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Schamane
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Das Auswendiglernen ist tot! Lang lebe das gute alte Auswendiglernen!

Das Auswendiglernen ist tot! Lang lebe das gute alte Auswendiglernen! (Wordle) Was fasziniert uns an unseren Großeltern? Beispielsweise dass sie mühelos Gedichte, die sie zu Schulzeiten gelernt haben, noch aufsagen können. Und die heutige Generation? Sie tut sich schwer, die ersten Zeilen des Schimmelreiters zusammenzubekommen. Wie kann das sein?
Stupides Auswendiglernen geriet in den vergangenen Jahren in Verruf. Doch neue Experimente aus der Lernforschung zeigen, dass dieser schlechte Ruf gar nicht stimmt.

Viele Studenten stöhnen unter dem Wissensballast, den sie mit sich herumschleppen können. Vor allem angehende Mediziner können vor Prüfungen davon ein Lied singen: Anatomische Begriffe, biochemische Formeln, … Ideal wäre es, man hätte einen Kopf zum Aufklappen – getreu dem Motto: Kopf auf, Trichter drauf und Wissen rein. Dann würde das Wissen einfach so ins Gedächtnis rieseln und für immer dort bleiben. Schöne heile Welt, in der sich innerhalb kurzer Zeit viel Lernstoff abspeichern ließe. Doch der Nürnberger Trichter bleibt Utopie. Oder vielleicht doch nicht?
Forscher fanden nun heraus, dass es eigentlich ganz einfach ist. Sie sind buchstäblich auf den Trichter gekommen, indem sie die Lernmethoden testeten, mit deren Hilfe man sich schnell und komfortabel Wissen aneignen kann. Und nun seien Sie bitte nicht erstaunt, wenn Sie die folgende Zusammenfassung lesen: Die Ergebnisse zeigen, dass das Auswendiglernen und Wiederholen die effektivsten Methoden zur Wissensaneignung sind.

Lernforschung zeigt: Neue Lernmethoden sind alten Lernmethoden nicht unbedingt überlegen

Die Studie wurde von Jeffrey Karpicke geleitet. Karpicke ist Forscher am Psychologischen Institut der Purdue Universität in Indiana (USA). Er ist ein überzeugter Anhänger der altbewährten Wiederholung. Seiner Meinung nach sind die neuen Lernmethoden völlig überbewertet. Wenn Studenten Schaubilder mittels Pfeilen und Diagramme erstellen sollen, sei dies nicht sonderlich effektiv. Bestätigt wird er von seinen Untersuchungen: Mit 100 Studenten testete er komplizierte und einfache Lernmethoden. Am Ende steht ein Satz, der bereits von den Usability-Anhängern viel zitiert wird: Keep it simple.
Dennoch ist Auswendiglernen wirklich das Non-Plus-Ultra. Beispielsweise ist es sinnvoll, dass Schüler im Geografie-Unterricht die Hauptstädte Europas auswendig lernen. Zuvor müssen die Schüler allerdings eine Vorstellung vom Begriff „Europa“ erworben haben.
Müssen sich Schüler hingegen einem ganz neuen Thema nähern, dann sind wiederum andere Methoden geeignet. Eine hier empfehlenswerte Methode sind sogenannte Concept Maps. Diese bilden eine Art Begriffslandkarte und helfen, vielschichtige Themen zu verstehen. Neue Begriffe, die mit dem Thema in Verbindung stehen, werden mit Pfeilen verbunden und helfen so, die Gedanken besser zu strukturieren.

