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Out of Africa: Machte sich der moderne Mensch sehr viel früher auf?

Out of Africa: Machte sich der moderne Mensch sehr viel früher auf? (Wordle) Wann verließ der moderne Mensch den afrikanischen Kontinent tatsächlich? Nun fanden Forscher am Persischen Golf weitere Puzzleteile, die das Bild vervollständigen. In Arabien wurden jetzt Werkzeuge ausgegraben, die bis zu 125.000 Jahre alt sein können. Sie könnten beweisen, dass unsere Vorfahren die Eroberung des Planeten viel früher antraten als man bislang dachte. Aus diesem Grund sprechen viele Quellen auch von einem Sensationsfund.

Eigentlich ganz unspektakulär sehen die Kalkhügel von Dschebel Faya (auch Jebel Faya geschrieben) aus. Ein aufregender Ort ist etwas anderes. Es gibt dort nichts – außer Staub. In diesem Teil der Vereinigten Arabischen Emirate gibt es keine Bäume, kein Gras und auch keine Gewässer. Doch einst gab es dort all das, was man für eine solide Lebensgrundlage benötigt. Menschen lebten in Dschebel Faya und sie hinterließen Spuren. Diese sorgen heute für Aufregung unter den Wissenschaftlern.
Der Tübinger Archäologe Hans-Peter Uerpmann leitete ein internationales Forscherteam, das am nordöstlichen Ende der Dschebel-Faya-Hügelkette an einer geschützten Stelle unterhalb eines Felsvorsprungs grub und diverse Steinwerkzeuge fand. Vermutungen legen nahe, dass die gefundenen Beile, Messer und Schaber wahrscheinlich die ältesten Beweisstücke sind, die eine Existenz des Homo sapiens sapiens außerhalb von Afrika belegen.

Anhand von Veränderungen in der Kristallstruktur der Sandkörner war es den Experten möglich, zu messen, wie viel Zeit am Fundort vergangen ist seitdem sich die Sedimentschichten dort ablagerten. Demnach sind vor mehr als 125.000 Jahren die ältesten Fundstücke dort abgelegt worden. Sollte das stimmen, was die Forscher im Wissenschaftsmagazin Science berichten, so hätte der moderne Mensch Afrika rund 60.000 Jahre eher verlassen als es bisher in den Lehrbüchern steht.
Bislang ging man davon aus, dass der Homo sapiens seinen Siegeszug rund um den Globus von Afrika aus vor ca. 65.000 Jahren startete. Doch nun zeichnet sich ein anderes Bild ab. Da im fraglichen Zeitraum die Klimaverhältnisse schwankten, bot sich unseren Vorfahren bereits viel eher die Gelegenheit, in neue Lebensräume aufzubrechen. Erst durch das Nutzen der günstigen Umweltbedingungen konnten die Menschen aus Afrika auswandern.

Die bislang ältesten Überreste des Homo sapiens außerhalb Afrikas stammen aus den Höhlen von Qafzeh und Skuhl in Israel

Bislang waren die Fossilien des modernen Menschen aus den Höhlen von Qafzeh und Skuhl in Israel die ältesten Spuren des Homo sapiens außerhalb von Afrika. Diese Knochenreste wurden auf ein Alter von etwa 100.000 Jahren datiert. Belege für eine dauerhafte Besiedlung der Region im fraglichen Zeitraum gab es bislang nicht. Auch fehlten Hinweise darauf, dass die frühen Auswanderer weiter als bis zum Nahen Osten kamen. Viele Fachleute meinen, dass die vor rund 90.000 Jahren einsetzende Kälte- und Trockenperiode dafür mitverantwortlich gewesen sein könnte, denn sie muss den wärmegewohnten Einwanderern das Leben schwer gemacht haben.
In Südostarabien allerdings zeichnet sich ein anderes Bild. Vor ca. 130.000 Jahren lag der Meeresspiegel etwa 100 Meter unterhalb des heutigen Niveaus. Der Eingang zum Roten Meer – die sogenannte Straße von Bab al Mandab – war damals extrem schmal. Möglicherweise war sie nur einen Kilometer breit. Dies dürfte für die Urmenschen kein großes Hindernis gewesen sein, um in Richtung arabische Halbinsel aufzubrechen. Das heute unwirtliche Gebiet muss damals paradiesische Bedingungen geboten haben. So gab es im heutigen Jemen eine Savannen-Landschaft, die dem zweibeinigen Jägern genug Wild bot. Zwischen 135.000 Jahren und 120.000 Jahren gab es in Südarabien einen kräftigen Monsun-Regen, der außergewöhnlich viele Niederschläge brachte. Diese sorgten dafür, dass der Weg nach Norden nicht von Wüstengebieten versperrt wurde.

