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Steinzeit-Symbole könnten Urschrift der Menschheit sein

Steinzeit-Symbole könnten Urschrift der Menschheit sein (Wordle) In steinzeitlichen Felsmalereien tauchen sie auf allen Erdteilen auf: gemalte Symbole, die sich auf verblüffende Weise ähneln. Archäologen haben dieses scheinbare Gekritzel nun genauer untersucht, analysiert und miteinander verglichen und haben einen erstaunlichen Verdacht. Könnte es sich dabei um eine Art von Urschrift handeln, die lange vor den frühen Hochkulturen entstand?

Diese These vertritt Genevieve von Petzinger. Sie hatte die steinzeitlichen Symbole und Muster an Fels- und Höhlenwänden vier Monate lang untersucht. Und aus dem vermeintlichen Zeichensalat ergab sich ein System. Die Kanadierin studiert an der University of Victoria und kann sich möglicherweise auf die Fahnen schreiben, dass sie die erste Schrift der Menschheit entdeckte.

Sind die geometrische Symbole die erste Schrift der Menschheit?

Die geometrischen Zeichen und Symbole faszinierten die junge Frau schon länger. Ihr fiel auf, dass in Höhlengemälden die Zeichen fast doppelt so oft auftauchen wie die Darstellungen von Jagdszenen, Herden oder Tieren. Damit gibt es mehrere Tausend solcher in der Steinzeit gemalte Zeichen. Doch bislang hatte noch keiner ihrer Forscherkollegen damit begonnen, die Symbole systematisch zu erfassen und zu katalogisieren. Vielleicht weil die Muster zunächst in ihrer Umgebung mit den imposanten Wandbildern als wenig bedeutsam erscheinen.

Immerhin hatte von Petzinger damit eine Forschungsaufgabe gefunden. In einzelnen Regionen konnte sie sogar auf alte Literatur über die Zeichnungen zurückgreifen. Das britisch-französische Forscherduo Henry Christy und Edouard Lartet beschrieben die Zeichen 1865 in den französischen Höhlen und bereits damals vermuteten sie eine frühe Form der Schrift. Doch in Südafrika und Australien tauchen ebenso ähnliche Hieroglyphen auf.

Als erstes trug von Petzinger 5000 Zeichen zusammen, die aus 146 Höhlen in Frankreich stammten. Unbekannte Steinzeit-Picassos hatten sie im Zeitraum von 35.000 bis 10.000 vor Christus auf die felsige Leinwand gemalt. Die Symbole wurden in eine Datenbank eingespeist und ein Abgleich der Formen initiiert. Bald darauf vermeldeten die Computer der Doktorandin überraschende Treffer. 26 Symbole tauchten an vielen Fundorten immer wieder auf. Der Stil der Symbole war immer ähnlich. Später bezog von Petzingern auch die gefundenen Zeichen aus anderen Ländern in ihre Analysen ein.

Am Ende entstand eine Weltkarte, die aufzeigt, wie sich die Symbole verteilen.

Weltkarte mit den Symbolen (Quelle: NewScnientist)

Die vermutete Urschrift ist zunächst recht simpel. Viele Zeichen beruhen auf klaren Formen wie Linien, Kreisen, Kurven und Punkten. Doch es fällt schwer zu glauben, dass es sich um zufälliges Gekritzel handelt, da sie an zu vielen Orten auf der Welt gleichzeitig auftauchen. Möglicherweise repräsentieren sie auf abstrakte Art und Weise bestimmte Begriffe, die ihre Schöpfer/Maler/Zeichner für bedeutsam hielten.

Dienten die Steinzeit-Symbole der zwischenmenschlichen Kommunikation und Überlieferung?

Die junge Doktorandin konnte eine weitere Beobachtung machen, die den Anfangsverdacht untermauert. An den Höhlenwänden gibt es auch weniger abstrakte Zeichnungen, die letztlich Teile einer größeren Figur darstellen: beispielsweise die Abbildung eines Mammutstoßzahns – allerdings ohne den restlichen Körper des Mammuts. Diese Vorgehensweise aber ist sehr typisch für Bilderschriften, wie wir sie bereits von der altchinesischen Schrift her kennen. Möglicherweise versuchten die Altvorderen, Begriffe zu abstrahieren, sie eher symbolisch als realistisch darzustellen. So würden die Informationen zwar verdichtet, aber präzise weitergegeben werden können.

