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Faustkeile: Herstellung und Verbreitung des Allzweckmessers der Steinzeit schon vor 1,75 Millionen Jahren

Faustkeile: Herstellung und Verbreitung des Allzweckmessers der Steinzeit schon vor 1,75 Millionen Jahren (Wordle)

Wer kennt sie nicht die lustigen Amazon-Rezensionen zu einem Schweizer Taschenmesser, das alles an Bord hat, was Mac Gyver je gebrauchen könnte? Hätte es in der Altsteinzeit bereits das Internet und Amazon gegeben, so hätte man solche Kritiken sicherlich auch zu Faustkeilen lesen können. Faustkeile gelten als die Schweizer Taschenmesser der Steinzeit. Spitz zugeschlagene Steine dienten den frühen Menschen als eine Art Allzweckmesser. Bereits vor 1,75 Millionen Jahren wurden Faustkeile angefertigt. In etwa zur gleichen Zeit betrat der Homo erectus die Bühne der Evolution. Gibt es da einen Zusammenhang?

Faustkeile waren in der Steinzeit vielseitige Werkzeuge. Man nennt sie deswegen heute auch Schweizer Messer der Steinzeit. Bereits vor 1,75 Millionen Jahren nutzten die Frühmenschen die bearbeiteten Steine weit häufiger als bislang vermutet. Das berichten Yonas Beyene und seine Kollegen vom French Center for Ethiopian Studies (Äthiopien) gemeinsam mit Berhane Asfaw vom Rift Valley Research Service in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins PNAS. Sie weisen in ihrem Fachartikel ausdrücklich darauf hin, dass die Acheuléen-Kultur, für die die Faustkeile mehr als typisch sind, genau dann entstand als sich der Homo erectus entwickelte.

Erst kürzlich berichteten Archäologen von 1,75 Millionen Jahre alten Steinwerkzeugen aus Kenia. Nun stellt sich heraus, dass ähnliche Werkzeuge aus Äthiopien dasselbe Alter haben. Allerdings unterscheiden sich die beiden Werkzeugfunde in einem Punkt: Die Steine sind etwas anders bearbeitet. Die aus dem Turkana-Becken in Kenia stammenden Faustkeile sind auf beiden Seiten bearbeitet. Der Fachmann spricht in einem solchen Fall von Kerbungen. Die aus dem südäthiopischen Konso-Becken stammenden Werkzeuge weisen nur an einer Seite Bearbeitungsspuren auf. Trotzdem werden auch sie von Wissenschaftlern zu den echten Faustkeilen hinzugerechnet.
Die beiden Fundstätten werden außerdem als Beweis für eine bereits mehrfach beobachtete Entwicklung während der menschlichen Evolution gewertet: Ähnliches Verhalten entwickelte sich zur selben Zeit mehrfach in unterschiedlichen Regionen.

Die Faustkeile der Oldowan-Kultur gelten als die ältesten Werkzeuge in der Geschichte der Menschheit

Letztlich gelten echte Faustkeile als eine Art Markenzeichen. Sie wurden von der Acheuléen-Kultur gefertigt. Diese Kultur-Epoche löste die sogenannte Oldowan-Kultur ab. Letztere nutzte zwar bereits Steinwerkzeuge, aber die Steine wurden kaum bearbeitet. Dennoch gelten die doch recht primitiven Steinwerkzeuge der Oldowan-Kultur als die ältesten Werkzeuge in der Menschheitsgeschichte.

Die Fundstätten zeigen, dass beide Kulturen mehrere Hunderttausend Jahre nebeneinander existierten. Die jetzt vorgestellten Funde aus dem Konso-Becken stützen ferner die Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen der Acheuléen-Kultur und dem Erscheinen des Homo erectus gibt. Dieser menschliche Vorfahre bevölkerte erstmals vor ca. 1,8 Millionen Jahren die afrikanischen Savannen.

Die Steinwerkzeuge aus dem Konso-Becken decken eine Zeitspanne von vor 1,75 Millionen bis vor 1 Million Jahren ab. Die Experten sehen anhand der Spuren, dass in diesem Zeitraum die Zahl der einseitig bearbeiteten Werkzeuge immer stärker abnahm. Dafür wurde die Bearbeitung der Faustkeile zunehmend verfeinert. Ganz offensichtlich kam es zu einer Vereinheitlichung des Herstellungsprozesses. Kann man auf dieser menschlichen Evolutionsstufe bereits von erkennbaren Optimierungsprozessen sprechen? Die Wissenschaftler begründen ihre Beobachtung mit konkreten Merkmalen der Faustkeile: Die Werkzeuge wurden immer symmetrischer und auch die Anzahl der Kerben, die bei der Bearbeitung gesetzt wurden, stiegen.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 29. Januar 2013 um 21:08 Uhr )
 

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