Frühe Migration des Menschen (Bildquelle: Wikipedia)

Weltkarte der Wanderungsbewegung des Homo sapiens mit dem Nordpol in der Mitte.
Die Zahlen rechts repräsentieren die Jahrtausende vor heute.
Die Buchstaben stehen für bestimmte Typen von mitochondrialer DNS
Links oben Afrika (L, L1, L2, L3, L3), Naher Osten (J, N), Südeuropa (H, V), Nordeuropa (T, U, X),
Asien (A, B, C, D, E, F, G, M ist zusammengesetzt aus C, D, E und G) und Nord- und Südamerika (A, B, C, D und manchmal X)

Als die ersten modernen Menschen in die Region von Dschebel Faya einwanderten, mussten sie geglaubt haben, in einem steinzeitlichen Schlaraffenland angekommen zu sein. Zu dieser Zeit gab es den Persischen Golf noch gar nicht. Es floss allerdings der gemeinsame Urstrom von Euphrat und Tigris dort entlang. Dieser Urstrom mündete im Bereich der heutigen Straße von Hormus in den Indischen Ozean. Uerpmann mit seinen Kollegen vermutet, dass es rund um Dschebel Faya ein überaus reiches Nahrungsangebot und zahlreiche Süßwasserquellen gegeben haben muss.
Dennoch glauben die Wissenschaftler nicht, dass die ersten Siedler ursprünglich dem Fluss folgten und so aus Nordwesten kamen. Hinsichtlich der Bearbeitungstechniken weisen die ältesten ausgegrabenen Steinwerkzeuge eher Ähnlichkeiten mit Funden aus Ostafrika als mit Funden aus dem Nahen Osten auf.
Es gibt allerdings auch Fundstücke, die nur 40.000 Jahre alt seien. Diese scheinen eigenständig in der Region Dschebel Faya entwickelt worden sein. Möglicherweise waren solche technischen Fortschritte auch mit verantwortlich für die weitere Ausbreitung des modernen Menschen in Südarabien.

Ausbreitung des modernen Menschen über Südarabien

Die gemachten Entdeckungen kann man nur als Glücksfall bezeichnen. Ursprünglich untersuchte Uerpmann mit seiner Frau in den 1990er Jahren in Dschebel Faya einen neolithischen Friedhof. Dabei fielen den beiden zahlreiche jungsteinzeitliche Fundstücke auf, die überall nahe an der Erdoberfläche lagen. Wind und Regengüsse hatten im Laufe der Jahre die Sedimente abgetragen – überall bis auf eine besonders geschützte Stelle. Und genau dort grub das Expeditionsteam. Uerpmann kannte die Stelle schon lange, denn er hat dort oft im Schatten des Felsüberhangs gepicknickt. Dennoch hat er nicht für möglich gehalten, was sie dort schon bald fanden. Je tiefer man vordrang, desto älter und spannender wurde das gefundene Material. Mit 125.000 Jahren halten die Werkzeuge von Dschebel Faya derzeit den Rekord für den Nachweis des modernen Menschen außerhalb von Afrika. Israelische Forscher präsentierten zwar vor kurzem angeblich 400.000 Jahre alte Zähne, die angeblich vom Homo sapiens stammten und in einer israelischen Höhle gefunden wurden. Jedoch wurden die Funde mit großer Skepsis von der restlichen Wissenschaftsgemeinde aufgenommen. Sie müssen zunächst noch ihr Alter und ihre Abstammung beweisen.

Die Grabungen von Uerpmann zeigen allerdings auch, dass die Hügel von Dschebel-Faya nicht ständig bewohnt wurden. In mehreren Schichten gab es keine Spuren des menschlichen Wirkens. In einem solchen Fall sprechen die Wissenschaftler von „archäoligsch steril“. In Südarabien gab es während der Eiszeiten Jahrtausende anhaltende Dürreperioden. Diese könnten dafür verantwortlich gewesen sein, dass sich die Urmenschen zurückziehen mussten, da sie keine Lebensgrundlage mehr fanden. Möglicherweise zogen einige von ihnen weiter nach Norden und besiedelten langsam aber stetig Asien. Andere wiederum könnten in das Urstrom-Tal von Euphrat und Tigris eingewandert sein und dort ausgeharrt haben. Ihre Nachkommen kehrten dann später – als wieder genügend Regen fiel – zurück nach Dschebel Faya.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 11. Februar 2012 um 14:03 Uhr )
 

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