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Terrorvögel jagten mit der Boxkampf-Strategie

Terrorvögel jagten mit der Boxkampf-Strategie (Wordle)Einst waren sie der Schrecken Südamerikas: Die Terrorvögel. Dabei handelt es sich um sehr große, Boden bewohnende Vögel, die meist nicht fliegen konnten, obwohl sie höchstwahrscheinlich mit Kranichvögeln verwandt waren. Die 25 Arten der Terrorvögel nahmen allesamt im südamerikanischen Ökosystem den Platz der Topräuber ein. Nun gelang es den Forschern, die Jagdtaktik der mächtigsten und tödlichsten Räuber ihrer Zeit zu enträtseln.

Terrorvögel machten ihrem Namen alle Ehre. Die zwischen einem und drei Meter großen Tiere erreichten ein Gewicht zwischen 40 und 400 kg. Mit ihren Stummelflügeln war Fliegen nicht möglich. Wie heutige Strauße oder Emus waren die Tiere deswegen trotz ihrer Größe schnell zu Fuß. Sie erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Die Flügel dürften dabei geholfen haben, beim Sprinten das Gleichgewicht zu halten. Die Vorfahren der Terrorvögel tauchten erstmals vor 40 Millionen Jahre. Bis vor rund zwei Millionen Jahren gingen die Tiere – bestens ausgestattet – auf Beutezug. Vor allem die kräftigen Beine und der große, oftmals hakenförmig gebogene Schnabel waren ihre gefährlichsten Waffen.

Schon wenige Tritte der Beine reichten wahrscheinlich aus, um die Knochen der Opfer zu brechen und so die Beute zur Strecke zu bringen. Trotzdem wussten die Forscher über die Funktion des Schnabels bisher nur sehr wenig. Doch argentinische und amerikanische Forscher haben nun herausgefunden, wie die riesigen Schnäbel bei der Jagd einsetzt wurden.

Letztlich muss man sich die Vögel fast als Boxer vorstellen: Sie verbissen sich nicht in ihr Opfer, sondern sie stießen und hackten immer wieder zu. Bei ihrer Untersuchung nahmen die Forscher einen Schädel von Andalgalornis steulleti genauer unter die Lupe. Das Fossil lebte vor etwas sechs Millionen Jahren im Nordwesten Argentiniens. Es gehörte mit 1,4 m nicht zu den größten Exemplaren seiner Gattung. Dennoch maß der Schädel immerhin 37 Zentimeter. Davon machter der Schnabel mehr als zwei Drittel aus. Bei der Computertomografie kam heraus, dass der Schädel – anders als bei Vögeln üblich – äußerst fest war. Die einzelnen Knochenteilen waren durch feste, knochige Strukturen verknüpft. Heutige Vögel verfügen hier meist über flexible, stoßdämpferartige Gewebe. Mit den so gewonnen Daten fütterten die Wissenschaftler ihre Computermodelle. Diese zeigten, dass der Schnabel vor allem Zug- und Stoßkräfte in Längsrichtung sowie von unten nach oben aushielt, bei seitlichen Kräften jedoch Schwächen zeigte. Die Experten glauben, daraus ableiten zu können, wie die Tiere ihre Beute erlegten. Sie konnten sie nicht einfach packen und schütteln – eine Verhaltensweise, die viele heutige Raubvögel zeigen. Bei den seitlichen Bewegungen hätte der Schnabel leicht brechen können. Für Terrorvögel wären wiederholte, kurze Angriffe die bessere Alternative gewesen, denn dabei hätten sie dank kräftiger Halsmuskeln den Kopf mit dem Schnabel wie eine Axt einsetzen können.

Die eigentliche Beißkraft des Schnabels muss etwas oberhalb von 133 Newton gelegen haben. Damit ist sie geringer als die Beißkraft heute lebender, in etwa gleich großer Säugetiere. Doch keiner der aktuellen Raubvögel kommt auch nur ansatzweise an solche Dimensionen heran. Der südamerikanische Blaubussard kommt lediglich auf 50 Newton aber er ist auch deutlich kleiner als Terrorvögel.

Ein noch ungeklärtes Rätsel ist die Frage, warum die Terrorvögel zum Ende des Pliozäns vor etwa zwei Millionen Jahren ausstarben. Man vermutet, dass sie letztlich den einwandernden Säbelzahnkatzen und Hunden nichts entgegenzusetzen hatten. Ihre letzten noch lebenden Verwandten sind übrigens die Seriemas – kleine Laufvögel in Argentinien und Brasilien, die sich von Insekten und kleinen Fröschen ernähren.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 16. Februar 2012 um 08:36 Uhr )
 

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