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Das älteste Musikinstrument der Welt

Das älteste Musikinstrument der Welt (Wordle)Heute kennen wir verschiedene Arten von Musik. Klassische Musik, Rock’n’Roll, Jazz, Techno, Heavy Metall, Schlager, … Über kaum etwas anderes lässt es sich so vortrefflich streiten wie über den Musikgeschmack des Menschen. Doch seit wann macht der Mensch überhaupt Musik? Gab es in der Steinzeit Musikinstrumente? Und wenn ja wie klangen diese?
Auf solche typischen Kinderfragen hatte  die Wissenschaft lange keine befriedigende Antwort parat. Seit 2009 ist dies anders. Da konnte ein sensationeller Fund der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

In der Höhle Hohler Fels (bei Schelklingen/Deutschland) wurden Fragmente einer 35.000 Jahre alten Flöte bei Grabungen entdeckt. Die Höhle Hohler Fels hat schon viele spektakuläre Funde hervorgebracht – zuletzt die älteste Darstellung eines Menschen – nämlich die Venus von der schwäbischen Alb.
Das fragile Musikinstrument aus einem Gänsegeier-Knochen blieb in 12 Teilstücken fast vollständig erhalten. Zusammengesetzt ergeben sie eine 22 cm lange, fast modern anmutende Flöte. Das untere Ende fehlt allerdings. Vergleiche mit heute noch lebenden Gänsegeiern und die Analyse der Länge ihrer Knochen hat ergeben, dass die Flöte ursprünglich 35 cm lang gewesen sein muss. Sie hat 5 Luftlöcher, mit denen die Tonhöhe variiert werden kann. Im Gegensatz zu den beiden anderen kleineren, gefunden Elfenbeinflöten bzw. der Flöte aus Schwanenflügelknochen in der Höhle vom Vogelherd (im Lonetal) bzw. von Geißenklösterle (bei Blaubeuren) ließen sich mit der großen Flöte eine größere Vielfalt an Tönen und Melodien erzeugen.
Damit die Forscher wissen, wie die Flöte geklungen haben könnte, ließen sie sie originalgetreu nachschnitzen. Und siehe da, das Instrument klingt ein wenig hohl, aber modernen Flöten gar nicht so unähnlich. Der Klang einer Knöchenflöte, die Wulf Hein mit steinzeitlichem Werkzeug nachbaute, wird beschrieben als „Blockflötenvortrag eines Grundschülers mit leichten Anklängen aus der irischen Volksmusik“. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, der findet hier eine Hörprobe.  

Damit kann zunächst festgehalten werden, dass die frühen Menschen bereits im Aurignacien also vor mindestens 35.000 bis 40.000 Jahren Musik machten. Ob sie aber fetzige Rhythmen spielten oder doch eher getragene Lieder zu rituellen Handlungen, bleibt der Fantasie eines jeden einzelnen überlassen. Sicherlich aber werden die Jäger und Sammler der Steinzeit bereits die Akustik von Höhlen mit ihren Echo- und Halleffekten ausgenutzt haben.
Es wird wohl auch noch andere Musikinstrumente in der Steinzeit gegeben haben wie Trommeln, Schwirrer, Schrapper, Klappern oder Rasseln. Nur haben diese die Zeiten nicht überdauert bzw. anders ausgedrückt: Bislang wurde davon noch kein erhaltenes Exemplar gefunden.

Die Flöte aus der Höhle Hohler Fels wurde übrigens in direkter Nachbarschaft zu anderen Gegenständen des steinzeitlichen Alltags gefunden. Die Forscher gehen deswegen davon aus, dass die Musik bereits damals einen festen Platz im Leben der Menschen hatte. Gesellige Runden am Lagerfeuer mit Musik, Tanz und Gesang können so manchen langen Steinzeit-Abend verkürzt haben und so indirekt auch zur Bildung von sozialen Netzwerken beigetragen haben.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 02. Mai 2012 um 19:54 Uhr )
 

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