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Wie Neandertaler gefährliche Höhlenbären erlegten

Wie Neandertaler gefährliche Höhlenbären erlegten (Wordle)

Spuren an zahlreichen Tierknochen belegen, dass der Neandertaler Jagd auf Großwild machte und dabei als Jäger kaum Furcht zeigte. Eine Studie belegt nun, dass die Frühmenschen mit Speeren und Lanzen bewaffnet, tonnenschwere Höhlenbären angriffen.

Der Archäologe Lutz Kindler hat Überreste eines Höhlenbären genauer untersucht. Die Fossilien wurden in der nordrhein-westfälischen Balver-Höhle (Deutschland) entdeckt. Um an das begehrte Fleisch und Fell der Tiere zu kommen, mussten die Neandertaler extrem wagemutige Jäger gewesen sein. Sie lauerten den riesigen Bären gezielt in ihren Höhlen auf, erlegten die Tiere und schlachteten sie aus. In Mitteleuropa waren Höhlenbären im Neandertaler-Alltag eine wichtige Nahrungs- und Materialquelle.

Kindler arbeitet für das Archäologische Forschungszentrum und Museum für Verhaltensevolution in Neuwied – kurz Monrepos. Dieses Institut ist eine Einrichtung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz. Für seine Arbeit untersuchte er über mehrere Jahre hinweg, die in der Balver-Höhle gefundenen Fossilien. Er kam zu dem Schluss, dass die Neandertaler den gewaltigen Höhlenbären in der Höhle auflauerten und sie auch dort töteten. In der Dunkelheit einer Höhle muss dies ein sehr gefährliches Unterfangen gewesen sein, denn Höhlenbären konnten bis zu einer Tonne schwer werden. Ihr Gebiss war gewaltig. Aber allein ein Schlag mit der Bärenpranke konnte tödlich enden.

Höhlenbären waren beeindruckende Zeitgenossen

Es scheint ein fast ungleicher Kampf gewesen zu sein. Auf der einen Seite der monströse Bär und auf der anderen Seite der kleine, mit einer Lanze oder Speer bewaffnete Neandertaler. Doch oft genug konnte der Frühmensch den Kampf für sich entscheiden.

Die Balver-Höhle liegt im Sauerland. Sie gilt als eine der wichtigsten Fundstellen aus der Epoche der Neandertaler. In der Höhle wurden mehr als 20.000 fossile Tierknochen entdeckt. Etwa zwei Drittel der Knochen konnten rund 100 Höhlenbären zugeordnet werden. Die damals lebende Art wurde deutlich größer als heutige Braunbären. Die Bären nutzten die Höhle wahrscheinlich zum Überwintern und das wurde vielen zum Verhängnis. Die Neandertaler haben wohl in Gruppen in die Höhle aufgesucht, um dort einzelne Bären zu töten. Im Winter war dies vermutlich eine wichtige Nahrungsquelle. Ein Bär ist in erster Linie eine Riesenportion Fett. Eine solche Fettreserve mitten im Winter kam den Neandertalern sicherlich recht. Deswegen gaben sie das Wissen um das Winterquartier der Höhlenbären von Generation zu Generation weiter.

Homo neanderthalensis war ein geschickter Großwildjäger

Kindler sieht anhand der Knochenspuren, dass die Bären in der Höhle erlegt und geschlachtet worden sein müssen. Die Spuren der Schlachtung entsprechen von Technik und Ausführung her dem Vorgehen, wie Neandertaler auch andere Tiere ausnahmen – beispielsweise Rinder oder Pferde.

Die Jagd auf die riesigen Bären muss eine echte Konfrontationsjagd gewesen sein, indem die Neandertaler die Tiere mit Speeren und Lanzen angriffen. Andere Waffen standen zur damaligen Zeit nicht zur Verfügung. So mussten die Jäger sehr nah an die Tiere heran. Mut gehörte dazu aber auch Geschick, um einen Bären zur Strecke zu bringen. Alles in allem waren Neandertaler sehr effiziente Großwildjäger, die sich sogar in gefährliche Tiere in ihren Verstecken heran getrauten. Umso mehr verwundert es, warum der menschliche Vorfahre so plötzlich verschwand.
Die erlegten Höhlenbären wurden fast komplett verwertet. Nicht nur das Fleisch wurde gegessen, auch die Knochen schlugen die Neandertaler auf, um an das gehaltvolle Mark zu kommen. Das Fell wurde zu Pelz und Kleidung verarbeitet und die Sehnen zu Fäden. So ein Tier war letztlich wie ein Tante-Emma-Laden in unserer Zeit.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Dienstag, 22. Januar 2013 um 23:27 Uhr )
 

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