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Neu entdeckte Primatenarten stellen Out-of-Africa-These in Frage

Neu entdeckte Primatenarten stellen Out-of-Africa-These in Frage (Wordle)Die Paläoanthropologen können das Bild drehen und wenden. Irgendwie passt das alles nicht richtig zusammen. Warum die Forscher so ratlos sind? Sie haben vier neue, mutmaßliche Vorfahren des Menschen, sogenannte Anthropoiden, als fossile Überreste entdeckt. Doch die neuen Puzzlestücke fügen sich nicht so richtig in das bisherige Bild ein.

Denn eigentlich herrscht unter den Forschern ein gewisser Konsens mit der sogenannten Out-of-Africa-Theorie. Laut dieser entwickelten sich die gemeinsamen Vorfahren von Menschen, Menschenaffen sowie höheren Primaten in Afrika. Nun gibt es aber die vier neu entdeckten Primatenfossilien, die Indizien dafür liefern, dass es nicht unbedingt so gewesen sein muss. Damit wird eine erneute Diskussion der Out-of-Africa-Hypothese angeheizt. Was ist, wenn sich der Mensch nun doch nicht in Afrika entwickelte und von dort aus in andere Kontinente einwanderte?

Ein internationales Forscherteam fand kürzlich die ältesten Überreste von Primaten auf dem afrikanischen Kontinent. Dabei handelt es sich um vier Arten. Sie lebten vor 39 Millionen Jahren im heutigen Libyen. Seltsamerweise fehlen sämtliche Hinweise darauf, wie sich die vier Arten bis zum Zeitpunkt vor 39 Millionen Jahren dort entwickelten. Die Forscher hegen nun die Vermutung, dass die Affen nach Afrika eingewandert sein könnten. Das bedeutet wiederum, die Affen sind auf einem anderen Kontinent als Afrika entstanden. Dort hat lediglich die Evolution zum Menschen stattgefunden.
Einige sehr alte Funde von Primaten-Fossilien in Asien legen durchaus einen asiatischen Ursprung des Menschen nahe. Damit gibt es eben auch eine sogenannte Out-of-Asia-Theorie. Die Anhänger dieser Theorie argumentieren, dass einige unserer frühesten Vorfahren von Asien aus nach Afrika einwanderten und sich dort weiterentwickelten.

Afrika war zu diesem Zeitpunkt eine Insel, die von den Primaten quasi neu besiedelt werden konnte. Das hätte den Vorteil gehabt, dass auch noch nicht ihre Fressfeinde dort auf sie warteten. Einer zunächst ungestörten Ausbreitung hätte somit wenig im Wege gestanden. Die Primaten konnten sich ohne nennenswerte Konkurrenz entfalten und breit auffächern. Eine Seitenlinie entwickelte dann den aufrechten Gang, lernte Steinwerkzeuge herzustellen und das Feuer zu zähmen. Der Rest aus den Geschichtsbüchern würde ab diesen Zeitpunkt wieder stimmen.

Die Funde aus Libyen zeichnen sich besonders durch ihre Artenvielfalt aus. So lebten mindestens drei verschiedene Primatenfamilien vor 39 Millionen Jahren gleichzeitig in Nordafrika. Sie können defacto nicht aus dem Nichts entstanden sein. Sie müssen sich durch Evolution entwickelt haben. Doch dafür gibt es bislang keine fossilen Beweise. Das so plötzliche Auftauchen stellt die Forscher vor Rätsel. Sie können im Moment nur zwei Erklärungen dafür liefern. Entweder es gibt eine relativ große Lücke bei bislang gefundenen afrikanischen Fossilien oder die Primaten entwickelten sich woanders.

Die erste Möglichkeit halten die Wissenschaftler allerdings für ziemlich unwahrscheinlich, da die Ausgrabungsstätten in Nordafrika alle sehr gut dokumentiert sind und bislang keinerlei Hinweise auf eine Evolution der Primaten geben. Deshalb wird die zweite These etwas wahrscheinlicher.

Allerdings müssen die Forscher von der französischen Université de Poitiers, die ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlichten, auch zugeben, dass die bisherige Beweislage alles andere als gesichert ist. Dafür ist die Fossiliendichte zu gering. Jeder neue Fund könnte das jetzt gezeichnete Bild wieder komplett durcheinander bringen.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Februar 2012 um 20:50 Uhr )
 

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