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Gehirn-Jogging mit Ego-Shootern

Gehirn-Jogging mit Ego-Shootern (Wordle)Ego-Shooter-Fans haben es jetzt amtlich. Ihr Hobby hat in etwa den gleichen Effekt wie das Lösen von Sudokus. Was zunächst für viele Computerspiel-Muggels befremdlich klingen mag, macht allerdings bei näherer Betrachtung Sinn. Ego-Shooter-Spieler müssen Sinneseindrücke besonders schnell verarbeiten und sind so in der Lage, blitzschnelle Entscheidungen zu treffen.

Wer sich nie entscheiden kann, ob es heute ins Büro die gelben, die grünen oder die blauen Socken sein sollen, dem könnte ein Ego-Shooter-Trainingslager über mehrere Wochen auch im Alltag beim schnelleren Treffen von Entscheidungen helfen. Denn jetzt fanden Forscher von der University of Rochester (USA) heraus, dass Ego-Shooter und andere Actionspiele die Sinneseindrücke schärfen und deren rasche Verarbeitung anregen. Laut der Studie, die im Fachmagazin „Current Biology“ erschien, können die Spieler blitzschnelle Entscheidungen treffen. Dabei geht die Geschwindigkeit nicht zu Lasten der Genauigkeit.

Die Basis für die Studie bildeten mehrere Dutzend Teilnehmer, die allesamt zwischen 18 und 25 Jahre alt waren und die angaben, sich nicht für Computerspiele zu interessieren. Die Gruppe der Probanden teilten die Forscher in zwei Gruppen ein. Alle mussten in den darauffolgenden Wochen verschiedene Computerspiele zocken. Die Gesamtstundenanzahl pro Proband betrug 50 Stunden. Eine Gruppe spielte die Ego-Shooter (Unreal Tournament 2004 und Call of Duty), die andere Gruppe Strategie- und Rollenspiele (Die Sims).

Nachdem die Spielzeit vorbei war, mussten die Teilnehmer unterschiedliche Tests absolvieren. Beispielsweise erhielten sie am Bildschirm oder über Kopfhörer bestimmte Informationen. Auf Basis dieser galt es, Entscheidungen zu treffen. So mussten die Probanden anzeigen, ob das Tonsignal im rechten oder im linken Ohr erklang. Oder ob sich auf dem Bildschirm planlos bewegende Punkte eher nach rechts oder eher nach links bewegten. Am Ende bewerteten die Wissenschaftler die Anzahl der richtigen Antworten aber auch die bis zur Entscheidungsfindung mitgestoppte Zeit.

Das Ergebnis ist eindeutig. Die Actionspieler lagen bei den Antworten genauso oft richtig wie die Kollegen, die Strategie- und Rollenspiele gespielt hatten. Nur waren die Ego-Shooter-Spieler um ein Viertel schneller. Die Verbesserungen traten selbst bei denjenigen ein, die sich für die Actionspiele gar nicht erwärmen konnten.

Vom Gehirn werden ständig Wahrscheinlichkeiten berechnet. Nimmt man z. B. als Autofahrer eine Bewegung auf der rechten Seite wahr, so schätzt das Gehirn ein, ob das eine Gefahr darstellt oder nicht und trifft daraufhin die Entscheidung „bremsen“ oder „alles wie bisher“. Actionspiele scheinen solche Basisfähigkeiten besser zu trainieren als herkömmliche Lernprogramme, die lediglich einem bestimmten Muster folgen. Dort funktioniert sehr häufig nicht der Transfer des Gelernten. Sehr oft falle deshalb eine Klasse beim Test durch – selbst dann, wenn der Test nur minimal vom Übungstest abweicht. Bei Ego-Shootern ist dies anders. Dort hat man eine unmittelbare Rückkopplung, ob die Entscheidung richtig oder falsch war – nämlich entweder man überlebt das dunkle Labyrinth oder es erscheint auf dem Bildschirm Game over.

Doch eine Einschränkung müssen die Wissenschaftler machen. Der beschriebene Trainingseffekt tritt nur bei Actionspielen auf, weil man dort als Spieler ständig reaktionsbereit sein muss: beim Gelände-Erkunden, beim plötzlichen Auftauchen von Gegnern, beim Jagen von Monstern … hier muss der Spieler immer auf der Hut sein und sich fragen: Ist ein Angriff wahrscheinlich oder nicht. Dafür müssen alle seine Sinne geschärft sein. Beim stundenlangen Strategie- oder Rollenspiele-Spielen ist dies leider nicht der Fall, denn da können Entscheidungen deutlich langsamer gefällt werden.


Vielleicht sollten wir unseren Politikern einmal ein solches Ballertraining verordnen. Dann würden sie wichtige Zukunftsentscheidungen zum einen schneller und zum anderen vielleicht auch richtiger entscheiden. Cool

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 16. Februar 2012 um 08:19 Uhr )
 

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