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Neuer Ozean in Afrika: Entstehung im Eiltempo

Neuer Ozean in Afrika: Entstehung im Eiltempo (Wordle) So wie wir im Moment Ostafrika kennen, wird es – zumindest in geologischen Maßstäben – nicht mehr lange Bestand haben. Quasi im Sauseschritt entsteht durch den ostafrikanischen Grabenbruch ein neuer Ozean. Der mächtige Kontinent fängt an, an dieser Stelle auseinander zu brechen. Jetzt gibt es erste Anzeichen für die Verstärkung der dortigen Aktivitäten. Seismische Kräfte lassen die Erde beben, vulkanische Kräfte bringen Magma an die Erdoberfläche. Schon ist es nur noch eine Frage der Zeit bis das Meer vordringt. Kaum zu glauben aber mitten in der Wüste bildet sich bereits Meeresboden.

Wie ein neuer Ozean entsteht

Ostafrika war schon seit jeher ein Gebiet, das immer wieder neues hervorbrachte. Und auch die Wiege der Menschheit steht vermutlich hier – zumindest deuten die Funde vieler bedeutender menschlicher Fossilien darauf hin. Nun ist Ostafrika der Schauplatz eines eher seltenen Ereignisses. Hier brodeln unter der Erdoberfläche unvorstellbare tektonische Kräfte und lassen in Rekordtempo einen neuen Ozean entstehen. Für Wissenschaftler ist das Faszinierende daran: Sie können dabei buchstäblich zusehen.
Vor kurzem erreichte Cynthia Ebinger von der University of Rochester ein Anruf aus der Wüste Äthiopiens, dass der Vulkan Erta Ale auszubrechen drohe. Ebinger erforscht seit langem den Vulkan. Sie kennt die silbrig-schwarze Lavasuppe genau, die im Krater des Erta Ale beständig blubberte. Doch trotz all dieser Aktivitäten war der Vulkan in den letzten Jahrzehnten nie ausgebrochen.

Zusammen mit Kollegen flog Ebinger Mitte November in die Wüste Äthiopiens. Ihnen bot sich ein spektakuläres Bild: Flammenrote Lavafontänen schossen in den Himmel. Der Vulkan war aus seinem Tiefschlaf erwacht. Und es scheint erst der Anfang einer Kaskade von Ereignissen zu sein, an deren Ende ein neuer Ozean entsteht. In Nordostafrika gibt es einen geologischen Umbruch: Erdbeben, Vulkanausbrüche und ein Vordringen des Meeres sind die sichtbaren und spürbaren Zeichen. Afrika bricht genau dort entzwei.

Der Ostafrikanische Grabenbruch (Bildquelle: Wikipedia.org) title=

Große tektonische Aktivität im Rift-Valley

Bereits vor Jahrmillionen entstand ein Riss, den mittlerweile das Rote Meer und der Golf von Aden ausfüllen. Jetzt gibt es einen Bruch, der sich auf einer Länge von 6500 km von Äthiopien bis in das südliche Mosambik erstreckt: der Ostafrikanische Grabenbruch, der auch Rift Valley genannt wird. Im Rift Valley liegen unter anderem der Victoria-See, der Malawi-See und der Tanganjika-See sowie der Mount Kenia, die Virunga-Berge oder der Kilimandscharo. In einigen Millionen Jahren füllt ein Ozean die Kluft und all das wird im Meer versinken. Bereits in nicht allzu ferner Zukunft könnte das Meer einen ersten Vorstoß wagen.

Für Geologen ist dieser Tage die Danakil-Senke ein besonders spannender Ort. Einige Gebiete dort liegen bereits 120 Meter unter dem Meeresspiegel. Soweit wäre das noch nichts Dramatisches. Aber nur 25 Meter flache, von Erosion bedrohte Hügel halten die Wassermassen des Roten Meeres noch fern. Bereits früher hatte das Salzwasser des Ozeans das Gebiet geflutet. Davon zeugen weiße Salzkrusten auf dem Sandboden. Mehrmals jedoch schnitt Lava dem Meer den Zugang wieder ab. Doch eine erneute Flutung könnte in nächster Zeit anstehen, wenn die Hügel als letztes Bollwerk innerhalb weniger Tage einsinken.
Seit mehreren Jahren beobachten Forscher wie Tim Wright von der Universität Leeds, dass sich die Ozeanentstehung unglaublich beschleunigt. Konnten die Wissenschaftler früher eine Bodenbewegung von wenigen Millimetern pro Jahr registrieren, dehnt sich der Erdboden jetzt teilweise um mehrere Meter im Jahr. Das dies so schnell möglich ist, konnten sich die Experten anfangs gar nicht recht vorstellen.

Die Erde in Ostafrika gleicht einer kaputten, zersprungenen Glasscheibe. Und ständig öffnen Erdbeben neue tiefe Schluchten im Wüstenboden.

3D-Video der Royal Society zeigt anhand von Radarmessung wie Afrika im Rift Valley auseinanderbricht.

