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Geschichte des Klimas: Sintflut in der Arktis brachte Temperatursturz

Geschichte des Klimas: Sintflut in der Arktis brachte Temperatursturz (Wordle)

Vor knapp 13.000 Jahren war die letzte Eiszeit so gut wie vorbei. Doch es kam zu einem Kälte-Rückfall als in Nordamerika riesige Seen in das Meer abflossen. Sie bewirkten, dass eine warme Meeresströmung versiegte. Nun konnten Forscher genau lokalisieren, wo sich die Sturzflut in den Ozean ergoss.

Vor 12.900 Jahren wurde es nochmals richtig kalt. Eigentlich war es gerade wärmer geworden, sodass sich die Erde aus der Umklammerung der letzten Eiszeit befreien konnte. Die jetzige Warmzeit begann. Doch plötzlich kehrte die Kälte noch einmal zurück.
Jetzt ist die Ursache geklärt: Gewaltige Fluten, aus Schmelzwasser gespeist, ergossen sich in den Ozean. Sie legten den wärmenden Nordatlantikstrom lahm und der Nordhalbkugel drohte innerhalb kurzer Zeit eine erneute Vereisung durch eine kleine Kaltzeit.

Die Forscher um Alan Condron von der University of Massachusetts berichten im Wissenschaftsmagazin PNAS (Proceedings of the National Academy of Sciences) von den Ergebnissen ihrer Computersimulation. Mit deren Hilfe gelang der Nachweis, dass das nacheiszeitliche Schmelzwasser nicht in Höhe des Sankt-Lorenz-Stroms in Kanada in den Atlantik geflossen sein konnte. Seinen Weg muss es sich weiter im Nordwesten entlang des Mackenzie Rivers gesucht haben. Die Computersimulation belegt, dass der Schmelzwasserzufluss nur an dieser Stelle die Kraft gehabt haben kann, die Meeresströmung des Nordatlantikstroms deutlich abzuschwächen.

Eisdamm eines riesigen Gletschersees brach

Vor knapp 13.000 Jahren waren sowohl die Arktis als auch große Teile des nordamerikanischen Kontinents noch mit einem Eisschild bedeckt. Forscher gaben diesen Eismassen den Namen Laurentide-Eisschild. Dabei handelte es sich um die letzten Überreste der eben zu Ende gegangenen Eiszeit. Als der Laurentide-Eisschild begann abzuschmelzen, sammelte sich das Schmelzwasser in mehreren großen Gletscherseen an seinem Südrand. Als der natürliche Damm aus Eis eines dieser Seen brach, ergossen sich Tausende von Kubikkilometer Schmelzwasser und damit Süßwasser in den Atlantik.

Genau dieser Süßwasserzufluss in das salzige Meerwasser beeinflusste den Salzgehalt. So verringerte sich die Salzkonzentration des Meerwassers. Normalerweise sinkt im Nordatlantik salziges und deswegen auch dichteres Wasser in die Tiefe. Dieser Kreislauf der Ozeanzirkulation wurde vom Schmelzwasser erheblich gestört. Da weniger Wasser absank, konnte so auch deutlich weniger warmes Wasser aus dem Süden nach Norden nachströmen. Der Nordatlantikstrom kam damit zum Erliegen. Der für das Klima so wichtige Wärmeaustausch im Nordatlantik über den Golfstrom fehlte. So kühlte der Norden rasch ab.

Sinkender Salzgehalt des Meerwassers brachte Golfstrom zum Erliegen

Vor dieser jetzt vorgestellten Studie war vermutet worden, dass das Schmelzwasser über den Sankt-Lorenz-Strom in den Atlantik geflossen sein könnte. Doch diese These ist nun widerlegt. Der Sankt-Lorenz-Strom liegt zu weit im Süden. Das Wasser verteilt sich hier auf Grund der gegenläufigen Strömung nicht bis nach Norden. Die Simulation zeigt, dass ein solches Ereignis die Nordatlantikströmung im Ozean nur um neun Prozent abgeschwächt hätte. Sie wäre dadurch aber nicht – so wie nachweislich geschehen – zum Erliegen gekommen.

Das Schmelzwasser floss sehr wahrscheinlich 4.000 Kilometer weiter nordwestlich in den arktischen Ozean. Und genau dort fließt heute der Mackenzie River. Diese sich dort ergießende Schmelzwasserflut vermag den Nordatlantikstrom zu stoppen. In der Computersimulation reduzierte sich seine Förderleistung um bis zu 77 Prozent. Wenn aber die Fernwärmeheizung Europas nur noch so wenig Wärme nach Norden transportiert, dann wird es auf der Nordhalbkugel richtig kalt. Es kommt zu einem dramatischen Klimawandel.

Simulation der Klimavergangenheit erlaubt wichtige Rückschlüsse auf zukünftige Klimaprognosen

Da auch heute wieder aufgrund der Klimaerwärmung mehr Schmelzwasser in die Ozeane fließt, müssen Klimaforscher für ihre Prognosen genau die Stellen kennen, wo der Zufluss bestehende Mechanismen außer Kraft setzen kann.
Die in der Studie genutzte Computersimulation kann die Wechselwirkung von Eis und Schmelzwasser auf die Meeresströmungen deutlich besser abbilden als bisherige Simulationen. Die beteiligten Forscher sprechen nicht ganz ohne Stolz von einer besseren Auflösung um den Faktor 10 bis 15. Die aus der Rekonstruktion der Klimavergangenheit gewonnenen Erkenntnisse erlauben genauere Vorhersagen für das Klima der Zukunft.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 06. November 2012 um 23:07 Uhr )
 

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