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Erdbeben in Neuseeland verformte Straßen auf der Südinsel

Erdbeben in Neuseeland verformte Straßen auf der Südinsel (Wordle)Das Erdbeben vom 4. September hat die Südinsel Neuseelands mächtig durchgeschüttelt und im wahrsten Sinne des Wortes tiefe Risse hinterlassen. Mauern wurden versetzt, Wiesen aufgerissen, Straßen verformt. Die gewaltige Kraft der Erde lässt sich auf einer Länge von 60 km verfolgen. Doch Forscher sehen keine Entwarnung – im Gegenteil.

Erst grollte es in Christchurch am 4. September 2010 und danach bebte die Erde. Der Boden wogte auf und ab, kurz darauf von links nach rechts. Die Folge war, dass Hauserdächer zusammenbrachen, Fenster kaputt gingen und Brände aufloderten. Die Summe der Schäden beläuft sich nach jetzigen Schätzungen auf mehr als 1 Milliarde Euro. Das Erdbeben hatte eine Stärke von 7,1 auf der Richterskala und ähnelte doch auf verblüffende Art und Weise dem Beben in Haiti vom Januar 2010 – und das obwohl es buchstäblich am anderen Ende der Welt stattfand. Doch zum Glück gab es in Neuseeland keine Toten. Die erdbebensichere Konstruktion der Gebäude verhinderte meist den totalen Kollaps.

Mittlerweile haben die Aufräumarbeiten begonnen. Vor allem außerhalb der Städte wird das ganze Ausmaß des Erdbebens erst jetzt deutlich. Die Landschaft hat sich einschneidend verändert. Auf einer Länge von mehr als 60 Kilometer klafft ein Bruch, der Wiesen, Straßen und Wohngebiete förmlich zerschnitt. Bei der Verwerfung haben sich beide Seiten rund vier Meter gegeneinander verschoben. In unmittelbarer Umgebung der Naht hob sich der Boden um mehr als einen Meter. Viele Straßen sind dadurch unbefahrbar. Brunnen sind versiegt, da sich das Grundwasser neue Wege bahnen muss. Die alten wurden einfach abgeschnitten.
Geoforscher untersuchten diese Bruchlinie und kamen zu einem Ergebnis, das niemand wirklich erfreuen dürfte: Das Beben ereignete sich an einer bisher unbekannten Naht. Vor dem Beben war diese Störung im Untergrund unbekannt, da nichts in der Landschaft auf sie hindeutete.

Für Neuseeland bedeutet das nichts Gutes, denn der Alpine Fault blieb ruhig. Seit Millionen von Jahren schrammen beim Alpine Fault die Indisch-Australische und die Pazifische Erdplatte aneinander vorbei. Sie gilt als die gefährlichste Bebennaht in Neuseeland, denn in dieser tektonischen Knautschzone falteten sich die Neuseeländischen Alpen auf. Aufgrund von Satellitenmessungen der Erdplattenbewegungen wissen die Forscher aber, dass der Druck hier stetig zunimmt und sich irgendwann entladen muss. Seit 1717 gab es entlang des Alpine Fault kein starkes Beben mehr. Die Spannung staut sich seitdem auf. Ein eigentlich heftiges Beben ist längst überfällig. Die Forscher wissen nämlich auch durch die Analyse von Sprüngen im Gestein und von alten Erdrutschungen, dass in den Jahrhunderten zuvor die Erde regelmäßig etwa alle 160 Jahre bebte.

Die Frage aller Fragen lautet nun: Baut sich bei mehreren mittelstarken Beben der Druck ab oder nur bei wenigen Superbeben?

Da das Beben vom 4. September die Nahtstelle offensichtlich nicht entlastete, muss eigentlich jederzeit mit einem heftigen Beben gerechnet werden. Dieses könnte sogar die Stärke 8,0 auf der Richterskala überschreiten. Statistisch gesehen kommt solch ein Beben weltweit nur 1 mal im Jahr vor. Selbst stabile Bauten haben bei einer solchen Stärke kaum eine Chance, den Kräften stand zu halten.

Weiterhin gehen die Forscher jetzt davon aus, dass es höchstwahrscheinlich weitere, bislang unentdeckte Nahtzonen im Boden gebe, die jederzeit aufbrechen und schwere Erdstöße nach sich ziehen könnten. Am 4 September brach der Boden ohne Vorwarnung rund 80 km östlich des Alpine Fault. Es scheint fast so, dass der Boden unter Neuseeland einer zersprungenen Glasscheibe ähnelt. Die Spannungen in der Erdkruste sind so hoch, dass sie theoretisch überall reißen könnte und so neue Brüche entstehen würden.

Ebenso hat sich beim Erdbeben die Spannung ans Ende des Bruches verlagert. Damit steigt das Risiko für weitere schwere Erdstöße, denn der Druck kann sich vor allem am Ende gefährlich verstärken. Laut Statistik ist das Risiko schwerer Schläge nach einem Starkbeben besonders hoch. Auch Neuseeland hat diese scheinbare Gesetzmäßigkeit bereits in den 1930er Jahre erlebt. Im März 1020 bebte die Erde in der Nähe von Christchurch mit einer Stärke von 7.1. In den darauffolgenden Jahren gab es eine Reihe weiterer, schwerer Beben.

Um viele offene Fragen eines Tages vielleicht beantworten, aber vor allem um das aktuelle Risiko besser einschätzen zu können, planen die neuseeländischen Forscher ein sehr ambitioniertes Projekt. Sie möchten eine Reihe von Bohrungen im Alpine Fault machen, um dadurch dem Rhythmus der Starkbeben entlang der Plattengrenze auf die Schliche zu kommen. Doch die Bohrungen selbst sind nicht ganz ungefährlich. Denn sie können ebenfalls Beben auslösen. Und auch abseits des Alpine Fault müsste theoretisch gebohrt werden, um weitere Bebennähte aufzuspüren.
Doch zunächst verteilten die Forscher rund um Christchurch und das Umland ca. 200 Bebensensoren, mit denen die Seismologen die Nachbeben vom 4. September aufzeichnen. Anhand dieser Daten war es möglich, dass die Forscher den unterirdischen Verlauf der Bruchlinie kartieren konnten. Es zeigte sich, dass die Bruchlinie parallel zu anderen Nahtzonen auf der Südinsel verläuft. Über der Bruchlinie lagen allerdings Sandschichten, die sich dort seit 16.000 Jahren ablagerten. Nichts deutete darauf hin, dass die Schichten vor dem 4. September durch andere Beben bereits einmal zerrüttet wurden. Das bedeutet aber auch: Es gibt immer ein erstes Mal und es kann überall passieren. Keine sehr schöne Vorstellung für die Neuseeländer.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Februar 2012 um 21:53 Uhr )
 

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