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Google Art Project = Google Street-View für Alte Meister

Google Art Project = Google Street-View für Alte Meister (Wordle)Man kann von Google als Datenkrake halten was man möchte, aber hin und wieder hat der Internet-Gigant aus Mountain-View durchaus altruistische Züge. Seit dieser Woche ist es ganz offiziell: Google sammelt ab sofort auch Kunst. Die Kunstsammler dieser Welt müssen jetzt aber nicht anfangen, mit den Zähnen zu klappern. Google bringt Street View quasi in die Museen. Mit dem Google Art Project stellt die Suchmaschine virtuelle Rundgänge durch weltberühmte Museen bereit. Dafür hat der Konzern mit der Streetview-Technik in 17 Museen fotografiert. Insgesamt können mehr als 1000 Fotos von Gemälden und Objekten betrachtet werden. Vor dem Hintergrund der Zerstörungen, die der Aufstand in Ägypten in den Museen in Kairo angerichtet hat, ist dies eine wirklich feine Sache, da die Meisterwerke so digital konserviert werden.

Allerdings birgt die Meldung für sämtliche Kunst-Leistungskurse eine schlechte Nachricht. Wer darauf spekuliert hat, mit dem Kunstkurs eine Studienfahrt zu den Uffizien in Florenz (Italien) zu unternehmen, wird enttäuscht. Die Studienfahrt kann jetzt von den Schulämtern einfach abgelehnt werden, weil sie überflüssig geworden ist. Die Museumstour kann genauso gut vom heimischen Rechner aus unternommen werden – virtuell halt und mit Google. Der Suchmaschinengigant hat für das Art Project die Ausstellungsräume mit der bei Google Streetview erprobten Kameratechnik abfotografiert. Sandro Botticellis „Die Geburt der Venus“ kann so hochaufgelöst auch vom Wohn- oder Klassenzimmer aus betrachtet werden.

Virtuelle Rundgänge in 17 weltbekannten Museen

Zum Start lassen sich im Google Art Project zunächst 17 bekannte Museen besuchen. Darunter befinden sich so namhafte Institutionen wie die Alte Nationalgalerie in Berlin oder die Eremitage in St. Petersburg. Die Techniker von Google digitalisierten insgesamt 385 Räume durch die Street-View-Technik. Allerdings eignet sich das Verfahren zunächst nur für einen ersten Eindruck. Die Aufnahmen sind recht pixelig, was beim Heranzoomen von Bildern dazu führt, dass sie verschwimmen. Außerdem kommt es oftmals zu Lichtreflexionen, die stören.

Um dieses Manko zu kompensieren, stellten die Museen eine Auswahl digitaler Reproduktionen bereit. Diese wurden von Google in den Museums-Browser integriert. Insgesamt lassen sich über 1000 Kunstwerke in sehr viel besserer Qualität betrachten. Unter den virtuellen Exponaten befinden sich Gemälde von van Gogh, Monet oder Rubens. Insgesamt lassen sich die Werke von mehr als 480 Künstlern bewundern – ohne den dicken Goldrahmen außen rum. Auch die strenge Aufsicht und die Taschenabgabe am Einlass entfallen.
Google hat außerdem pro Museum je ein Gemälde mit einer riesigen Auflösung fotografiert. Sieben Milliarden Pixel lassen feinste Details zu Tage treten. Bei den 17 Kunstwerken sind kleinste Pinselstriche und filigrane Texturen erkennbar. Das Ölgemälde „Der Kaufmann Georg Gisze“ von Hans Holbein stammt aus dem 15. Jahrhundert. Es gibt feinste Risse. Dank Googles Kameratechnik wirken diese als hätte ein Bagger Ackerfurchen gezogen.

