem berechnet haben, wie viel Energie unser Gehirn verbraucht.

Es ist die typische Frage nach dem Henne-Ei-Problem: Was war in der Steinzeit zuerst da? Das große Hirn oder der Herd mit dem Feuer zum Kochen? Bereits seit einiger Zeit wird unter Evolutionsbiologen eine heftige Debatte geführt. Es geht um die zentrale Frage; ob die Fähigkeit zu kochen die Gehirnentwicklung der Frühmenschen beeinflusste. Einige Forscher wie Richard Wrangham sind überzeugt davon, dass ein warmes Essen die Basis dafür schuf, dass unsere Vorfahren wie der Homo erectus vor über einer Million Jahren den Energiebedarf des wachsenden Gehirns stillen konnte. Andere Forscher wiederum sehen die Kausalkette umgekehrt. Für sie gab es zuerst das größere Denkorgan, mit dem die Frühmenschen dann allerlei Dinge erfanden – eben auch das Kochen.

Wann genau gab es den ersten Koch in der Steinzeit?

Allerdings ist noch nicht einmal gesichert, wann der erste Mensch begann, Nahrung mit Hilfe von Feuer zuzubereiten. Die älteste Feuerstelle wurde 2008 in Israel entdeckt. Sie ist rund 800.000 Jahre alt. Allerdings belegen die archäologischen Funde nicht, ob mit Hilfe dieses Feuers bereits gekocht wurde.
Nun bringen zwei brasilianische Forscherinnen neuen Schwung in die festgefahrene Diskussion. Sie haben berechnet, wie viele Kalorien (ja, genau jene fiesen Viecher, die nachts die Kleidung enger nähen ;o) ) ein Primat zu sich nehmen muss, um sein Gehirn mit ausreichend Energie zu versorgen, wenn es rund zwei Prozent seines Körpergewichts ausmacht. Damit wäre es im Vergleich genauso groß wie das menschliche und dieses benötigt immerhin 20 Prozent der gesamten, im Ruhezustand verbrauchten Energie. Die beiden Wissenschaflerinnen Karina Fonseca-Azevedo und Suzana Herculano-Houze forschen an der Universidade Federal do Rio de Janeiro (Brasilien).  Nachdem die Ergebnisse für die zusätzliche Energie berechnet waren, konnten die beiden Forscherinnen vergleichen, wie viel Zeit Menschenaffen und andere Primaten aufwenden müssen, um eine bestimmte Nahrungsmenge zu sammeln und zu verzehren.

Gorillas müssten täglich zwei Stunden mehr für die Nahrungssuche aufwenden und wären dann 10 Stunden mit Fressen beschäftigt

Ein Gorilla muss 122 Milliarden Gehirnzellen zusätzlich entwickeln, um auf eine Gehirnmasse zu kommen, die zwei Prozent seines Körpergewichts entspricht. Um es zu unterhalten, müsste der Gorilla jeden Tag 733 Kilokalorien mehr fressen, denn ein Gehirn verbraucht für jede zusätzliche Milliarde Neuronen und die dazugehörigen Synapsen rund sechs Kilokalorien. Um an diese zusätzliche Energie zu kommen, müsste der Menschenaffe jeden Tag zwei Stunden und zwölf Minuten länger auf Futtter- und Nahrungssuche gehen. Die beiden brasilianischen Wissenschaftlerinnen schreiben im Fachmagazin PNAS, dass Gorillas bereits acht Stunden pro Tag mit Fressen beschäftigt sind. Dies sind schon 80 Prozent ihres Tages, die die sanften Riesen aufbringen müssen, um ausreichend Energie zu tanken, da Blätter und Früchte recht Kalorien arm sind. Selbst bei Schimpansen, die dafür bekannt sind, dass sie auch Jagd auf kleinere Affenarten machen, liefert rohes Fleisch weniger Power als Gekochtes.

Hätte sich der Homo erectus vor ca. einer Million Jahren genauso wie die heutigen Menschaffen ernährt, er hätte mindestens neun Stunden täglich umherstreifen und Nahrung suchen müssen. Dann wäre kaum Zeit geblieben für andere Dinge wie z. B. das Fertigen von Werkzeugen oder die Pflege von sozialen Kontakten. Da aber genau das stattgefunden hat, muss dem Homo erectus mehr Zeit zur Verfügung gestanden haben. Diese konnte er wahrscheinlich bei der Nahrungssuche einsparen, denn wenn man Nahrung kocht, kann der Körper Nährstoffe besser verdauen und mehr Kalorien aufnehmen. Es sieht demnach so aus, dass allein auf Rohkost-Basis kein großes Gehirn entwickelt werden konnte. Damit wäre die Theorie von Wrangham indirekt bestätigt worden. 

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Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 24. Oktober 2012 um 20:10 Uhr )
 

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