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Die Eruption des Toba brachte die Menschheit beinahe an den Rand des Untergangs

Die Eruption des Toba brachte die Menschheit beinahe an den Rand des Untergangs (Wordle)

Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Basta! Diese Erfolgsstory der Evolution kann nichts trüben?! Wirklich nicht?! Was wäre passiert, wenn vor rund 70.000 Jahren die letzten Menschen ausgestorben wären? Die Gefahr damals war durchaus real, da nur noch wenige tausend Individuen der Gattung Homo auf der Erde existierten. Angesichts der derzeit mehr als 7 Milliarden Menschen, die den Planeten Erde als ihre Heimstatt bezeichnen, drängt sich die Frage auf: Wie konnte es so weit kommen? Geoforscher suchen auf diese Frage Antworten und sie haben einen Verdacht.

Vor mehr als 100.000 Jahren lief es gut für die Menschheit. Sie entwickelte sich weiter, wuchs und irgendwann machten sich die ersten Vertreter von Homo sapiens auf, Afrika zu verlassen. Vor 75.000 Jahren hatten sie bereits den Nahen Osten besiedelt, erreichten gerade Europa und standen vor den Toren von Ostasien. Doch plötzlich geriet die Geschichte der Menschheit gefährlich ins Wanken. Fast wäre sie komplett ausgelöscht worden.

Irgendwann zwischen 100.000 Jahren und 50.000 gab es eine große Krise. Vergleiche der DNA von Menschen aus aller Welt belegen, dass alle heute lebenden Menschen von wenigen tausend Individuen abstammen. Diese Urahnen lebten alle im gleichen Zeitraum zwischen 100.000 und 50.000 Jahren. Irgendein Ereignis muss die Population des modernen Menschen drastisch dezimiert haben. Das Schicksal der wenigen Überlebenden hing quasi am seidenen Faden. Nur eine Seuche, eine Hungersnot oder ein Unwetter mehr und die Krone der Schöpfung hätte es nie gegeben. Wenn auch die letzten Menschen gestorben wären, hätte es keine Pyramiden von Gizeh, kein Mont-Saint-Michel, keine Mona Lisa und keine ISS gegeben.

Beinahe ausgestorben: Schicksal der Menschheit hing an einem seidenen Faden

Das Beinahe-Aussterben gibt Rätsel auf. Wissenschaftler in aller Welt suchen nach der Ursache und in Indonesien haben sie einen Verdächtigen entdeckt. Dort explodierte vor 74.000 Jahren der Vulkan Toba. Es handelte sich dabei um die heftigste Vulkan-Eruption der letzten zwei Millionen Jahre.

Der Toba liegt auf der indonesischen Insel Sumatra. Er wird als Supervulkan eingeschätzt. Bei seinem Ausbruch vor 74.000 Jahren spuckte er soviel Material aus, dass man damit den Mount Everest mit seinen 8848 Metern hätte zweimal auftürmen können. In unserem Beitrag "Wie viele Menschen lebten überhaupt in der Steinzeit?" haben wir noch ein paar weitere Beispiele recherchiert, die die gewaltige Eruption des Toba-Vulkans vor 74.000 Jahren illustrieren.
Doch nicht nur die Aschemenge machte damals allen Lebewesen auf der Erde schwer zu schaffen, da sie das Sonnenlicht blockierte. Hinzu kamen Säuredämpfe, die die Umwelt vergifteten. In Folge der Vulkan-Katastrophe kühlte sich das Weltklima über Jahre hinweg deutlich ab. So verschlimmerte der Toba-Ausbruch die Folgen der damals herrschenden Eiszeit dramatisch.

Verschärfte die Toba-Katastrophe die Folgen der Eiszeit?