Darüberhinaus tauchen viele Symbole paarweise auf. Ein solches Zeichenduo ist z. B. die negative Hand und das Punktemuster. In der Höhle „Les Trois Frères“ in den französischen Pyrenäen tauchen mit Punkten, Fingerfurchen und zwei Varianten der negativen Hand sogar vier miteinander verknüpfte Symbole auf. Solche Zeichengruppen fanden die Forscher bereits bei späteren Kulturen wie z. B. der vor 7000 Jahren in Südosteuropa siedelnden Donauzivilisation. Ihr gestehen sie bereits eine Bilderschrift zu.

Vor bereits 8.000 ritzten chinesische Orakel auf Knochen oder Schildkrötenpanzer auch  Hieroglyphen. Möglicherweise bauten diese Bilderschriften auf die mit der Urbilderschrift gesammelten Erfahrungen auf und entwickelten sie weiter.

Denn die Urbilderschrift fügt sich nahtlos in die allgemeine Entwicklung der Steinzeitkultur ein. Vor 30.000 bis 40.000 Jahren lernten die Menschen abstrakt zu denken und begannen, Höhlen zu malen. Manche Forscher sprechen in dieser Hinsicht auch von einer kulturellen Explosion durch Kreativität.

Als nächsten Schritt versuchen von Petzinger und ihre Forscherkollegen, die Verbreitungswege der Hieroglyphen zu rekonstruieren. Auch hier führen viele Spuren nach Afrika. Damit wird der Kontinent nicht nur zur Wiege der Menschheit sondern auch zur Wiege der Schrift, was letztlich ebenso Sinn macht. Immer wieder brachen Clans in Afrika auf, um neue Territorien zu besiedeln und sie nahmen die rudimentäre Schrift mit hinaus in die Welt.

Anders lässt sich das Auftauchen von 18 Symbolen in Australien und Frankreich nicht erklären. Die Zeichen gelangten von Eurasien aus auch nach Nord- und Südamerika.

Allerdings gibt es auch Zeichen, die erst später hinzugekommen sind. Diese finden sich nicht überall auf der Welt. Das wiederum deutet darauf hin, dass Gruppen in verschiedenen Regionen eigene Symbole erfanden und sie dem ursprünglichen Zeichensatz hinzufügten.

Schriftliche Weitergabe von Informationen noch vor der Erfindung von Keilschrift und Hieroglyphen möglich

Die Eiszeit aber auch geografische Besonderheiten könnte bei der Ausbreitung der Symbole ebenso eine Rolle gespielt haben. In Europa zwang die Vergletscherung die Menschen südwärts zu ziehen und sich in Südfrankreich zu sammeln. Genau in dieser Zeit vor 18.000 bis 21.000 Jahren nehmen dann auch die Höhlenmalereien zu.

Dennoch muss die Urschrift noch sehr viel älter sein, denn fast 3/4 der Symbole konnten bereits in den ältesten Malereien vor 30.000 nachgewiesen werden. Damit muss es sich damals bereits um einen etablierten Zeichensatz gehandelt haben.

Einmal auf das Phänomen aufmerksam geworden, vermelden nun Forscher weitere spektakuläre Funde. So tauchten in einem südafrikanischen Felsunterstand Straußeneier-Schalen auf, in die vor 60.000 Jahren geometrische Muster geätzt wurden. Einen 70.000 Jahre alter Ockerstift, der ebenfalls in Südafrika entdeckt wurde, ziert das Symbol „offener Winkel“

Wie so oft, weiß leider auch hier niemand mehr, was die Zeichen bedeuteten. Vielleicht geben sie urtümliche Mythen oder das Weltbild der Steinzeitmenschen von einer Generation an die nächste weiter.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Februar 2012 um 21:37 Uhr )
 

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