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Lucys Fortbewegung: Aufrechter Gang am Boden oder Klettern im Geäst?

Lucys Fortbewegung: Aufrechter Gang am Boden oder Klettern im Geäst? Welcher unserer Vorfahren hat den aufrechten Gang erfunden? Wer kann also als erster aufrecht gehender Mensch bezeichnet werden? Diese Fragen treiben Archäologen wie Anthropologen seit vielen Jahren an. Nun könnte ein in Äthiopien gefundener Mittelfußknochen den Gelehrtenstreit beenden.

Bereits vor rund 3,2 Millionen Jahren gingen unsere Vorfahren aufrecht. In dieser Zeit lebte die Spezies Australopithecus afarensis, deren berühmteste Artgenossin als Urfrau unter dem Namen „Lucy“ Geschichte schrieb. Jetzt wurde im Grabungsgebiet Hadar im Afrikanischen Grabenbruch in Äthiopien ein Mittelfußknochen gefunden, der diese These belegt. Die Form des Fußknochens ähnelt bereits ungemein stark demselben Fußknochen des modernen Menschen. Dies schreibt das Wissenschaftler-Team der Universitäten von Arizona und Missouri (USA), das den Fund genauer untersuchte, im Fachjournal Science.

Bei dem Fund handelt es sich um den vierten Mittelfußknochen. Mithilfe dieses fossilen Überrestes ist es möglich, zu klären, ob sich Lucys Art ähnlich wie Schimpansen vierbeinig fortbewegte oder bereits aufrecht ging. Der Übergang zum aufrechten Gang gilt als bedeutender Schritt in der menschlichen Evolution.
Das wichtige Corpus delicti trägt die Fundstück-Nummer AL 333-160. Es handelt sich dabei um den ersten gefundenen, komplett erhaltenen vierten Mittelfußknochen eines Inidividuums aus der Gattung Australopithecus afarensis. Dieser verbindet den vierten Zeh mit der Ferse. Das Knochenstück, aus dem die Forscher all ihre Erkenntnisse herauslesen, ist gerade einmal 6 cm lang.

Abstieg von den Bäumen durch Umbau in der Fußanatomie

Der Mittelfußknochen spielt beim Abrollen des Fußes und als Stoßdämpfer eine wichtige Rolle. Denn beim Laufen trägt das Gewicht eines Menschen die Ferse, die Fußaußenseite, die Fußballen und die Zehen. Die Fußinnenseite dagegen bildet eine Kuhle und wird nicht aufgesetzt. Das so entstehende Fußgewölbe wirkt beim Auftreten als Stoßdämpfer. Es sorgt aber auch für den federnden Gang, der sehr energiesparend ist, da wir uns kräftig vom Boden abstoßen können. Das Fußgewölbe kann sich jedoch nur ausbilden, wenn die Enden des Mittelfußknochens gegeneinander verdreht sind. Beim Homo sapiens und Australopithecus beträgt die Verdrehung 17 bis 18 Grad. Bei Schimpansen und Gorillas sind es dagegen nur 2 Grad.

Der Fund weißt eindeutig eine Bogenform des Fußes auf. Dies ist ein entscheidender Hinweis auf die Fortbewegungsweise unseres Vorfahren. Von Lucy ist leider nach 3,2 Millionen Jahren nur ein Teilskelett erhalten geblieben. Der jetzige Fund komplettiert das Puzzle, denn die Entwicklung von gebogenen Füßen war ein wichtiger Meilenstein. Dadurch konnte Australopithecus afarensis das Leben auf Bäumen hinter sich lassen und sich neuen Lebensraum auf dem Erdboden erobern. Hätten Lucy und ihre Sippe noch immer flache Füße gehabt, so hätten sie bei der Fortbewegung auf der Erde erhebliche Schwierigkeiten mit ihrem Bewegungsapparat bekommen. Für sie waren Bögen in den Füßen genauso wichtig wie für uns heute.

Natürlich haben die Forscher auch einen ganz schicken Namen für Zweibeiner, deren Körperbau perfekt an die Fortbewegung auf zwei Beinen angepasst ist. "Habituelle Bipeden" heißen sie im Fachjargon. Doch eigentlich bedeutet das nichts anderes als, dass Lucy besser laufen als klettern konnte.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 09. Februar 2012 um 21:40 Uhr )
 

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