Das Video gibt einen Einblick hinter die Kulissen des Google Art Projects

Google möchte den echten Museen eigentlich keine Konkurrenz machen. Die Komposition aus Vorschaubildern und genauen Reproduktionen soll den Kunstinteressierten Geschmack auf die Originale machen und sie dazu animieren, den altehrwürdigen Institutionen zu besuchen. Laut Eintrag auf dem Google-Blog soll das Art Project von Google Mitarbeitern initiiert worden sein, die darauf ihre Kreativzeit verwendeten. Unter Kreativzeit versteht Google 20 Prozent der Arbeitszeit, die zur Weiterentwicklung und Verwirklichung eigener Ideen zur Verfügung steht.
Das virtuelle Museumserlebnis ist werbefrei und es lässt sich über eine klar strukturierte, simple Oberfläche navigieren. Zu den verzeichneten Kunstwerken lassen sich darüber hinaus noch zusätzliche Informationen abrufen. Diese stehen derzeit allerdings nur in Englisch zur Verfügung. Außerdem verlinkt Google die Katalogseiten der Museen. Dem Nutzer drängt sich förmlich die Frage auf, warum noch nicht alle Museen ihre Sammlungen in dieser Form öffentlich gemacht haben.
Viele Museen zögern dafür, ihre Sammlungen öffentlich im Netz zu präsentieren. An vielen Stellen fehlt das Geld für die dafür notwendigen Arbeiten. Aber oftmals befürchten Museen um ihr Geschäft mit Lizenzen, Eintrittskarten und Postkarten. Bislang zeigen viele Auftritte lediglich eine Auswahl kleiner Thumbnails und die aktuellen Öffnungszeiten.

Digitalisierung: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Doch einige Vorzeigeprojekte beweisen, dass die Digitalisierung zwar langsam voranschreitet aber es gibt eine Entwicklung. Und sie zeigen, dass man nicht auf Google angewiesen ist. So wurde im November der Webauftritt der Pinakotheken in München gerelauchned. Auch sie bieten jetzt einen virtuellen Rundgang an, bei dem sich einige Gemälde auch vergrößert darstellen lassen. Ein absoluter Vorreiter in punkto Digitalisierung ist das Brooklyn Museum in New York. Dort startete man 2008 damit, die Schätze zu digitalisieren. Anfänglich waren es ca. 5000 Objekte. Nun können bereits 94.000 Werke aus dem Museum weltweit über das Internet betrachtet werden.
Dass die Digitalisierung der Bestände eine Mammutaufgabe ist, wird deutlich, wenn man sich die Dimensionen vor Augen hält. So haben die staatlichen Museen in Berlin, zu denen übrigens auch die Alte Nationalgalerie gehört, über vier Millionen Objekte. Derzeit ist es möglich, Daten von 80.000 über das Netz abzurufen. Bis Ende des Jahres möchte man die Grenze von 100.000 erreichen. Sie sollen als Teil der europäischen Online-Bibliothek Europeana administriert werden. Die Europäische Union rief dieses Projekt im Jahre 2008 ins Leben, um eine Alternative zur Buchsuche einer großen Suchmaschine zu schaffen. Sie ahnen bereits, worauf das hinausläuft? Letztlich soll Europeana Google Konkurrenz machen und die Berliner möchten 800.000 Datensätze beisteuern.

Im Moment wirken die 17 Aufnahmen von Google sowie die 1000 von den Museen zur Verfügung gestellten Bilder wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Es ist nicht viel mehr als eine nette Spielerei, die zeigen soll, was man technisch auf dem Kasten hat. Wer so denkt, hat die Rechnung höchstwahrscheinlich ohne Google gemacht. Aus solchen vermeintlichen Spielereien werden bei dem Konzern oftmals vielgenutzte Dienste, die schon ganze Branchen gehörig umkrempelten. Viele Kunstliebhaber dürfen daher hoffen, dass die virtuellen Museumsrundgänge weiter ausgebaut werden und dass sich entsprechend viele Nachahmer finden. Vielleicht wird eines Tages so auch der Louvre zu dieser illustren Runde dazustoßen.

Vollständige Liste der momentan im Google Art Project verfügbaren Museen

 

Linkliste zu den vorgestellten Diensten

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Samstag, 11. Februar 2012 um 14:39 Uhr )
 

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