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Neandertaler-Geburt - eine schmerzhafte Angelegenheit

Neandertaler-Geburt: Eine schmerzhafte Angelegenheit (Wordle)Der Spruch "Das war aber eine schwere Geburt" haben Neandertaler-Frauen wahrscheinlich öfter, als ihnen lieb war, zu hören bekommen. Denn die Geburt eines Neandertaler-Kindes muss eine ähnlich schmerzhafte Angelegenheit gewesen sein wie heute.

Mit Hilfe einer 3D-Software gelang es Forschern der University of California in Davis (USA) und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie aus Leipzig (Deutschland) gemeinsam ein virtuelles Abbild des Beckens eines weiblichen Neandertalers aus Tabun (Israel) zu rekonstruieren.

Ein Neandertalerkind war bei seiner Geburt genauso schwer wie ein heute geborenes Baby. Dies weiß man, dank eines gut erhaltenen Neandertaler-Neugeborenen, das vor 40.000 Jahren kurz nach seiner Geburt starb und sorgfältig bestattet wurde. Sein Gehirn hatte ein Volumen von 400 ccm. Das Skelett war aber bedeutend robuster. Mutter Natur zahlte bereits beim Neandertaler einen hohen Preis: Mögliche Komplikationen bei der Geburt zugunsten eines weit entwickelten, entsprechend großen Gehirns. Die Kinder brauchten für ihre Entwicklung im Mutterleib auch zusätzliche Energie und Nahrung, die die Mutter zur Verfügung stellen musste. Das bedeutete für sie aber, dass auch die Mutter erst eine entsprechende körperliche Konstitution entwickeln musste. Die Forscher vermuten daher, dass Neandertaler-Frauen erst etwas später ihr erstes Kind bekamen.

Im Vergleich zu anderen Primartenarten ist die menschliche Geburt ein komplizierterer Vorgang, denn der Kopf des Babys ist in etwa genauso groß wie der Beckenausgang der Mutter. Das Baby hat es dementsprechend schwer, da durch zu passen. Beim modernen Menschen schraubt sich das Kind durch eine komplexe Abfolge von Rotationen förmlich durch das Becken. Andere Affenarten wie auch die Menschenaffen haben es da leichter. Hier ist der Beckenausgang im Vergleich zum Kopf des Neugeborenen größer. Damit wird die Geburt einfacher.

Wären Neandertaler-Geburten bequemer gewesen, hätten die Wissenschaftler auf ein breites Becken stoßen müssen. Dies störte aber bei der Evolution im Hinblick auf den aufrechten Gang. Und so fanden sie auch bei der Neandertalern ein relativ schmales Becken. In der Computerrekonstruktion ist der Geburtskanal der Neandertalerin etwas breiter als der eine Homo-sapiens-Frau. Allerdings war der Kopf eines Neandertaler-Babys auch etwas robuster als der eines menschlichen Neugeborenen. Damit gleichen sich die Umstände der Geburt einander an.

Allerdings nahm das Neandertaler-Baby den direkten Weg zum Beckenausgang - ohne Rotationsbewegungen. Geburtstechnisch beschritten die Neandertaler damit einen anderen Weg der Evolution als der moderne Mensch. Es wird aber auch deutlich, dass sich der heutige Geburtsvorgang erst sehr spät - nämlich vor 300.000 bis 400.000 Jahren entwickelte. Als mögliche Ursache sehen die Experten das Klima an. Der moderne Mensch stammt aus Afrika. Dort war es möglicherweise in der Hitze ein Vorteil, ein kleineres Becken zu haben. Der Neandertaler entwickelte sich in wesentlich kälteren Gebieten. Ein kompakterer Körperbau half hier bei der Wärmeregulierung.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Samstag, 18. Februar 2012 um 13:35 Uhr )
 

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