Der Ascheschleier verdunkelte die Atmosphäre. Als Folge verdorrten Pflanzen und Tiere verhungerten. Nur wenige Menschen überlebten diese harten Jahre. Doch genau jene Überlebenskünstler sind unsere Vorfahren. Das zumindest behauptet Stanley Ambrose von der University of Illinois. Er prägte 1998 die Theorie vom evolutionären Flaschenhals der Menschheit (= bottle neck).

Nach Meinung von Ambrose konnten die Menschen die harte Zeit nur überstehen, weil sie zusammenhielten. Funde von bearbeiteten Obsidian-Steinen belegen, dass die Menschen nach der Toba-Eruption längere Transportwege auf sich nehmen mussten. Wer nicht auf Kooperation setzte, hatte in der größten Krise der Menschheit keine Überlebenschance.
Doch die Frage, die bislang unbeantwortet blieb, lautete: Reichte die Eruption des Toba-Vulkans wirklich, um die Menschheit an den Rand des Aussterbens zu bringen? Mittlerweile wird ein immer detaillierteres Bild aus vielen kleinen, einzelnen Puzzlestücken zusammengesetzt. So zeigen Gasbläschen, die im Eispanzer der Pole konserviert wurden, dass in der fraglichen Zeit sich tatsächlich eine Vulkanwolke über die ganze Welt ausbreitete.

Im Eis zeigt ein besonderes Thermometer einen enormen Temperatursturz an. Das Thermometer besteht aus den im Eis eingeschlossenen zwei Varianten des Sauerstoffs. Es gibt Sauerstoff nämlich sowohl als leichtes als auch als schweres Atom. Je kälter das Klima auf der Erde, desto mehr schwerer Sauerstoff verbleibt in den Ozeanen. Der über den Polen fallende Schnee enthält dann vergleichsweise mehr leichten Sauerstoff.

Klimaarchiv in den Eiskappen der Pole gespeichert

Nach dem Vulkanausbruch des Tobas wurde im Grönlandeis die höchste Menge an leichtem Sauerstoff eingeschlossen. Das bedeutet, dass sich das Klima für über ein Jahrhundert erheblich abgekühlt haben muss. Ihre Erkenntnisse und Schlussfolgerungen berichten die Forscher um Anders Svensson von der Universität Kopenhagen (Dänemark) im Fachblatt „Climate of the Past“.
Allerdings kann die Studie nachweisen, dass auf der anderen Seite der Erde, nämlich am Südpol der Antarktis der Klimaschock bei weitem nicht so dramatisch ausfiel. Dort dauerte die Abkühlung nur wenige Jahrzehnte. Offensichtlich hat sich der Vulkanausbruch in unterschiedlichen Regionen der Welt auch unterschiedlich ausgewirkt. Nun stellt sich die Frage aller Fragen: Was passierte in Afrika?

Dieser Frage gingen unterschiedliche Studien nach. So gibt es eine Studie von Hans Graf, der an University of Cambridge (Großbritannien) forscht, und Claudia Timmreck, die am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg (Deutschland) ihrem Forschungsauftrag nachgeht. Beide haben mit Hilfe von Klimamodellen am Computer die Auswirkungen der Toba-Eruption simuliert.
Die dort vorgenommene Reise in die Vergangenheit belegt die starke Klima-Abkühlung im Norden. Allerdings gibt Graf zu bedenken, dass damals die meisten Menschen weiter südlich in Afrika und Südasien lebten. Dort waren die Folgen des Vulkanausbruchs gar nicht so dramatisch wie es auf den ersten Blick angesichts der ausgestoßenen Gase und der Asche erscheint. Das berichten die beiden Forscher im Fachmagazin "Quaternary International". In Afrika gab es zwar auch eine Abkühlung, in deren Folge es zu Dürren kam. Infolge dieser Dürren verdorrten Bäume und es entstand eine Strauchsavanne. Doch die Strauchsavanne bot den dort lebenden Menschen zumindest soviel Nahrung, dass sie nicht verhungern mussten. Die Computermodelle von Graf zeigen für den damals schon bewohnten Indischen Subkontinent fast gar keine Veränderungen der Umwelt.

