Zufallskarte

Einbaum
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Die Gehirne von Homo sapiens und Neandertaler: Ähnlich und doch auch große Unterschiede

Die Gehirne von Homo sapiens und Neandertaler: Ähnlich und doch auch große Unterschiede (Wordle)Die Hirnstrukturen moderner Menschen und der Neandertaler ähneln sich unmittelbar nach der Geburt. Danach setzt bei jeder Art eine individuelle Entwicklung ein, die zu deutlichen Unterschieden in den ersten Lebensmonaten führt. Zu diesem Ergebnis kam ein deutsch-französisches Forscherteam durch den Vergleich von digitalen Gehirnabdrücken der beiden Arten.

Sie konnten so nachweisen, dass sich die Hirnstrukturen von Homo sapiens und Homo neanderthalensis direkt nach der Geburt sehr ähnlich sind. Auch nach dem zweiten Lebensjahr verläuft die Entwicklung ähnlich. Doch in der Phase dazwischen verändert sich das Gehirn des Homo sapiens sapiens deutlich. Es wird im Vergleich zum Neandertalergehirn kugelförmiger. Das Gehirn unseres menschlichen Cousins dagegen behält seine längliche Form bei.

Beim Menschen gilt das erste Lebensjahr als enorm wichtige Phase. Hier entwickeln sich viele soziale, emotionale und kommunikative Fähigkeiten. Die Vernetzung und Ausprägung der Gehirnstrukturen ist dabei enorm wichtig. Die Forscher vermuten, dass der Neandertaler – eben aufgrund der anderen Gehirnentwicklung in den ersten Lebensjahren und -monaten – auch ein deutlich anderes Verhalten zeigte als der moderne Mensch.

Ihre Thesen veröffentlichten die Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig im Fachmagazin „Current Biology“.

Die Größe des Gehirns allein macht’s nicht

Seit langem ist durch Knochenfunde belegt, dass die Größe des Gehirns von Homo neanderthalensis und Homo sapiens in etwa gleich groß ist. Doch ob man damit dem Neandertaler allein schon die selben kognitiven Fähigkeiten zusprechen darf wie dem Menschen, ist eine Frage, die unter den Wissenschaftlern heftig diskutiert wird. Denn allein die Hirngröße macht es nicht. Auch die Gehirnstruktur bestimmt maßgeblich das Verhalten und die Intelligenz. Am Forschungsobjekt „moderner Mensch der Gegenwart“ konnte nachgewiesen werden, dass geringe Abweichungen in den ersten Lebensjahren bereits zu deutlichen Änderungen in Kognition und Verhalten führen. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass unsere ausgestorbenen Verwandten die Welt daher ganz anders wahrnahmen als wir heute. Allerdings unterstreichen die Forscher nochmals, dass dies nicht automatisch bedeutet, dass die Neandertaler deswegen „Dumpfbacken“ waren. Im Gegenteil: Von geistiger Zurückgebliebenheit ist weit und breit nichts zu finden. Die Neandertaler waren hochentwickelte Jäger und Sammler, die höchstwahrscheinlich bereits eine eigene Sprache hatten.

Die Forscher aus Leipzig (Deutschland) untersuchten nun die Hirnstrukturen von Neandertaler und heutigen Menschen. Für ihr Forschungsvorhaben „scannten“ sie von 58 modernen Menschen und elf fossilen Schädeln von Neandertalern mit einem Computertomographen die Abdrücke des Schädelinneren ein. Da sich die Hirnstrukturen in den Schädel einprägen kann so die Oberfläche des Gehirns rekonstruiert werden. Die Schädel der zwei Arten stammten aus verschiedenen Altersklassen. Unter den Neandertaler-Fossilien waren auch die Überreste eines Babys, das 1914 in der Dordogne (Frankreich) gefunden wurde.

Mensch, Neandertaler & Schimpanse: Gemeinsamkeiten durch gemeinsamen Vorfahr doch auch viele Unterschiede

Aus den Schädelinnenabdrücken konnten die Wissenschaftler herauslesen, dass bei beiden Spezies die Gehirne kurz nach der Geburt eine ähnliche Größe haben und auch eine längliche Form. Das Gehirn des Homo sapiens nimmt dann aber eine rundlichere Form an. Die Forscher konnten nachweisen, dass genau diese Phase der Gehirnentwicklung beim Neandertaler fehlt.

Diese Erkenntnisse gehen konform mit anderen Studien. Hier hatten die Forscher bereits die Gehirnentwicklung von Schimpansen und modernen Menschen miteinander verglichen. Auch hier gab es Unterschiede. Erst mit dem Durchbrechen der Milchzähne nehmen menschliche Gehirne und die von Schimpansen wieder eine ähnliche Entwicklung. In der Zwischenzeit – nämlich genau in den ersten, prägenden Monaten nach der Geburt -  sind sie völlig unterschiedlich.

Ähnliche Entwicklungsmuster bei Schimpansen, modernen Menschen und Neandertalern führen die Forscher auf den gemeinsamen Vorfahren vor vielen Millionen Jahren zurück.



Quellen:

 

Aktualisiert ( Mittwoch, 15. Februar 2012 um 08:25 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)