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Besser mit Radio lernen und Hausaufgaben machen?

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Besser mit Radio lernen und Hausaufgaben machen (Wordle)Es ist ein ewiger Streitpunkt zwischen Eltern und Kindern! Soll das Radio oder der MP3-Player während der Hausaufgaben bzw. dem Lernen nach der Schule anbleiben oder doch lieber aus sein? Während die Kids behaupten, sich mit dem „Krach“ besser konzentrieren zu können, führen die Eltern als Argument an, dass man zum Lernen Ruhe braucht.
Hier gibt es – wie so oft – kein Schwarz oder Weiß. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte und ist von Persönlichkeit zu Persönlichkeit verschieden.

Fakt ist, dass die meisten Kinder bei Ruhe besser lernen können. Jedoch profitieren paradoxerweise Schüler mit Konzentrationsmängeln von Krach im Klassenzimmer. Dies konnte ein internationales Forscherteam in einer Studie mit Schülern aus Norwegen nachweisen. Dort konnten sich unaufmerksame Kinder in lauter Umgebung besser konzentrieren. Die Wissenschaftler führen diese Aufmerksamkeitssteigerung darauf zurück, dass der Lärmpegel das Gehirn generell auf Trab bringt.

Das Experiment von Göran Söderlund von der Stockholmer Universität lief wie folgt ab: 51 Oberschüler mussten Wörter auswendig lernen. Dies geschah im ersten Durchlauf in ruhiger Umgebung. In der zweiten Runde gab es eine Geräuschkulisse, die die Forscher mit sogenanntem weißen Rauschen erzeugten. Weißes Rauschen ähnelt dem Geräusch eines Radios, das gerade keine Sender empfängt. Der Geräuschpegel lag bei 78 Dezibel, was dem Lärm einer viel befahrenen Straße entspricht.

Lärm hilft zwar unaufmerksamen Schülern – stört jedoch die Schüler ohne Konzentrationsschwächen

Alle Schüler, die sich normalerweise problemlos konzentrieren konnten, schnitten in der ruhigen Umgebung beim Lernen der Wortreihen besser ab. Die eher unaufmerksamen Klassenkameraden dagegen konnten die Wörter besser erinnern, als beim Lernen Lärm herrschte.

Die Forscher erklären das Ergebnis mit dem Phänomen der Stochastischen Resonanz. Diese beschreibt den Effekt, das Geräusche unterhalb der Hörschwelle dann wahrgenommen werden, wenn sie von weißem Rauschen begleitet werden. Dadurch erhöht sich nicht nur die akustische Wahrnehmung. Die ganze Sensibilität der Sinne wird scheinbar geschärft, was zur Folge hat, dass auch die Konzentrationsfähigkeit zunimmt. Der positive Effekt von Lärm tritt jedoch nur bei unaufmerksamen Schülern ein. Für Schüler, die sich so bereits gut konzentrieren können, führt der Lärm eher zur Ablenkung.

Ist Lärm die Alternative zu Ritalin?

Der Befund könnte ein vielversprechender Ansatz für die Behandlung von Kindern mit ADHS oder Konzentrationsschwäche sein. Bisher wurden diese, um ihre Schulleistungen zu verbessern, entweder mit Ritalin „zugedröhnt“ oder mit zusätzlichen Lernprogrammen gegängelt. Die Arbeit mit weißem Rauschen könnte bei der Entwicklung von besseren Förderprogrammen eine große Rolle spielen. Doch bevor es soweit ist, müssen die Befunde der Studie, die im Fachmagazin „Behavioral and Brain Functions“ erschien, zunächst an einer größeren Stichprobe überprüft werden.

 


Quelle:

Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Februar 2012 um 22:02 Uhr )
 

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