Zufallskarte

Weißer Hai
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Geschichte & Klima: Aus Schatten ein Licht entspringe

Geschichte & Klima: Aus Schatten ein Licht entspringe Im dunklen Zeitalter gerieten die Erkenntnisse und Errungenschaften der frühen Hochkulturen zunehmend in Vergessenheit. Dafür breitete sich Unwissenheit, Angst und Aberglauben aus. Im Laufe des 4. Jahrhunderts blieb es zwar kalt. Allerdings setzte der Regen wieder ein. So wuchsen die Gletscher. Doch bald darauf erlebte Europa die bis dahin größte Krise. In den Jahren 536 bis 546 fielen die Sommertemperaturen auf ein Rekordtief. Die Ernte verdarb aufgrund von frostigen Winden und Dunkelheit. Geologen machen für diese zehnjährige Depression einen Meteoriteneinschlag vor Australien verantwortlich.

Auch im 6. Jahrhundert setzten sich die schweren Zeiten weiter fort. Die Einwohnerzahl Europas sank auf einen Tiefstand. In der Folge wurden Siedlungen aufgegeben. Die Wälder drangen wieder vor. Pollenanalyse stützen diese Daten, denn sie belegen eine drastische Verringerung der Landwirtschaft. Denn durch das Klima gingen nicht nur die Ernten zurück, auch das Vieh ging ein.

Hungerjahre dezimieren die Bevölkerung

Die Zeiten waren für die Bevölkerung äußerst hart. Hungersnöte und Elend waren an der Tagesordnung. Das Jahr 784 ging als sogenanntes Hungerjahr in die Annalen der Geschichte ein. In dem Jahr soll ein Drittel der europäischen Bevölkerung gestorben sein. Doch die Zeiten wurden kaum besser. Im neunten Jahrhundert kam zu der Kälte zu allem Überfluss auch noch die Feuchte hinzu, die einen ausgezeichneten Nährboden für Krankheiten und Seuchen bot. So breitete sich mit dem andauernden Regen beispielsweise auch die Lepra aus.

Aus dieser Zeit stammt möglicherweise noch die Angst vor dem bösen Wolf. Denn auch die Wildtiere litten unter den schweren Zeiten. Der Hunger trieb Wölfe aus ihrer russischen Heimat nach Mitteleuropa. Auch dort hatte sich das Klima immer weiter verschlechtert. Die hungrigen Tiere schlichen um die Dörfer und die verbliebenen Bewohner versuchten sich mit aller Kraft gegen die Bedrohung zu wehren. Sie versuchten es mit Fallen, Giftködern und Treibjagden. Karl der Große beispielsweise ordnete in allen Grafschaften die Anstellung von Wolfsjägern an. Dennoch ließ sich ein Zusammentreffen von Mensch und Tier nicht vermeiden. So platzte 843 ein Wolf in die Kirche des französischen Städtchen Sénonais während der sonntäglichen Messe. Nun können die Klimaforscher bestätigen, dass das Jahr 843 deutlich kühler war als die Jahre davor und danach.

Doch um 950 kam die Klimawende zum Guten. Die Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom mittelalterlichen Klimaoptimum. Die Temperaturen stiegen an und zwar hoch wie wir sie aus dem 20. Jahrhundert kennen. In den Alpen lag die Baumgrenze mancherorts sogar noch höher als heute. Auch der Wein wurde wieder in den nördlichen Breiten angebaut – sogar noch nördlicher als zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Eine neue Zeit begann. Es war das Zeitalter der Entdecker und die Wikinger machten den Anfang. Sie fuhren über Grönland bis nach Amerika.

Warme Jahre ermöglichen die Blütezeit des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

Hungersnöte wurden seltener, da sich die Landwirtschaft erholte. Innerhalb von 150 Jahren wuchs die Bevölkerung Europas um ein Drittel. Unter den Stauferkaisern gelangte das Deutsche Reiche zu seiner Blütezeit. Friedrich II. regierte ein Territorium, das bis nach Sizilien reichte. Philosophen, Wissenschaftler und Künstler kamen an seinen Hof. Das Denken wurde freier. Selbst aus Arabien kamen die Gelehrten. Sie reimportierten die Erkenntnisse der Antike, die dort bewahrt und weiterentwickelt worden waren. Das neue Zeitalter schlug sich auch in der Baukunst und Architektur nieder. Die gotischen Kathedralen bekamen große Fenster, die das Sonnenlicht nicht länger aussperrten.

Manche der historisch verbürgten Angaben halten einer genaueren Überprüfung so nicht stand. Aus Nürnberg gibt es für das Jahr 1022 einen Bericht, nachdem angeblich die Menschen auf den Straßen vor großer Hitze verschmachteten und erstickten. Die Klimaforscher finden für eine solche Hitze allerdings keine Beweise. Für dieses Fehlen gibt es zwei mögliche Erklärungen: Entweder die Hitzewelle war so kurz, dass sie sich nicht im Wachstum der Jahresringe bemerkbar machte oder der Bericht des Nürnberger Bürgers war maßlos übertrieben.

Andere Ereignisse kann die Studie jedoch untermauern. So fiel 1135 auffällig wenig Regen. Die Daten bestätigen damit historische Überlieferungen, wonach die Donau in jenem Jahr fast ausgetrocknet war. Das Niedrigwasser wiederum nutzten die Regensburger, um einen wichtigen Handelsweg auszubauen, indem sie über die Donau eine steinerne Brücke errichteten. Diese ist noch heute das bedeutendste Wahrzeichen der Stadt. 
Im Vergleich zu den Jahrhunderten zuvor lebten die Mensche in beinah paradiesischen Zuständen. Sie konnten das relativ milde Wetter genießen. Die Höfe feierten in lauen Sommernächten fröhliche Feste und die holden Maiden lauschten den Minnesängern.

Doch das Klima wendete sich bald darauf erneut und unerbittlich. Am 9. September 1302 erfroren im Elsass die Weinstöcke. Auf dieses Desaster folgte ein strenger Winter und ein kaltes Frühjahr, bei dem am 2. Mai 1303 den deutschen Bauern das Saatgut erfror.  Zu diesem Zeitpunkt ahnte allerdings noch niemand, welche klimatische Katastrophe auf die Leute zurollte.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Montag, 13. Februar 2012 um 21:54 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)