Zufallskarte

Vogelbeere
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Probleme mit der Achillessehne: War der Neandertaler eine lahme Ente beim Rennen?

War der Neandertaler eine lahme Ente beim Rennen? (Wordle) Die gute Achillessehne bereitete schon so manchem heutigen Sportler arge Probleme. Vielleicht ist es für diese ein kleiner Trost, dass bereits die Neandertaler ähnliche Zipperlein hatten. Doch für die Urmenschen könnte der Ärger mit der Achillessehne sogar eine existenzielle Bedrohung gewesen sein.

Forscher wollten neue Erkenntnisse über das Zusammenleben von Menschen und Neandertalern erfahren. Es ist beispielsweise denkbar, dass Homo sapiens in der Altsteinzeit Jagd auf seinen Vetter gemacht hat? Vielleicht trafen sich die beiden Menschenarten auch zu dem einen oder anderen Techtelmechtel? Letzteres ist sehr wahrscheinlich wie die Erbgutanalyse zeigte. Doch eine Frage treibt die Wissenschaftler besonders um: Wie und warum konnten sich unsere Vorfahren gegenüber den Neandertalern durchsetzen?

Diese Frage konnte bislang nicht hinreichend beantwortet werden. Nicht dass es an Hypothesen mangeln würde … so ist es ja nicht. Allerdings wird eine eindeutige Beweisführung durch die vergangenen Jahrtausende deutlich erschwert. Doch so nach und nach finden Forscher Antworten auf einzelne Puzzleteile. So konnte erst vor kurzem belegt werden, dass der Neandertaler und der moderne Mensch in etwa dieselbe Lebenserwartung hatten als sie sich einen Lebensraum miteinander teilten.
Jetzt gibt es eine neue Vermutung, wieso der Homo sapiens das Rennen gemacht haben könnte. Dies ist kein Wortspiel sondern die eigentliche These. Scheinbar war unser menschlicher Cousin ein miserabler Läufer. US-Forscher meinen, dies aus dem Vergleich der Fußanatomie vom modernen Mensch mit Neandertaler-Fossilien schlussfolgern zu können.

Achillessehne ein Handicap für den Neandertaler

Der Neandertaler hatte offensichtlich eine Achillessehne, die nicht besonders belastbar gewesen sein könnte und dies wird ihm schwer zu schaffen gemacht haben.
Bei der Jagd über kurze Distanzen wie in Waldgebieten dürfte er von diesem Handicap noch nicht viel gespürt haben. Als sich die Wälder während der Eiszeit zurückzogen und an ihrer Stelle sich die offene Tundra ausbreitete, hatte der moderne Mensch wahrscheinlich einen Vorteil. Sein Laufstil war effizienter und energiesparender als der des Neandertaler. Wie die Anthropologen von der University of Arizona (USA) im „Journal of Human Evolution“ schreiben, könnte dies der ausschlaggebende Nachteil gewesen sein. David Raichlen und sein Team lieferten nun den Beweis für die Spekulationen, dass der Neandertaler womöglich schlecht zu Fuß war. Das Wissenschaftler-Team analysierte mit Hilfe von Probanden den Energieverbrauch auf dem Laufband. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden mit Ergebnissen der Untersuchung der Fußanatomie verglichen. Hierbei zeigte sich, dass eine kurze Achillessehne sehr praktisch sein kann.
Die Forscher sind der Ansicht, dass sie besser elastische Dehnungsenergie speichern und wieder freisetzen kann. So sinkt der Energieverbrauch beim Laufen. In der Tundra bedeutete dies, dass die Jäger längere Strecken durchhalten konnten.

Bei den Fußgelenken von Neandertalern entdeckten die Experten einen auffallenden Unterschied zum modernen Menschen. Die Urmenschen hatten vermutlich eine längere Achillessehne als wir, was zur Folge hätte, dass die Neandertaler weniger ausdauern waren. Selbst beim Kurzstreckenlauf benötigten sie mehr Energie.

Doch wie konnte sich dieser Unterschied überhaupt entwickeln? Auch für diese Frage hat Raichlen eine Vermutung. Möglicherweise begünstigten unterschiedliche Jagdweisen der beiden Gruppen diese Unterschiede in der Fußanatomie. Ursprünglich stammte Homo sapiens auf den Savannen Afrikas. Dort war er darauf angewiesen, bei der Jagd große Distanzen in warmen Klima zu überwinden. Der Neandertaler lebte und jagte in den Waldgebieten im Norden. Dort lauerte er der Beute im Hinterhalt auf und erlegte sich dann auf kurzen Distanzen.

Neandertaler-Jäger keine Marathon-Läufer

Es ist durch Funde belegt, dass die Wälder Europas sich vor 50.000 Jahren zurückzogen. Dem an die Jagd in Graslandschaften besser angepassten modernen Menschen kam die Ausbreitung der Tundra entgegen. Sie waren mit ihrem energiesparenden Laufstil besser gerüstet. Der Neandertaler, der eh schon mehr Energie für die Fortbewegung aufwenden musste, geriet so ins hintertreffen. Er musste sich womöglich in die letzten Wälder in Südeuropa zurückziehen.
Dies passt sehr gut ins bisherige Puzzle. Die letzten Spuren des Neandertalers finden sich in Südeuropa. Sie sind ca. 30.000 Jahre alt. Jüngere Zeichen gibt es nicht, denn der Neandertaler verschwand plötzlich.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 11. Februar 2012 um 13:47 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)