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Spielecomics: Neue Erzählstruktur für Comics durch unendliche Leinwand

Spielecomics: Neue Erzählstruktur für Comics durch unendliche Leindwand (Wordle) Mit der Wormworld Saga hat Grafiker Daniel Lieske eine neue Form des Webcomics geschaffen. Im neuen Comic-Format versucht er, die Strukturen von Videospielen aufzugreifen.

Am Anfang ist das Browser-Fenster. Es zeigt das Bild einer kleinen Pflanze. Fängt man nun an zu scrollen, so tut sich ein blauer Himmel auf, an dem Wolken und Flugzeuge vorüberziehen. Dann kommt ein Dickicht. Mit dem Mausrad kann der Leser bzw. Betrachter das Buschwerk durchbrechen und sieht die Michael-Ende-Grundschule. Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien. So in etwa lässt sich der Beginn des ersten Kapitels der Wormworld-Saga beschreiben. Wer jetzt neugierig geworden ist, der sei entschuldigt. Er darf hier klicken und sich so mittenhinein in das Abenteuer beamen.

Der Comic von Lieska zieht den Leser scrollend in eine genauso traumhafte wie spannende Welt hinein. Und so nähert man sich immer weiter Jonas. Jonas ist der Protagonist, der als Halbweise im Landhaus seiner Oma lebt. Ähnlich wie Alice im Wunderland – nur diesmal durch ein Gemälde - betritt er eine völlig andere Welt.
Ins erste Kapitel kann online kostenlos hineingeschnuppert werden. Mehr als 150.000 Leser nutzten das Angebot bereits. Sowohl Comic-Autoren als auch Magazine (wie z. B. Spiegel Online oder Wired) sind begeistert. Dabei kommt Daniel Lieske eigentlich nicht aus der Comic-Ecke. Er ist vielmehr Grafiker bei Gaming Minds in Gütersloh und entwickelt dort mit neue Spiele.

Neue Erzählstrukturen durch das Durchbrechen des Doppel-Seiten-Rhythmus'

Mit der Wormworld Saga zeigt er, dass sich Comics der Erzählstruktur von Videospielern annähern können. Von Webcomics wurde der Scroll-Ansatz bislang nur selten angewandt. Der Autor von „Comics richtig lesen“, Scott McCloud, sieht in dem Konzept der „Infinite Canvas“  großes Potential und spricht in diesem Zusammenhang gerne von einer Revolution des Erzählens. Auch Lieske sieht, dass man durch das Scrollen Comics auf ideale Art präsentieren kann. Normalerweise bekommen Comic-Zeichner in den Grundlagenkursen eingebläut, dass sie immer in Doppelseiten denken sollten. Damit wird ihnen fast zwangsweise ein bestimmter Erzählrhythmus aufgezwungen. Lieske vergleicht dies bildlich mit dem Zwang für Musiker, immer nur im Walzertakt zu komponieren. Der Ansatz der Infinite Canvas befreit den Comic-Zeichner von den üblichen Konventionen. Vielmehr kann er nun die Struktur und das Feeling des Videospielens im Comic verarbeiten. Typisch für Video-Games ist beispielsweise, dass der Held, um das Ziel zu erreichen, bestimmte Quests zu bestehen und Items zu beschaffen hat.

Bislang hatten Webcomics mit Spielbezug eher den Charakter von Persiflagen und nahmen satirisch das Spielgenre aufs Korn. In diese Kategorie fällt beispielsweise Brian Clevingers „8-Bit Theater“. Hier werden die Helden aus „Final Fantasy“ zu Stars in einer Odyssee. Clevinger zeigt mit seiner Parodie allerdings auch die Inkonsistenz und die zum Teil unfreiwillige Komik von japanischen Rollenspielen auf.
Ein weiterer Comic namens „Order Of The Stick“ von Rich Burlews knöpft sich die Ungereimtheiten von Pen-and-Paper-Rollenspielen vor. Die beiden Comics sind sicherlich ungewöhnlich. Allerdings lesen sie sich nicht wie ein Spiel. Sie sind vielmehr ein humorvoller Rückblick auf alte Games. Da ist Wormworld bereits einen deutlichen Schritt weiter. Durch die Infinite-Canvas-Technik erinnert der Comic-Anfang an den langsamen Einstieg in eine Odyssee aus einem japanischen Rollenspiel. Die vorkommenen Helden und Monster rufen Erinnerungen an Spieleklassiker wie Zelda wach. Jedoch erst in den nächsten Kapiteln zeigt sich, ob Jonas gegen den Feuerritter eine Chance hat und welche Rolle bei seiner Mission die Drachensiegel spielen werden. Und wie im richtigen Spiel ist der Leser so vom Comic gefesselt, dass ihn das Kapitelende jäh unterbricht und er die Fortsetzung kaum erwarten kann.

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Quellen:

Aktualisiert ( Samstag, 11. Februar 2012 um 13:38 Uhr )
 

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