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Anthropologie: Auf die Bäume, Ihr Vorfahren von Australopithecus afarensis!

Anthropologie: Auf die Bäume, Ihr Vorfahren von Australopithecus afarensis! (Wordle)

Wahrscheinlich hielten sich die frühen menschlichen Vorfahren noch häufig auf den Bäumen auf. Zu dieser Erkenntnis gelangte eine Untersuchung an den fossilen Überresten eines Australopithecus afarensis. Die versteinerten Knochen sind ca. 3,3 Millionen Jahren und gehörten einem Stammesmitglied von Lucy, einem der berühmtesten menschlichen Skelette überhaupt.

Fakt ist aber auch, dass Australopithecus afarensis bereits aufrecht gehen konnte. Allerdings suchten diese Vormenschen wahrscheinlich noch die Nähe zu den Bäumen, die immerhin Schutz vor Fressfeinden auf dem Boden boten. Dass die Frühmenschen in den Bäumen lebten, darauf deuten die fossilen Schulterblätter eines näher untersuchten Individuums hin. So berichten US-amerikanische Forscher im Fachmagazin Science, dass die Schulterblätter in ihrer Form und Ausrichtung noch sehr stark an Affen erinnerten. Noch deutlich ließe sich die Anpassung an eine Lebensweise auf Bäumen erkennen. Vermutlich hat der Mensch das Klettern in seiner Entwicklung länger beibehalten als bislang gedacht. Frühere Thesen gingen davon aus, dass sobald der aufrechte Gang entwickelt war, die Kletterfähigkeiten überflüssig wurden und deshalb verkümmerten.

Beherrschte Lucys Sippe noch das Klettern oder konzentrierten sie sich ausschließlich auf den aufrechten Gang?

Doch die Wissenschaftler müssen sich nach der Untersuchung der Schulterknochen und der Wirbelsäule des Dikika-Mädchen genannten Fossil berichtigen. Die Fossilien, die im Jahr 2000 in Äthiopien entdeckt wurden, lassen keinen Zweifel: Im Stadium des Australopithecus afarensis kletterten die Frühmenschen noch immer in den Bäumen herum. Das Klettern war demnach ein langer Bestandteil in der menschlichen Evolution.
Das Dikika-Mädchen ist deshalb so fazinierend, da hier die Schulterknochen erhalten geblieben sind. Solche Fossilien sind sehr selten.

Die in der Studie nun veröffentlichten Erkenntnisse befeuern die seit Jahren andauernde Debatte, ob Lucys Sippe, also Australopithecus afarensis, nun ein strikter Zweibeiner war oder auch in den Baumkronen herumkletternd heimisch war? Bislang wurde die Debatte „ergebnisoffen“ geführt, da Fossilien, bei denen die Partie des Schultergürtels erhalten blieb, fehlten. In den seltenen Fällen, wo man doch Überreste fand, handelte es sich meist nur um Bruchstücke, die keine genauen Rückschlüsse zuließen.

Dikika-Mädchen faziniert die Wissenschaftler

Die Entdeckung von zwei intakten Schulterblättern bei dieser Vormenschenart kam daher dem Knacken eines Jackpots gleich. Beim Dikika-Mädchen handelt es sich um die Überreste eines ca. dreijährigen Kindes, die in Äthiopien gefunden wurden. Zum Zeitpunkt des Fundes waren die Knochen allerdings fast vollständig in einem Sandsteinblock eingeschlossen und mussten vorsichtig in mühevoller Kleinarbeit herausgearbeitet werden. So dauerte die Freilegung der Schulterblätter des Australopithecus afarensis-Mädchens insgesamt elf Jahre.

Erst jetzt konnten die Überreste genau untersucht werden und es wurde deutlich, dass der Sockel für das Schultergelenk bei den uralten Knochen nach oben zeigte. Das Bild, dass sich dadurch zeichnet, erinnert stark an die heutigen Menschenaffen. Der nach oben zeigende Sockel des Schultergelenkt verteilt besser die Belastungen beim Klettern, die beispielsweise durch das Über-Kopf-Greifen entstehen. Eine solche Anpassung macht aber nur dann Sinn, wenn das Leben in den Bäumen einen großen Teil im Alltagsleben der Art ausmachte. Beim modernen Menschen dagegen zeigen die Ansatzstellen für das Schultergelenk nach unten und außen.
Nun fügt sich also ein weiteres Puzzleteil in unser Bild von Australopithecus afarensis ein: Dieser Vormensch besaß zwar bereits Füße, Hüfte und Beine, die an den aufrechten Gang angepasst waren, aber dennoch löste er sich noch nicht ganz von seiner bisherigen Lebensweise. Die Individuen verbrachten noch einen Großteil ihres Lebens in den Bäumen. Vielleicht suchten sie in den Baumwipfeln nach essbaren Früchten und erweiterten so ihren Speiseplan. Damit unterstreicht die Art einmal mehr ihre ungewöhnliche Stellung innerhalb des menschlichen Stammbaums. Australopithecus afarensis war demnach noch nicht ganz Mensch, aber Lucy und ihre Zeitgenossen bogen bereits auf die Zielgerade ein.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 31. Oktober 2012 um 00:37 Uhr )
 

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