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Kochen in der Steinzeit: Wie sahen die ersten Rezepte aus?

Kochen in der Steinzeit : So sahen die ersten Rezepte aus (Wordle)Hätten die ersten Menschen bereits die Schrift erfunden und hätten sie ihre Koch-Rezepte niedergeschrieben, wie würden sich diese heute lesen?

Man nehme ein halbes Mammut. Spicke es mit einem viertelsten Lorbeerbaum und einer Rosmarinhecke. Fülle es im Nachgang mit einem ausgenommenen Hirsch, den man wiederum mit getrockneten Beeren wie Preiselbeeren, Vogelbeeren, Brombeeren und Blaubeeren füllt. Zwischen Hirsch und Mammut stopfe man außerdem noch wilden Fenchel, wilde Äpfel, wilde Möhren und wilde Zwiebeln. Das ganze packt man in einen Erdofen, zünde diesen an und wartet eine Woche bis alles schön gar ist ...?

Nee mal ganz im Ernst. Habt Ihr Euch noch nie gefragt, wie und womit die Menschen damals gekocht haben? Und was überhaupt auf dem Speiseplan stand?

Ich glaube das erste (Überlebens-)Rezept der Menschheit hieß schlicht und einfach: Stopfe Dir alles Essbare gleich an Ort und Stelle in den Mund: Eine handvoll Beeren hier, einen leckeren Käfer dort und da eine große Schnecke ... Man wusste ja schließlich nie, wann sich die nächste Gelegenheit zum Kalorientanken ergab. Die zweite wichtige Regel lautete: Pass dabei gehörig auf, nicht selbst als Mahlzeit zu enden.

Essensregeln in der Steinzeit: Iss alles, was Dir an Essbarem über den Weg läuft. Passe auf, dass Du nicht selbst zur Mahlzeit wirst.

Dann lernten die Menschen im Laufe der Zeit das Feuer zu zähmen. Fleisch musste nicht mehr roh gegessen werden. Über dem Feuer konnten Speisen haltbarer gemacht werden: Braten, Räuchern, Dörren ... Alles Methoden, die halfen, einen verdorbenen Magen zu vermeiden. Damit wurde zwar einiges einfacher, aber auch das Kochen mit offenen Feuer stellt einen vor große Probleme. Selbst heute in Zeiten des Ceran-Feldes und der Teflon-Kochtöpfe schaffen es manche, Wasser anbrennen zu lassen.
Doch ganz am Anfang gab es keine Töpfe und während der Eiszeiten war in den Steppen sogar das Brennmaterial Holz sehr knapp. Also wie machten die das? Wie funktionierte Kochen in der Steinzeit?

Mit solchen Fragen beschäftigt sich die sogenannte experimentelle Archäologie. Oftmals können Ausgräber anhand von Abfallgruben sehr genau bestimmen, was auf dem Speiseplan stand. Doch die Wissenschaftler scheitern daran, in welcher Zubereitungsform die Speisen im Magen landeten. Roh? Gebraten? Gedünstet?
Die experimentelle Archäologie nimmt die fossilen Funde und die darum kreisenden Hypthesen (Vermutungen) zur Zubereitung als Ausgangspunkt. In Experimenten wird dann versucht nachzuvollziehen, ob man mit den gewählten Mitteln zum gewünschten Endprodukt kommt. Klingt alles sehr theoretisch, ist aber genau das Gegenteil. Praktisch - nur durch Versuch und Irrtum.

So konnten einige Experimente beweisen, dass Eintopf-Kochen über offenen Feuer problematisch ist. Man muss zu nah ran, wird von Rauch eingehüllt und wenn man nicht sehr genau aufpasst, kann man sich schwerste Verbrennungen zuziehen. Höchstwahrscheinlich benutzen die Steinzeit-Frauen eher eine indirekte Methode. Heiße Steine. Mit Hilfe von im Feuer erhitzten Steinen lässt sich in einem hitzebeständigen Gefäß oder in einem Lederbeutel Wasser zum Kochen bringen. Auch Fisch kann auf heißen Steinen gebraten werden oder man nutzt die Hitze, um Fladen zu backen. Viel anders funktioniert der heute oftmals zu Silvester verwendete Heiße Stein ja auch nicht. Doch auch hier liegt die Tücke im Detail. Nicht jeder Stein eignet sich. Sedimentgestein zerplatzt und wird zu glühend heißen kleinen Geschossen. Nur Eruptivgestein hält die Hitze aus und eignet sich dadurch zum Kochen.

Das Prinzip von heißem Stein und Römertopf haben bereits Steinzeit-Köche beim Kochen genutzt

Fisch kann man nicht nur am Feuer räuchern, er lässt sich übrigens prima garen, wenn man ihn mit Blättern umwickelt und anschließend mit feinem Ton/Lehm dick einschmiert. Der Fisch wird so schonend gegart und alle Geschmacksstoffe bleiben eingeschlossen. Übrigens ist diese Vorgehensweise der Vorläufer des Römertopfes.

War Brennmaterial wie Holz oder Dung knapp, so konnten auch die Knochen der Mahlzeiten als Brennstoff herhalten. Experimente haben ergeben, dass diese durch das enthaltene Fett brennen. In steinzeitlichen Steppen wird also so manches Knochenfeuer gebrannt haben.

Nach alter Brautradition ...

Auch das Bier war eine Erfindung nebenbei. Mit Beginn der Neolithischen Revolution vor 10.000 Jahren im Gebiet des Nahen Osten entdeckten die Menschen den Ackerbau. Das geerntete Getreide wurde in Erdhöhlen gelagert. Die Löcher wurden mit Getreide randvoll befüllt und anschließend mit Ton versiegelt. Das am Rand liegende Getreide bekam Kontakt zum feuchten Erdreich und fing an zu keimen. Dabei wurde der restliche Sauerstoff verbraucht. Stattdessen füllten sich die Gruben mit Kohlendioxid. Dieses verhinderte, dass das übrige Getreide vergammeln konnte. So war es möglich, die Vorräte über einen langen Zeitraum zu lagern. Angekeimtes Getreide selbst ist sehr nahrhaft und galt damals als Delikatesse. Dumm nur, dass es sich an der frischen Luft nicht lange hielt. Haltbar wird es erst durchs Rösten. Der Bierkenner weiß, dass geröstetes, angekeimtes Getreide nichts anderes als Malz ist. Wurde dieses gemahlen und in Wasser aufgelöst, war das Steinzeit Karamalz fertig. Ein wahrer Powerdrink. Reste, die einen Tag lang standen, fermentierten aufgrund natürlicher Hefepilze von selbst und fertig war das Bier.

Steinzeit-Rezepte zum Nachkochen

Hunger bekommen? Falls jemand jetzt Appetit auf Kochen a lá Steinzeit hat, bei den unten angegebenen Quellen gibt es tolle Steinzeit-Rezepte zum Nachkochen: Frühstücksbrei, Erbseneintopf, Fisch-Eintopf, Hafer- und Gerstenbrot oder Süßer Bohnenkuchen.
Und wer dadurch auf den Geschmack gekommen ist, dem seien die Bücher von Jaqui Wood ans Herz gelegt: "Prehistoric Cooking" und "Tasting the Past".

 


Quellen:

  • Spiegel.de (29.07.2009): Kochen mit Knochen : Haute Cuisine aus der Steinzeit
  • SWR.de (NN): Das Steinzeit-Experiment : Der Speisezettel der Jungsteinzeit

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 16. Februar 2012 um 22:03 Uhr )
 

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