Viele Pädagogen schwören auf Concept Maps. Deswegen verglich Karpicke diese Methode mit dem simplen Auswendiglernen. Seine College-Studenten hatten in zwei Experimenten die Aufgabe, wissenschaftliche Texte zu lesen. In einem anschließenden Test sollten sie so viel möglich von dem Inhalt wiedergeben. Beim ersten Artikel war eine Teilaufgabe, vom Text eine Concept Map zu erstellen. Beim zweiten Text hieß der Auftrag, sich den Inhalt durch Wiederholung einzuprägen. Im Vorfeld konnten die Studenten vermuten, welche Methode besser abschneiden würde. Viele favorisierten die Concept Maps und waren der Meinung, dass sie dadurch effektiver lernen könnten. Das Ergebnis allerdings zeigte, dass sie mehr vom Inhalt wiedergeben konnten, wenn sie ihn einfach wiederholt hatten. Überraschenderweise beschränken sich die Ergebnisse auch nicht nur auf das Kurzzeitgedächtnis. Denn nach einer Woche mussten die Studenten zu einem weiteren Test antreten. Auch hier vermochten sie sich besser an Inhalt und Details des Textes erinnern, bei dem als Anforderung die Wiederholung gestellt wurde.

Wer nun allerdings den Schlüssel zum Erfolg einzig und allein im stupiden Auswendiglernen sieht, befindet sich wiederum auf den Holzweg. Es gibt in der Pädagogik nicht die perfekte Methode, die für jedes Individuum und jedes Lernproblem passt. Aber es gibt für jede Anforderung dennoch die richtige Methode. Irgendeine davon pauschal an den Pranger zu stellen, wie das in den letzten Jahren beim Auswendiglernen und dem Frontalunterricht geschah, ist falsch. Denn wie sich ein Schüler letztlich die Hauptstädte Europas merkt, ist abhängig davon, wie er die neuen Fakten in sein bisheriges Wissen „einwebt“.

Unser Wissen bildet ein Wissensnetz

Um das vorhandene Wissen ins unserem Kopf zu beschreiben, dafür eignet sich die Metapher eines Netzwerkes am besten. Neue Begriffe ordnen wir bereits bekannten Merkmalen und Beispielen zu und setzen sie so automatisch mit anderen Begriffen in eine Beziehung. Die Hauptstadt Rom könnte so als Merkmal „warm“ erhalten. Damit bekommt sie eine Verbindung zum letzten Urlaub. Allerdings gibt es bereits weitere Begriffe wie Paris, London und Berlin, die ebenfalls der Kategorie Hauptstadt zugeordnet sind. Und bei Rom liegt die Verbindung zum Eiscafe um die Ecke nahe – denn es heißt wie sein Besitzer: Römer. Dieser ist genauso korpulent wie Obelix, der mit seinem Freund Asterix nicht zu ließ, dass ganz Gallien von den Römern besetzt wurde.
Durch diese Assoziationskette ist der Begriff Rom fest im vorhandenen Wissensnetz eingewoben und fest verankert worden. Hier gilt die Grundregel: Je mehr man zu einem Begriff weiß, desto mehr Verbindungen können geknüpft werden und umso stabiler wird das Wissen. Dies ist ein Garant dafür, dass das Wissen lange behalten wird.
Kindern und Jugendlichen fällt es besonders leicht, neue Wissensverbindungen zu knüpfen – also Neues zu lernen. Noch leichter wird die ganze Geschichte, wenn sie darin sogar noch einen Sinn sehen und/oder es Spaß macht. Deswegen lernt man beim Hobby in kurzer Zeit womöglich mehr als bei den Hausaufgaben. Lerntrainer empfehlen daher, sich auch bei augenscheinlich sinnlosen Hausaufgaben zu fragen: Was bringt mir dieses neue Wissen in meinem Alltag? Wenn ich jetzt die englischen Vokabeln lerne, dann kann ich mich beim nächsten Urlaub in der Fremde besser verständigen … So einfach lässt sich der innere Schweinehund überlisten. Übrigens ... Wer kapiert hat, dass er nicht für die Schule lernt sondern fürs Leben, dem stehen alle Türen in der Welt des Wissens offen.

Wer sich stärker für das Thema Lernen, Gedächtnis und Wissensaneignung interessiert, der steige an diesen Stelle tiefer auf H[AGE] ein.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Montag, 13. Februar 2012 um 21:08 Uhr )
 

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