Computermodelle zeigen dramatische Folgen des Vulkanausbruchs

Damit scheinen die Computermodelle einige Funde zu erklären. Vor etwa fünf Jahren entdeckten Archäologen im Südosten von Indien alte Steinwerkzeuge. Die Relikte fanden sich sowohl unterhalb als auch oberhalb der Ascheschichten des Toba-Ausbruchs. Die Forscher folgerten damals, dass sich die Menschen nicht von den Folgen der Eruption beeindrucken ließen und fast unverändert weiterlebten.
Allerdings sind Graf und Timmreck nicht die einzigen, die mit Computermodellen den Toba-Ausbruch nachrechnen. So verwundert es eigentlich nicht, dass letztlich Computermodell gegen Computermodell steht. Das Klimatologen-Team rund um Alan Robock von der Rutgers University in New Jersey (USA) kommt zu ganz anderen Ergebnissen. In ihren Modellen zeigen sich gravierende Auswirkungen der Eruption des Supervulkans. In ihren Simulationen gab es nach der Eruption einen mindestens fünf Jahre anhaltenden Temperatursturz um bis zu 18 Grad. Noch 10 Jahre nach der Eruption war es im Durchschnitt zehn Grad kälter als vorher. Weniger Niederschlag fiel. An manchen Orten gab es jahrelange Dürren. Die Wirkung des Ausbruchs war deshalb so verheerend, da sich der Vulkan in den Tropen befindet. Die Aschewolken konnten sich so effektiv über beide Hemisphären verteilen.

Doch vielleicht war es gerade die gigantische Menge der Säuretröpfchen, die sich nach dem Ausbruch in der Luft bildeten, die die Menschheit vor dem Untergang bewahrte. Diese Vermutung legen zumindest die Computermodelle der Hamburger Forscher nahe. Sie zeigen, dass sich die Säuretropfen mit den Aschepartikeln recht schnell zu großen Tropfen vereinigten. Große Tropfen fallen schneller zu Boden. Der Ascheschleier über der Erde konnte sich so vermutlich schneller lichten als bislang gedacht.

Doch Menschheit konnte trotz der harten Bedingungen in Afrika überleben

Eine andere Simulation aus dem Jahr 2010 kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Dabei wurden die klimatischen Auswirkungen des Vulkanausbruchs des Pinatubo (Philippinen) im Jahr 1991 auf die Dimensionen der Toba-Eruption hochgerechnet. Nach dieser Simulation wäre das Weltklima vor 74.000 nur um drei bis fünf Grad abgekühlt. Die mittleren Breiten wären damals dennoch von einer plötzlichen Eiszeit überrascht worden, aber das damalige Hauptverbreitungsgebiet der Menschheit müsste glimpflicher davon gekommen zu sein.

Der Schuldige für die Ursache des Beinahe-Aussterbens der Menschheit ist also noch nicht gefunden. Allerdings fanden Forscher im Klimaarchiv der Pole weitere Indizien. Die verdächtigen Gasspuren sind nur durch hauchdünne Schneeschichten voneinander getrennt. Damit wird ein neues, abgewandeltes Szenario denkbar. Vielleicht ist der Toba mehrmals und kurz hintereinander ausgebrochen. Damit hätte der Supervulkan sein Pulver nicht in einer einzigen mächtigen Eruption verschossen sondern in mehreren Salven. Für die damaligen Menschen war es trotzdem eine höchst ungemütliche Zeit. Doch auch für die Zukunft sind diese Szenarien keine wirkliche Beruhigung: Supervulkane brechen immer wieder aus. Eine Eruption wie vor 74.000 Jahren hätte für die heutige Weltbevölkerung dramatische Folgen. Die moderne Zivilisation hätte mit ähnlichen Auswirkungen wie die eines weltweiten Atomkrieges zu kämpfen.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 20. November 2012 um 23:45 Uhr )
 

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