Beinahe eine Kaskade von Erdbeben registrierten die Forscher zuletzt im Golf von Tadjourah vor der dschibutischen Küste. Die Beben reihten sich entlang des mittelozeanischen Rückens. Hierbei handelt es sich um ein unterseeisches Gebirge, an dessen Grund dauernd neue Erdkruste entsteht: Lava quillt hervor und erstarrt zu neuem Meeresgrund. Dabei wird der Meeresboden vom aufsteigenden Magma beständig auseinander gedrückt. Erdplatten kommen so in Bewegung. Die Beben im Golf von Tadjourah rollten in den vergangenen Monaten immer weiter auf die Küste zu. Bald könnte die Meeresbodenspaltung auf das Land überspringen – das vermuten zumindest die Forscher. Das wäre eine geologische Sensation, denn nun wäre das eigentlich in der Tiefsee ablaufende Spektakel an der Erdoberfläche sichtbar und damit auch studierbar. An einigen wenigen Stellen in Äthiopien gibt es das schon. Hier beginnt die Verwandlung der Wüstenlandschaft in Tiefseeboden. Geologen registrieren bereits jetzt viele starke Erdbeben in geringer Tiefe. Diese sind sonst nur für die Tiefsee am Mittelozeanischen Rücken typisch und ein Zeichen für die Bodenspaltung. Über ihre Beobachtungen berichten die Forscher Zhaohu Yang und Wang Ping von der Universität in Urbana (Illinois/USA) im Fachblatt „Journal of Geophysical Research“.
Die Zunahme der vulkanischen Aktivität ist sehr deutlich.

Zunehmende vulkanische Aktivität lässt Meeresboden in der Wüste entstehen

In den vergangen Monaten wurden an 22 Stellen im Afar-Dreieck unterirdische Vulkanausbrüche nahe der Erdoberfläche registriert. Bis zu acht Meter breite Klüfte brach das Magma in den Boden. Sehr oft noch blieb das Magma im Untergrund stecken. Im Erta Ale aber gelangte es an die Oberfläche und sorgte dort für ein spektakuläres Naturschauspiel.

Die Forscher staunen ebenfalls über die Zusammensetzung des geschmolzenen Gesteins. Es ähnelt dem Magma, dass sonst nur in der Tiefsee an Mittelozeanischen Rücken vorkommt. Das Magma des Erta Ale ist von seiner chemischen Zusammensetzung mit einem geringen Anteil an Kieselsäure das eines Tiefseevulkans. Immer mehr ähnelt die Region einem Meeresboden - nur das Wasser fehlt noch.
Im Jahre 2005 begann dieser neue Aktivitätsschub. Plötzlich riss der Wüstenboden in der Afar-Senke auf einer Länge von 60 Kilometern auf. Tim Wright sagt, dass bislang 3,5 Kubikkilometer an Magma aufgequollen wären. Um sich diese Masse besser vorstellen zu können, nennt er zum Vergleich, dass man damit ganz London mannshoch mit Magma bedecken könnte.

Wer sich jetzt zähflüssiges Magma vorstellt, dass im Schneckentempo in Richtung Erdoberfläche vordringt, hat sich geschnitten. Das Magma bahnt sich seinen Weg mit einer Geschwindigkeit von bis zu 30 Metern pro Minute. Radarmessungen machen die Folgen sichtbar: Der Boden wellt sich auf 200 Kilometern wie heiß gewordener Asphalt im Sommer.
Weiteres Magma sammelt sich bereits unter dem Dabbahu-Vulkan im Norden Äthiopiens. Die Sattelitendaten zeigen, dass die Region in viel größerem Maßstab als bisher angenommen auseinanderbricht. Durch die unterirdischen Magmaströme sei der Wüstenboden aufgeheizt und verforme sich so leichter. In der Karonga-Region in Malawi hat ein Magmaausbruch die Erdoberfläche nicht nur auf einer Länge von 17 Kilometern aufgeschlitzt sondern auch um einen halben Meter angehoben. Die gewaltigen Kräfte, die dies vermögen, sind kaum vorstellbar.

Die Forscher befürchten, dass die Aktivität noch weiter zunehmen werde, da die „größte tektonische Baustelle des Planeten“ immer weiter wachse. Die heftigste Magma-Aufwallung gab es im Mai 2009 in Saudi-Arabien. Hier brach ein unterirdischer Vulkan aus, was ein Beben der Stärke 5,7 verursachte, bei dem 30.000 Anwohner in Sicherheit gebracht werden mussten. Für Forscher war dies überraschend, denn die Eruption fand 200 Kilometer von der Nordafrikanischen Bruchzone entfernt statt. Die Wissenschaftler glauben, dass die dortige Magmakammer weiter nachlade und auch künftig verstärkt Magma aus dem Untergrund drückt.

Es bleibt also spannend am Horn von Afrika und das nicht nur wegen der von Piraten gekaperten Schiffe.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Montag, 13. Februar 2012 um 21:41 Uhr )
 

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