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Moderner Mensch vs. Neandertaler: Gleiche Lebenserwartung aber Vorteil durch höhere Fruchtbarkeit und geringere Kindersterblichkeit?

Moderner Mensch vs. Neandertaler: Gleiche Lebenserwartung aber Vorteil durch höhere Fruchtbarkeit und geringere Kindersterblichkeit? (Wordle) Vielfach wird das Aussterben des Neandertalers mit der höheren Lebenserwartung des Homo sapiens erklärt. Doch hatten Neandertaler tatsächlich eine geringere Lebenserwartung? Dieser Frage ging der amerikanische Anthropologe Erik Trinkaus nach. Er verglich das Alter von Neandertalern mit denen des modernen Menschen, der sich von Afrika aus rasch über alle Kontinente ausbreitete. Doch auch die frühen modernen Menschen und damit die Zeitgenossen der Neandertaler wurden nicht alt. Vorteil moderner Mensch durch höhere Fruchtbarkeit und geringere Kindersterblichkeit?

So ähnlich schreibt es Trinkaus in seiner Veröffentlichung in PNAS als Schlussfolgerungen nieder und beendet damit die Spekulationen um eine These zum Aussterben des Neandertalers. Damit wurden innerhalb kürzester Zeit zwei Thesen entkräftet. Seit Ende Dezember 2010 wissen wir, dass sich auch der Neandertaler abwechlsungsreich ernährte und deswegen nicht aufgrund eines angeblich einseitigen Speiseplans ausstarb. Demnach kann es sich bei dem demografischen Vorteil des modernen Menschen eher um das Ergebnis einer höheren Fruchtbarkeit oder einer geringeren Kindersterblichkeit gehandelt haben. Allein an der höheren Lebenserwartung lag es nicht.

In seiner Studie untersuchte der Wissenschaftler das Alter von Menschen zum Zeitpunkt ihres Todes. Er nahm sich dabei die Überreste von Neandertalern und von frühen, modernen Menschen vor. Bei letzteren konnte er auf die Fossilien von zwei Gruppen zurückgreifen. Bei den einzelnen Gruppen wurde die Zahl der 20- bis 40-Jährigen bestimmt und diese mit der Zahl der Erwachsenen über 40 Jahren verglichen.

In allen drei Gruppen gab es nur sehr wenige alte Menschen. Die schweren Lebensbedingungen im Pleistozän forderten ihren Tribut. Die Lebenserwartung war grundsätzlich gering.

Trotz der relativ eindeutigen Datenlage ist Trinkaus bei seinen Schlussfolgerungen vorsichtigt. Er gibt zu bedenken, dass damals unter Umständen ältere Menschen von den umherziehenden Gruppen zurückgelassen wurden, wenn sie durch Alterserscheinungen und Verletzungen nicht mehr mobil genug waren. Sie wären dann für wilde Tiere eine leichte Beute gewesen, was wiederum dazu führen würde, dass ihre Überreste nicht die Zeiten überdauern und somit Eingang in die paläontologischen Daten finden konnten.

Ferner sei denkbar, dass die Überreste alter Individuen grundsätzlich schlechter erhalten bleiben als die von jungen Menschen und wir jetzt somit zwangsläufig diese Altersverteilung vorfinden. Trinkaus hält es auch für denkbar, dass die Altersbestimmung auf Basis von Skelettresten selbst nicht ganz fehlerfrei sein könnte.

Was auch immer die tatsächliche Ursache für das Fehlen älterer Menschen ist … Da das Phänomen in beiden Untersuchungsgruppen auftritt, kann es an der Lebenserwartung selbst nicht liegen. Die war bei Neandertalern und frühen modernen Menschen gleich gering. Andere Thesen müssen erklären, warum der moderne Mensch seinen Cousin den Neandertaler überlebte? Viele Forscher sehen die Lösung des Rätsels eher in den Genen. Beim modernen Menschen finden sie einen hohen Selektionsdruck bei Genen, die für den Stoffwechsel und kognitive Fähigkeiten zuständig sind. Beim Neandertaler gibt es keine solche Spuren.

 

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Quellen:

Aktualisiert ( Dienstag, 14. Februar 2012 um 08:04 Uhr )
 

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