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Als der Wolf zum Hund wurde: Gewinner war, wer besser Futter verwerten konnte

Als der Wolf zum Hund wurde: Gewinner war, wer besser Futter verwerten konnte (Wordle)

Obwohl intensiv daran geforscht wurde, sind die Fragen: Wann der Wolf zum besten Freund des Menschen wurde und wie die Domestizierung ablief noch lange nicht geklärt. Nun gibt eine Untersuchung des Hunde-Erbgutes weitere Aufschlüsse. Forscher untersuchten in einer aktuellen Studien, wo es auffällige Abweichungen in der DNA der Hunde zum Wolf gibt. Interessanterweise scheint es so, dass Hunde einen Vorteil gegenüber dem Wolf haben: Sie können Stärke besser verdauen. Ist dies ein Hinweis auf den Ablauf der Evolution des Wolfes zum Hund?

Vermutlich spielte die Anpassung an stärkehaltiges Futter eine wichtige Rolle bei der Zähmung des Wolfes hin zum Hund. Vielleicht sind die gefundenen genetischen Unterschiede sogar die Schlüsselrolle zum Verständnis. Das berichtet zumindest ein internationales Forscherteam um Erik Axelsson von der Universität Uppsala (Schweden) in der renommierten Fachzeitschrift Nature. In ihrer Studie untersuchten sie das Genom von Hunden. Sie forschten dabei gezielt nach denjenigen Regionen, die sich deutlich vom Erbgut des Wolfes unterschieden.

Die untersuchten Proben stammten von 19 Wölfen und 71 Hunden. Letztere wiederum gehörten 38 verschiedenen Hunderassen an. Beim Hund entdeckten die Wissenschaftler 36 Genregionen, die starke Veränderungen im Hinblick auf den Wolf aufwiesen. Vermutlich standen diese DNA-Abschnitte unter einem besonders großen Selektionsdruck im Laufe der Evolution.

Vertrugen die frühen Hunde stärkehaltiges Futter als "Abfallschnorrer" besser?

19 der auffälligen Erbgut-Regionen stehen im Zusammenhang mit der Entwicklung von Gehirnfunktionen. Sie könnten also mit dafür verantwortlich sein, dass Hunde ein anderes Verhalten als Wölfe aufweisen. Weitere 10 Gen-Regionen regeln unter anderem den Stoffwechsel. Sie sind vor allem spezialisiert auf den Abbau von Stärke. Da sowohl Hunde als auch Wölfe beides Carnivoren – also Fleischfresser sind – ist diese Entdeckung schon verwunderlich. Sollten letztlich biochemische Prozesse beim Stärkeabbau dafür verantwortlich sein, dass der die Vorfahren des Hundes sich zum besten Freund des Menschen entwickelten während Wölfe Wölfe blieben?

Die Forschergruppe um Axelssohn vermutet, dass Hunde im Laufe ihrer Entwicklung Stärke besser verdauen konnten. Sie folgten mit dieser Entwicklung dem Menschen. Denn auch der moderne Mensch musste im Zuge der Neolithischen Revolution erst den besseren Stärkeabbau erlernen bzw. ererben. Das war vor ca. 12.000 Jahren. Denn im Zuge des ersten Ackerbaus hatten die Menschen eine bessere Chance, die die stärkehaltigen Lebensmittel gut verstoffwechseln konnten.

Das Verhältnis des Menschen zum Hund war schon jeher freundschaftlich - anders das Verhältnis des Menschen zum Wolf. Der Wolf wurde beinahe komplett ausgerottet

Doch auch diese Untersuchung kann nicht den genauen Ablauf der Domestizierung des Hundes während der Steinzeit erklären. Die Unterschiede im Stärke-Stoffwechsel von Hund und Wolf deuten jedoch darauf hin, dass die Vorfahren der Hunde von den Abfällen der Menschen aus der Landwirtschaft stärker profitieren konnten als die ursprünglichen Wölfe.
Es ist durchaus denkbar, dass die ersten halbwilden Hunde sich in der Nähe der menschlichen Siedlungen aufhielten und in den Abfällen auf Nahrungssuche gingen. Dabei ließ es sich nicht vermeiden, dass die wilden Hunde immer mehr Kontakt zum Menschen bekommen und wahrscheinlich auch ihre Scheu verloren. So zogen sie im Laufe der Zeit vollständig in die Nähe des Menschen und erwarben sich durch ihre Treue den Status „bester Freund des Menschen“. Der interessanteste Punkte an der Stelle ist, dass bei der Evolution des Wolfes zum Hund bereits vor der selektiven Auswahl der menschlichen Züchtung im Hinblick auf Wesen und Größe eine natürliche Auslese stattfand.

Die wilden Wölfe hingegen blieben dem Menschen suspekt und wurden zum Teil erbittert verfolgt, da der Mensch Wölfe lange Zeit als Bedrohung und Nahrungskonkurrenten ansah. Dies führte soweit, dass in Mitteleuropa der Wolf ausgerottet wurde. Erst durch Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsversuche im 20. Jahrhundert taucht der Wolf in den letzten Jahren wieder in Deutschland auf. Derzeit werden ca. 16 Rudel mit vermutlich 100 Tieren in Deutschland gezählt. Doch auch die Rückkehr des Wolfes in Deutschland geht trotz aller Aufklärungsarbeit nicht ohne Konflikte über die Bühne. Hier stehen sich beispielsweise Naturschutzverbände und Jäger- bzw. Viehzüchterverbände gegenüber.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 26. Januar 2013 um 15:26 Uhr )
 

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