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Bevölkerungsmangel: Gab es einfach keinen Neandertaler-Nachwuchs mehr?

Bevölkerungsmangel: Gab es einfach keinen Neandertaler-Nachwuchs mehr? (Wordle)Über kaum einen anderen Vorfahren des Menschen wird so viel und gern spekuliert wie über den Neandertaler. Zu mysteriös ist aber auch sein Verschwinden genau zu der Zeit als der moderne Mensch in Europa auf den Plan trat. In einer internationalen Neandertaler-Gen-Studie am Leipziger Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie (Deutschland) kamen die Forscher zu einem interessanten Schluss.

In ihrer Spätphase besaß die Neandertaler-Population höchsten noch 7.000 bis 10.000 Individuen in ganz Europa. Damit war Europa nur äußerst spärlich besiedelt. Schlechte Ernährungsbedingungen oder Seuchen hätten in einer solchen Population leichtes Spiel. Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass vor ca. 50.000 Jahren bis zu 50.000 Neandertaler zur gleichen Zeit lebten und vor ca. 30.000 Jahren relativ langsam vom modernen Mensch verdrängt worden waren. Nun muss dieses Bild aufgrund der neuen Forschungsdaten revidiert werden.

Dafür hatten die Forscher Genmaterial von sechs Neandertaler-Skeletten untersucht. Diese Neandertaler stammten aus Spanien, Deutschland, Kroatien sowie dem Kaukasus und lebten vor 60.000 bis 40.000 Jahren. Sie waren damit allerdings nicht die letzten ihrer Art, die vor rund 30.000 Jahren ausstarben. Bei den fossilen Überresten wurde nach der mitochondrialen DNA gefahndet. Sie kann mittlerweile ausgelesen werden. Den Forschern gelang es, die 16 565 Basenpaare lange mtDNA fast vollständig nachzubauen. Erstaunlicherweise stimmte die DNA des 1856 im Neandertal gefundenen Exemplars mit dem kroatischen Verwandten fast überein. So stark, dass die Forscher zunächst an einen Messfehler glaubten. Dem war aber nicht so. Scheinbar hatten beide Neandertaler vor ca. 100.000 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren. Die ganze Spezies scheint ein sehr ausgeprägtes Wanderverhalten an den Tag gelegt zu haben.

Trotz der geografischen Bandbreite des Auftretens der Neandertaler ähnelt sich die DNA so stark, dass man von einer sehr geringen Population ausgehen muss. Die Forscher wagten sich sogar an eine Abschätzung der weiblichen Bevölkerungsdichte. Von Spanien bis Zentralasien gab es vermutlich nur zwischen 268 bis 3510 Neandertalerfrauen, die sich fortpflanzten.
Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang sowohl von der effektiven Populationsgröße als auch von einem genetischen Flaschenhals. Auch wenn sich die Neandertaler-Population nach einem Beinahe-Auslöschen noch einmal kurzfristig aufrappeln konnte, so konnte sie doch langfristig nicht ihrem Schicksal entgehen. Der Bevölkerungsmangel war letztlich ihr Untergang.

 


Quelle:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 16. Februar 2012 um 20:39 Uhr )
 

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