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Lange menschliche Kindheit bringt evolutionäre Vorteile

Lange menschliche Kindheit bringt evolutionäre Vorteile (Wordle) Heutzutage können Kinder nicht schnell genug erwachsen werden. Überall Dreizehnjährige, die aussehen wie 21. Aber das ist von Mutter Natur so eigentlich gar nicht angelegt. Eine relativ lange Kindheit kann positive Einflüsse mit sich bringen. Dies zeigen zumindest Vergleiche, die zwischen Neandertaler und modernem Mensch gemacht wurden.

So untersuchte ein Wissenschaftler-Team, dessen Mitglieder mehreren Nationen angehörten, die Wachstumsspuren in den Zähnen von Neandertaler-Kindern und modernen Menschen. Diese Untersuchungen waren bislang die genauesten, die je vorgenommen wurden und sie zeigen, dass die Zähne der Neandertaler deutlich schneller als die Zähne von uns, Homo sapiens, wuchsen.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Entwicklung von Neandertaler-Kindern schneller voranschritt und sie auch früher erwachsen wurden – nicht nur im Vergleich zu den heute lebenden modernen Menschen sondern auch im Vergleich zu den Homo sapiens-Gruppen, die vor 90.000 bis 100.000 Jahren von Afrika aus aufbrachen, um die Welt zu besiedeln. Selbst sie hatten eine längere Kindheit.

Tanya Smith von der Harvard University in Cambridge war Mitglied im internationalen Forscher-Team, dem übrigens auch Forscher aus dem Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie angehörten. Nach ihrer Ansicht könnte die relative kurze Kindheit der Neandertaler mit ein Grund dafür sein, dass am Ende der moderne Mensch in der menschlichen Evolution das Rennen machte und er sich gegenüber dem Neandertaler durchsetzen konnte. So fördert eine verlängerte Reifezeit die Entwicklung von umfassenden, kognitiven Fähigkeiten. Wichtig für das Lernen, Denken und das Erkennen komplexer Sachverhalte und Zusammenhänge ist die Verknüpfung einer Vielzahl von Synapsen miteinander. Nur durch eine genügend lange Entwicklungszeit können solch vielschichtige Strukturen entstehen. Die Wissenschaftler sehen hier einen Überlebensvorteil des Homo sapiens gegenüber dem Homo neanderthalensis. Sie gehen davon aus, dass der moderne Mensch seinem Verwandten geistig überlegen war.

Einfache evolutionäre Faustformel: Länge Kindheit mehr Synapsen

Erst vor kurzem konnten Forscher nachweisen, dass sich die Gehirne von Homo sapiens und Neandertalern in der frühen Kindheit anders entwickelten. Die jetzigen Erkenntnisse zum Zahnwachstum bestärken die dort getroffenen Vermutungen nur. Das langsame Wachstum und die lange Kindheit mussten sich erst relativ spät in der menschlichen Evolution entwickelt haben. Dennoch war der daraus resultierende Vorteil so groß, dass er sich besonders durchsetzen konnte.

Sicherlich fragt sich jetzt so mancher, wie man all das aus uralten Zähnen herauslesen kann. Dazu muss man allerdings wissen, dass es auch bei Zähnen Wachstumslinien gibt. Sie verhalten sich ganz ähnlich wie Jahresringe bei Bäumen. Durch die Wachstumslinien geben Zähne Auskunft über das Alter eines menschlichen Individuums. So enthalten die ersten Backenzähne eine Geburtslinie, anhand derer sich genau ablesen lässt, wie alt ein Mensch zum Zeitpunkt seines Todes war. Den Forschern aus Harvard gelang es mittels modernster Röntgenverfahren nachzuweisen, wie sich das Wachstum von kindlichen Neandertaler- und Homo sapiens-Fossilien vollzog. Dazu verglichen sie 90 Zähne von 28 verschiedenen Neandertalern mit 39 Zähnen von neun Homo sapiens Fossilien sowie 464 Zähnen von jetztzeitlichen Menschen.

Die Forscher gehen davon aus, dass Neandertaler mit einem Alter von ungefähr neun bis elf Jahren bereits geschlechtsreif wurden. Im Vergleich zu früheren menschlichen Vorfahren hatten jedoch auch die Neandertaler bereits eine verhältnismäßig lange Kindheit. Ganz frühe Hominiden erreichten fast genauso früh wie heutige Menschenaffen die Geschlechtsreife, was wahrscheinlich auch mit einer geringeren Lebenserwartung einherging.

 


Quellen:

 

 

Aktualisiert ( Dienstag, 14. Februar 2012 um 08:24 Uhr )
 

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