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Wie Harrison Ford in „Auf der Flucht“: Isolierte Naturvölker im Amazonas Regenwald

Wie Harrison Ford in „Auf der Flucht“: Isolierte Naturvölker im Amazonas Regenwald (Wordle) Geschätzt sind es bis zu 60 Gruppen von Ureinwohnern im Amazonas Gebiet, denen es gelang, sich erfolgreich von der Zivilisation abzuschirmen. Mit dem Eintreffen der ersten Europäer wird ihre Kultur seit Jahrhunderten bedroht.
Jetzt gelangen Aufnahmen, die einen flüchtigen Blick auf eine längst verschwunden geglaubte Zeit erlauben. Mit einem Mal bekommen die sogenannten „Wilden“ ein Gesicht.

Ein Flugzeug erkundete im Tiefflug den brasilianischen Regenwald. Auf einer kleinen Lichtung entdecken die Insassen Hütten mit Blätterdächern. Daneben sitzt eine Gruppe von Ureinwohnern. Geistesgegenwärtig betätigt der Fotograf den Kameraauslöser und hält so die Reaktionen der Menschen auf das Ungetüm am Himmel fest. Viele von ihnen wissen nicht, wie ihnen geschieht. Auf den Bildern sind erschrockene Gesichter zu sehen, aber auch kämpferische und neugierige. Einige starren gebannt auf diese unbekannte, brüllende Bestie.

Es lässt sich letztlich nicht mehr bestimmen, zu welchem Volk diese Menschen gehören. Aber dies ist auch nicht so wichtig, wie die Vertreter der Menschenrechtsorganisation Survival International betonen. Survival mit Sitz in London (Großbritannien) bekam die Fotos von der brasilianischen Indianer-Behörde Funai. Durch die jetzt veröffentlichten Fotos bekommen die letzten Ureinwohner Südamerikas ein Gesicht. Nur so können die beiden Organisationen auf die Gefahren für diese Völker aufmerksam machen und ihren Schutz anmahnen.

Bilder aus einer längst entschwundenen Zeit

Auf den Bildern sind sowohl Kinder als auch Erwachsene zu sehen. Die Erwachsenen tragen einen Lendenschurz. Die Körper sind bemalt. Manche mit rot, andere wiederum mit schwarz. Die Menschen scheinen gesund zu sein. Sie haben zu Essen. Der Urwald versorgt sie mit frischem Maniok und Papayas. Alles in allem ergeht es ihnen damit deutlich besser als den vielen Indianern, die am Rande südamerikanischer Metropolen in  größter Armut leben und oftmals nur noch vor sich hinvegetieren.

"Ein Bild von ihnen hinterlässt einen größeren Eindruck als 1000 Fotos" (Video der Survival-Kampagne)

Doch die Bilder zeigen auch die potentielle Bedrohung. So sind auf den Fotos unter anderem ein industriell hergestellter Kochtopf sowie eine Machete deutlich erkennbar. Möglicherweise wurden diese beiden Gegenstände bei anderen Indianern eingetauscht. Vielleicht haben die Ureinwohner diese auch bei ihren Streifzügen im Urwald gefunden.

Vertreter der Menschrechtsorganisation Survival erklären ebenfalls, dass es relativ viele Gruppen gäbe, die hin und wieder sporadischen Kontakt mit der Außenwelt hätten. Sie würden diese Kontakte allerdings so weit wie möglich vermeiden, da es mit Fremden schlechte Erfahrungen gab und sie daraus gelernt hätten. Die Geschichte der Ureinwohner Lateinamerikas hat nichts mit den romantischen Telenovelas zu tun, die dort so populär sind. Sie ist hart, für alle Beteiligten wenig ruhmreich und grausam. Die südamerikanische Urbevölkerung wurde von den europäischen Einwanderern versklavt und teilweise bewusst ausgerottet bzw. durch Krankheiten und Seuchen dahingerafft.
Selbst die Bewohner in entlegenen Gebieten wie dem Amazonas-Regenwald, der sich über Brasilien, Peru, Bolivien und Ecuador erstreckt wurden grausam niedergemetzelt oder starben an eingeschleppten Krankheiten. Im 19. Jahrhunderte fielen schätzungsweise 90 % der dort lebenden Ureinwohnern diesen Katastrophen zum Opfer. Schuld daran war vor allem der Rohstoffhunger. Damals war es der Kautschuk. Heute sind es edle Tropenhölzer oder Bodenschätze.
Jedoch wurden die traumatischen Erfahrungen von den Überlebenden von Generation zu Generation weitergegeben.

Für isolierte Ureinwohner: Sehr reale Bedrohung durch illegale Holzfäller und Ölsucher

Heute droht den verbliebenen Indianern vor allem Gefahr von illegalen Holzfällern. Diese wüten im peruanischen Amazonasgebiet. Die brasilianischen Behörden warnen davor, dass es zur Vertreibung der Ureinwohner aus Peru kommt und diese über die Grenze nach Brasilien fliehen könnten. Dort wäre es möglich, dass die Gruppen untereinander aneinander geraten.
Survival fordert daher, dass die peruanische Regierung gegen die illegalen Holzfäller hart vorgeht.

Mittlerweile hat sogar der peruanische Umweltminister Antonio Brack die Gefahr, die von kriminellen Holzfällern und Ölsuchern für die Indianer ausgeht, erkannt. Doch er legt den Finger in eine offene Wunde. Er mahnt an, dass auch das Ausland in der Pflicht ist. Gäbe es nämlich auf dem internationalen Markt keine Käufer für Holz, das durch Raubbau am Regenwald gewonnen wird, so hätte der illegale Holzeinschlag keine Basis mehr.
Als Beispiel führt er das in die Niederlande importierte Holz an. Davon würden 26 % nicht aus Wäldern stammen, die nachhaltig und kontrolliert bewirtschaftet werden. Brack lobte daher die Auflage der Europäischen Union, dass ab sofort nur noch solches Holz eingeführt werden dürfte, das nachweislich aus nachhaltig genutzten Wäldern stammt.

Doch noch immer geht es im Regenwald zu wie im Wilden Westen und genau diese Wildwest-Mentalität gefährdet die Ureinwohner. Der peruanische Kulturminister Juan Ossio fordert daher, Ordnung im Urwald zu schaffen. Es müssten Schutzgebiete für die Indianer geschaffen werden, die freiwillig in der gewählten Isolation leben. Diese Gebiete benötigen einen rigorosen Schutz vor ungewünschten Kontakten. Bis dahin ist es noch ein langer Weg. Jedoch kann Survival einen ersten Erfolg vermelden. Gemeinsam mit Funai wird das Außenministerium in Peru das Problem der illegalen Holzfäller und Ölsucher angehen und im Sinne der Ureinwohner des Regenwaldes lösen.

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Samstag, 11. Februar 2012 um 13:32 Uhr )
 

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