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Medal of Honor: No Honor von der US-Army

Medal of Honor: No Honor von der US-Army (Wordle)Fast jeder, der etwas verkaufen möchte, freut sich über kostenlose Publicity. Doch ob dies der Spielehersteller Electronic Arts derzeit tut, ist fraglich. Die US-Army untersagt auf dem Armeegelände den Verkauf des Egoshooters „Medal of Honor“.
Was ist der Stein des Anstoßes? Im neuesten Teil des Ballerspiels kann der Spieler auch die Perspektive eines Taliban einnehmen. Dies ist für die US-Army ein Affront und das Spiel damit „political incorrect“.

Eigentlich ist das Militär Egoshooter-Spielen gegenüber recht aufgeschlossen. Bereits in den 1980er Jahren erkannten hochrangige Militärs das Trainingspotential von Computerspielen und so wurden u. a. Piloten angehalten, ihre Reflexe und die Hand-Auge-Koordination mit Computerspielen zu schulen. Außerdem sind Schlagzeilen wie „Armee setzt Egoshooter zu Trainingszwecken ein“ oder „Army finanziert Ballerspiel“ immer wieder einmal in den Medien zu lesen.

Und tatsächlich eignen sich gerade Team-Shooter zur Erweiterung der Ausbildungs- und Trainingsmöglichkeiten, denn sie haben einen hohen Stresslevel, zeichnen sich heute durch realistische Szenarien aus und trainieren das strategische Handeln von Teams. Kein Wunder also, dass man es gerne sieht, wenn die Soldaten auch in ihrer Freizeit dem Hobby Computerspielen fröhnen. An 49 Standorten verfügt daher die US-Armee über eigene Gameshops, in denen man sich als Soldat mit Ballerspielern eindecken kann. Doch auch hier gibt es einen Spieleindex, der die Spiele unterteilt in „aus Army-Sicht bedenklich“ und „auch Army-Sicht unbedenklich“.

Die neueste Version von Medal of Honor hat dieses Unbedenklichkeitssiegel nicht erhalten. Der Electronic Arts-Titel soll am 12. Oktober erscheinen und rund zwei Wochen nach der Vorführung des Titels, die in den USA einen Skandal auslöste und für reichlich Schlagzeilen sorgte, erklärte nun die US-Armee, dass der Titel in den Gameshops auf Armeegelände nicht erhältlich sein wird. Allerdings gibt es für die Soldaten eine Hintertür. Sie können das Spiel außerhalb des Militärgeländes erwerben und privat nutzen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen.

Auf die Verkaufszahlen von Electronic Arts wird sich der Verkaufsverzicht kaum auswirken. Er hat eher Symbolcharakter, um die Missbilligung der Armeeführung zu verdeutlichen. Die Militärs stören sich an dem für teambasierte Shooterspiele so typischen Perspektivwechsel: Gut gegen Böse. Wenn im Multiplayer-Modus gespielt wird, muss eine Gruppe immer die Rolle des Bösen übernehmen. Und letztlich kommt es aber darauf an, wer wen erschießt. Bisher war das kein Problem – nicht einmal dann, wenn in früheren Versionen Soldaten in die Rolle von Nationalsozialisten schlüpfen konnten. Bei Medal of Honor ist es anders, weil es um einen aktuellen Konflikt geht. Im Spiel, das in Afghanistan angesiedelt ist, feuern virtuelle Taliban mit tödlichen Geschossen auf virtuelle US-Soldaten. Und das zum Spaß und Zeitvertreib, während in Afghanistan wirklich reale Menschen sterben. Für viele Militärs – nicht nur in den USA sondern auch in England und Deutschland – ist damit damit die Grenze des guten Geschmacks überschritten.

Die Aufregung um das Spiel wird den kommerziellen Erfolg des Spiels höchstwahrscheinlich mehr fördern als verhindern. Schon jetzt führt das Spiel in Deutschland nur aufgrund der Vorbestellungen die Verkaufscharts an. Doch der nächste Titel steht bereits in den Startlöchern. Activisions „Call of Duty - Black Ops“ erscheint erst im November, dennoch kann das Spiel noch mehr Vorbestellungen vorweisen. Dieses Kriegsspiel geht auch für die Militärs völlig in Ordnung. Es spielt in Zeiten des Kalten Krieges. Darin darf der Spieler – ganz politisch korrekt -  Jagd auf Kommunisten machen. Halali!

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 16. Februar 2012 um 08:29 Uhr )
 

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