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Die Blutgruppen A, B, AB und Null gibt es seit mehreren Millionen Jahren

Die Blutgruppen A, B, AB und Null gibt es seit mehreren Millionen Jahren (Wordle)

Das menschliche Blutgruppensystem ist ein fester Bestandteil des Biologie-Lehrplans an deutschen Schulen und so verwundert es auch nicht, dass jeder weiß, dass es beim Mensch die vier Blutgruppen A, B, AB und Null gibt. Ist eine Bluttransfusion notwendig, so sollten die Blutgruppen-Merkmale von Spender und Empfänger zueinander passen, da sonst tödliche Komplikationen auftreten können.

Was dann schon wieder deutlich weniger Menschen wissen dürften, ist die Tatsache, dass auch bei vielen Primaten das gleiche Blutgruppensystem nachgewiesen werden konnte. Forscher haben nun die Entwicklung des sogenannten AB0-Systems analysiert und kommen zu dem Schluss, dass die vererbten Genvarianten mehr als 20 Millionen Jahre alt sein müssen.

Nur ein einziges Gen ist dafür verantwortlich, ob ein Mensch die Blutgruppe A, B, Null oder AB hat. Die verschiedenen Varianten dieser Erbgutanlage beeinflussen letztlich, ob sich bestimmte Antigene im Blut und auf der Oberfläche vieler Zellen befinden. Allgemein gilt, dass jemand mit der Blutgruppe AB die wenigsten Sorgen hat, wenn er jemals Blutkonserven benötigen sollte, denn er verträgt sämtliche Blutgruppen. Als Blutspender sind die Träger der Blutgruppe Null besonders beliebt. Da ihr Blut keine Antigene hat, kann es jedem Empfänger verabreicht werden.

Das AB0-System wird auch als Polymorphismus bezeichnet

Die Antigene der verschiedenen Blutgruppen finden sich nicht nur auf den roten Blutkörperchen sondern auch auf der Oberfläche von vielen anderen Zellen. Letztlich produzieren die Varianten A und B nur leicht variierende Versionen eines Enzyms. Bei der Blutgruppe Null hat das Protein seine Funktionsfähigkeit sogar komplett verloren. Die Schätzung des Alters dieser Erbgutvarianten hat nun ein internationales Forscherteam im Fachmagazin PNAS veröffentlicht. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich der sogenannte Polymorphismus vor mehr als 20 Millionen Jahren entwickelt haben muss.

Bis diese Erkenntnis feststand, musste das Erbgut von verschiedenen Primatenarten auf seine Merkmale hinsichtlich der Blutgruppen untersucht werden. Dieser artübergreifende Blick auf das AB0-System erweiterte die bisherige Datenlage erheblich. Für Ihre Studie sequenzierten die Wissenschaftler das sogenannte AB0-Gen von mehreren Menschenaffenarten. Darunter befanden sich Bonobos, den westafrikanischen Schimpansen, Flachlandgorillas und Orang-Utans. Darüber hinaus wurde erstmalige diese Gensequenz bei weiteren Primaten näher untersucht. Dazu zählten die schwarz-weißen Stummelaffen, die südlichen Grünmeerkatzen, die Marmosetten und die schwarzen Brüllaffen.

AB0-System ist unter Primaten weit verbreitet

Insgesamt wurden 40 Primatenarten in die Untersuchung des AB0-Polymorphismus einbezogen. Überraschenderweise fehlt bei einigen Spezies die A- oder die B-Variante. Beispielsweise tragen alle untersuchten Schwarzen Brüllaffen die B-Variante in sich. Bei allen untersuchten Marmosetten konnte nur die A-Variante nachgewiesen werden.
Nachdem die Sequenzierungsdaten vorlagen, konnten die Forscher die Gensequenzen miteinander vergleichen und so herausfinden, welche der bisher zur Diskussion stehenden Thesen die Entstehung des AB0-Systems besser erklärt:

  • Theorie 1: Die Variante der Blutgruppe A ist sehr alt. Die B-Variante entwickelte sich bei verschiedenen Primatenarten mehrmals unabhängig voneinander. Diese Parallelentwicklung erfolgte mindestens sechsmal. Die Variante, die der Homo sapiens heute besitzt, entstand demnach erst, nachdem der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse lebte.
  • Theorie 2: Der Polymorphismus ist uralt. So haben ihn Mensch und verschiedene Altweltaffen-Spezies gemeinsam.

Die jetzt in PNAS veröffentlichten Daten sprechen eindeutig für die zweite Hypothese. Demnach ist das AB0-System ein artenübergreifender Polymorphismus, der von Menschen, Gibbons und den untersuchten Altweltaffen geerbt wurde. Demnach müssen sich diese Genvarianten vor mehreren zehn Millionen Jahren entwickelt haben. Mit dieser Formulierung bleiben die Forscher bewusst ziemlich wage, denn sie wollen nicht ausschließen, dass das AB0-Blutgruppensystem ein Alter von 20, 30 oder 40 Millionen Jahren hat. Genauer lässt sich das Alter anhand der heutigen DNA-Sequenzen leider nicht ermitteln.

Polymorphismus entstand vor mehreren zehn Millionen Jahren

Es ist allerdings nicht klar, warum sich diese Genvarianten so lange bei den verschiedenen Arten gehalten haben. Dass es hier einen Zusammenhang mit den Antigenen auf den roten Blutkörperchen gibt bestreiten die Forscher. Denn diese Kombination findet sich nur bei den Menschenartigen. Dazu gehören neben dem Mensch und den Menschenaffen auch die Gibbons.

Zumindest der Mensch hat sich Gedanken um die Bedeutung der Blutgruppen gemacht. Dabei kamen allerdings auch ein paar äußerst merkwürdige Theorien heraus. In Japan etwa verknüpft man mit den Blutgruppen A, B, 0 und AB bestimmte Charakterzüge. Bei der Blutgruppendiät bestimmt die Blutgruppe angeblich darüber, welche Lebensmittel man verträgt. Dabei argumentiert diese Theorie mit jetzt widerlegten Annahmen. Laut Blutgruppen-Diät entstanden die AB0-Blutgruppne erst, als die Evolution des Menschen schon weit fortgeschritten und die Abspaltung von den Menschenaffen längst vollzogen war. Aber wie man in der jetzt veröffentlichten Studie nachlesen kann, entstand der Polymorphismus bereits viel, viel früher.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 31. Oktober 2012 um 00:43 Uhr )
 

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