Zufallskarte

Schamane
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Hightech-Steinzeitmesser: Mit scharfen Waffen jagt es sich einfach besser

Hightech-Steinzeitmesser: Mit scharfen Waffen jagt es sich einfach besser (Wordle)Neue Funde belegen, dass Steinzeitmenschen sehr viel früher auf scharfe Steinklingen zurückgreifen konnten als man bisher dachte. Die bekannten Techniken scheinen mehrere zehntausend Jahre früher entwickelt worden zu sein.

Scharfe Steinmesser und Speere für die Jagd brachten einen enormen Vorteil für eine Gruppe mit sich. Findige Steinzeitmenschen wussten sich diesen Vorteil durch praktische Hilfsmittel zu verschaffen. Sie entwickelten eine spezielle Technik, mit deren Hilfe die Kanten von Steinen mit Druck sehr präzise und kontrolliert bearbeitet wurden. Augrund von Funden in Europa dachten die Archäologen bislang, dass die Methode erst vor 20.000 Jahren in Westeuropa erstmal zum Einsatz kam. Nun legen Funde aus  der Blombos-Höhle in Südafrika nahe, dass die Technik auch dort entwickelt wurde – allerdings 55.000  Jahre früher – also vor ca. 75.000 Jahren.

Das Prinzip der Waffenherstellung war raffiniert und sehr zielführend. Beim Pressure-Flaking werden bei roh behauenen Steinstücken mit Hilfe von Tierknochen oder anderen Werkzeugen und Druck dünne Steinplättchen gezielt abgesplittert. Dadurch entstehen Rassiermesser scharfe Kanten. Manche Steinarten lassen sich so direkt bearbeiten, andere müssen zuvor erhitzt werden.

Die Forscher von der University of Witwaterstrand (Johannesburg) und der University of Colorado (Boulder/USA) versuchten sich in der steinzeitlichen Werkzeugherstellung mit Steinen der Region. Dabei entdeckten sie, dass die Erhitzung der Steine vor Fertigstellung einen entscheidenden Schritt darstellt, um den besten Schliff der Klingen zu erreichen. Die Funde aus der Blombos-Höhle bestehen zum Teil aus Silcrete. Dies ist eine Gesteinsart, die zwar grob behauen werden kann, aber feine Splitter durch Druck könnten nicht abgelöst werden.

Beim Untersuchen der Werkzeugkanten mit dem Mikroskop entdeckten sie ein Muster, das beim Ablösen der Splitter am Stein entsteht. Raue und spröde Kanten gibt es, wenn der Stein im Rohzustand bearbeitet wird. Glatte Kanten treten auf, wenn die Steine zuvor erhitzt wurden sind. Die Steinwerkzeuge aus der Blombos-Höhle hatten zum Teil glatte Kanten.

Die Steinzeit-Menschen von Blombos haben also den Feinschliff erst nach der Erhitzung der Klingen im Feuer vorgenommen. Sie konnten danach mit großer Präzision die Kanten der Steine weiterbearbeiten. Mit Hilfe der spitzeren und schärferen Jagdwaffen ließ sich wahrscheinlich die nächste Mahlzeit besser erlegen. Ein Überlebensvorteil, den die Nachfahren der Blombos-Gruppe, die dann möglicherweise auch nach Europa und Asien einwanderten, sicherlich zu schätzen gewusst haben. Die Gruppe aus der Blombos-Höhle, in der die Wissenschaftler schon viele Hinweise auf das steinzeitliche Leben und Verhalten der frühen Menschen entdecken konnten, muss so etwas gewesen sein, was wir heute als „Early Adopters“* bezeichnen, denn sie haben bereits vor 75.000 Jahren ebenso schon Muschelketten angefertigt. Auch diese Technik wurde in anderen Teilen der Welt erst vor 30.000 bis 20.000 Jahren entwickelt bzw. korrekterweise müsste es heißen „wiederentdeckt“.

* Erklärung aus der Wikipedia zu Early Adopter: Der Begriff Early Adopter (englisch für frühzeitiger Anwender) bezeichnet einen Menschen, der die neuesten technischen Errungenschaften oder die neuesten Varianten von Produkten erwirbt.

 


Quellen:



Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Februar 2012 um 08:36 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)