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Erbgut-Entschlüsselung weist die Spur: Woher die Schweine ihre Supernase haben

Erbgut-Entschlüsselung weist die Spur: Woher die Schweine ihre Supernase haben

Der Mensch begann vor rund 10.000 Jahren mit der Schweinehaltung und –Züchtung. Nun zeigt der Vergleich des entschlüsselten Genoms von Hausschwein und Wildschwein, welche Spuren das menschliche Treiben im Erbgut der Borstentiere hinterließ. Ganz nebenbei wird auch noch geklärt, wie die Supernase der Schweine entstand.

Gemeinhin gilt der Hund als der beste Freund des Menschen. Doch die Beziehung des Menschen zum Schwein ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Sie ist zwar bei weitem nicht so eng wie die zwischen Mensch und Hund, doch bereits sehr früh begann der Mensch, Schweine zu halten. Vor etwa 10.000 Jahren wurden die ersten Wildschweine eingefangen und gezähmt. In den folgenden Generationen begann die Züchtung. Der Homo sapiens passte die Tiere mehr und mehr seinen Bedürfnissen an.

Diese durchaus spannende Beziehung zwischen Mensch und Borstentier war für eine internationale Forschergruppe Grund genug, die genetische Entwicklung der Schweine näher zu analysieren. Welche Spuren des menschlichen Eingriffs würden sich im Genom der Schweine wiederfinden?

Das Forscherteam rund um Martien Groenen von der Universität Wageningen (Niederlande) untersuchten deswegen die DNA eines weiblichen Duroc-Hausscheins und verglichen diese mit dem Genom von zehn Wildschweinen, die alle in unterschiedlichen Gebieten Europas und Asiens beheimatet waren. Die Wahl fiel deswegen auf das Duroc-Hausschwein, weil diese Art als Stammrasse aller modernen Zuchtschweine gilt.

1300 Gene aktiv am Geruchssinn der Schweine beteiligt

Zunächst kam die Inventur des Schweineerbguts dem sensationellen Geruchssinn der Tiere auf die Spur. Nicht ohne Grund werden manche Schweine zum Trüffelschwein ausgebildet und dann bei der Suche nach den begehrten Pilzen eingesetzt. Sowohl Hausschweine als auch Wildschweine haben mehr Gene, die für den Geruchssinn zuständig sind, als die meisten anderen Säugetiere. Allein mehr als 1300 Gene sorgen dafür, dass die verschiedenen Duftsensoren zuverlässig funktionieren. Das erklärt, warum Schweine bei der Nahrungssuche ihren Geruchssinn so sehr einsetzen.

Obwohl die Tiere wirklich Supernasen besitzen, ist ihr Geschmackssinn dagegen fast unterentwickelt. Während wir Menschen ca. 25 Gene für die Bittersensoren haben, so sorgen bei Schweinen nur 17 Gene dafür, dass sie Bitteres schmecken können. Höchstwahrscheinlich können Schweine auch Salziges weniger intensiv wahrnehmen als wir Menschen. So können die Tiere problemslos Dinge fressen, die wir nicht mal mit allergrößter Abscheu hinter bekommen würden.

Der Vergleich des Erbguts von Wildschweinen aus den unterschiedlichen Regionen zeigte, dass die gemeinsamen Vorfahren der europäischen und asiatischen Wildscheine vor rund einer Million Jahren lebten. Danach trennten sich die Wege. Die Forscher vermuten, dass ein Kälteeinbruch damals die beiden Populationen voneinander isolierte. Als die Kältephase überstanden war, gab es zwar ab und an einen vereinzelten Genaustausch zwischen asiatischen und europäischen Wildschweinen, doch die entstandenen Unterschiede im Erbgut blieben erhalten. Zwischen beiden Unterarten gibt es mehr als eine Million DNA-Bausteine, die sich voneinander unterscheiden.

Eiszeit hinterließ deutliche Spuren im Genom der europäischen Wildschweine

Die letzte Eiszeit hat deutliche Spuren im Erbgut der Wildscheine hinterlassen. Vor allem die europäischen Wildschweine hatten vor rund 20.000 Jahren mit einer starken Zäsur in ihrer Population zu kämpfen. Das extreme Klima machte den Tieren so zu schaffen, dass die Bestände zusammenzubrechen drohten. Angesichts der rasanten Vermehrungsquote der heutigen Wildschweine kann man es zwar nur schwer glauben, aber damals überlebten nur einige wenige Tiere in Europa. Die Artgenossen in Asien hatten deutlich mehr Glück. Ihre Bestände blieben von den Auswirkungen der letzten Eiszeit weitestgehend verschont. Noch heute ist die genetische Vielfalt bei den asiatischen Wildschweinen um ein Vielfaches höher als bei den europäischen.
Doch die Analyse gibt nicht nur Auskunft über die Entwicklung der Wildschweine. Sie zeigt auch, wo die Menschen vor ca. 10.000 Jahren während der Neolithischen Revolution die ersten Hausschweine domestizierten und mit der gezielten Züchtung begannen. Die ersten gezähmten Hausschwein-Rassen entstanden unabhängig voneinander – einmal im westlichen Eurasien aber auch in Ostasien. Anhand der genetischen Unterschiede lässt sich der Stammbaum der Hausschweine rekonstruieren und er zeigt, dass es eine klare Trennung zwischen europäischen und asiatischen Zuchtrassen gibt. Allerdings gab es spätere Einkreuzungen, sodass sich im Erbgut der heutigen europäischen Hausschweinrassen auch rund 35 Prozent asiatische DNA befindet. Somit ist ein deutlicher Einfluss der asiatischen Rassen auf die europäischen Hausschweine nachweisbar.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 20. November 2012 um 23:27 Uhr )
 

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