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Computerspiel-Debatte: Abgeordnete daddeln Counterstrike auf LAN-Party im Bundestag

Computerspiel-Debatte: Abgeordnete daddeln Counterstrike auf LAN-Party im Bundestag Unsere Politiker machen derzeit einen auf Weiterbildung. Gut so! Nach dieser erfolgreichen LAN-Party steht das nächste Fortbildungsthema bereits fest: "Wie zitiere ich richtig!" Für Verteidigungsminister zu Guttenberg handelt es sich um eine Präsenzveranstaltung, der Rest kann fakultativ dazu stoßen.

Ja, Sie haben richtig gelesen, unsere Politiker trafen sich zum Daddeln im Bundestag. In Deutschland sind Computerspiele zum Teil äußerst umstritten. Deswegen luden drei Bundestagsabgeordnete zur LAN-Party ein. Sie wollten damit einen Beitrag zur Debatte über die Rolle von Computerspielen in der Gesellschaft leisten und die Diskussion über Computer-Games weg von der reinen Polemik lenken. Denn viele Politiker haben zwar eine feste Meinung zum Phänomen Computerspiele aber die wenigsten wissen wirklich, worum es geht, da sie noch nie richtig am Computer gezockt haben. Dazu gab es nun im Reichstagsgebäude reichlich Gelegenheiten und so versuchten sich gestandene Politiker an Ballerspielen, Action Adventures oder Simulationen.

Rund 50 Bundestagsabgeordneten kamen dem Aufruf zur ersten Politiker-LAN-Party nach und probierten viele Spiele einmal unvoreingenommen aus. Darüber kamen sie unter anderem mit den Initiatoren Jimmy Schulz (FDP), Dorothee Bär (CDU) und Manuel Höferlin (FDP) ins Gespräch. Diese drei Initiatoren sind der Meinung, dass man nur auf Basis von eigenen Erfahrungen eine vorurteilsfreie Debatte führen kann. Das Thema "Computerspiele gut oder schlecht" verfolgen vor allem Kinder und Jugendliche besonders aufmerksam, weil es eins ihrer Lieblingshobbies betrifft.
Leidenschaftliche Computerspieler werden oftmals von Politik, Medien und Öffentlichkeit mit einer Art Stigma versehen. Verstärkt schiefe Blicke gibt es immer nach einer Bluttat. So wurden die Amokläufe von Winnenden und Erfurt immer wieder mit Egoshootern in Verbindung gebracht. Das exzessive Killerspiel-Zocken der Täter hätte die Hemmschwelle herabgesetzt … usw. Egoshooter sind deshalb in Verruf geraten. Begründet wird ihre angebliche Wirkung damit, dass der Spieler eine realitätsnahe Perspektive einnimmt, dabei durch Gänge und Räume läuft mit dem Ziel, so viele virtuelle Gegner zu erschießen wie möglich.

Nach Amokläufen wir meistens der Ruf nach einem Killerspiel-Verbot laut

Im Reichstag wurde allerdings nur auf Fraktionsebene herumgeballert. Doch das auch deutlich gedämpfter als auf gewöhnlichen LAN-Parties.
Die Politiker bekamen natürlich auch Nachhilfe von echten Profis. So zeigte Fabian Riegsinger sein Können. Im Shooter Counterstrike spielt er online in der Electronic Sports League (ESL). Hier wird nicht nur um Ruhm und Ehre gekämpft. Es gibt auch Geldpreise zu gewinnen. Die LAN-Party im Bundestag sieht der 21 Jährige aus Hessen als eine großartige Chance, um die Politiker zu einem Denkanstoß zu bewegen. Vielleicht sollten sie doch noch einmal ihre Meinung zu Computerspielen überdenken.

Einige Computerspiel-Hardliner blieben der Veranstaltung leider fern. So schwänzte Hans-Peter Uhl, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Innenpolitik innerhalb der CDU/ CSU-Fraktion, die LAN-Party. Uhl forderte nach Winnenden schärfere Jugendschutzmaßnahmen vor allem im Computerspielbereich. Seiner Meinung nach hätte sich erneut gezeigt, dass der Winnenden-Täter sich vor der Tat intensiv mit Killerspielen beschäftigte. Solche Äußerungen in der Öffentlichkeit sorgen natürlich dafür, dass in kaum einen anderen Land Computer-Games so umstritten sind wie in Deutschland.

Allerdings gibt es auch einige wenige Politiker, die gegen solche Meinungen wie die von Uhl dagegen halten. Sebastian Blumenthal von der FDP gehört dieser „Fraktion“ an. Er steht dazu, dass er privat gern Egoshooter wie z. B. Counterstrike spielt. Er sieht allerdings keinen Zusammenhang damit, dass solche Spiele zu einem Mehr an Gewalt verleiten würden. Er ist vielmehr der Überzeugung, dass die Ursachen von Gewalt immer in der Zusammenballung von vielen sozialen Problemen zu suchen sind.

Doch nicht nur die Baller- und Killerspiele standen im Aufmerksamkeitsfokus bei dieser außergewöhnlichen „Bundestagsdebatte“. Auch über das Potential von Serious Games wurde gesprochen. Der computerspielerfahrene Blumenthal versuchte sich an einem Spiel mit dem Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) geholfen werden soll.

(Video) Zocken im Bundestag: Um sich ein eigenes Bild über die Computerspiel-Debatte zu machen, nutzten etliche Bundestagsabgeordnete die erste Politik-LAN-Party im Reichstagsgebäude

Grundlagenveranstaltung zu umstrittenen Computerspielen keine Lobby-Veranstaltung

Auch Olaf Wolters war mit von der Partie. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware. Seiner Erfahrung nach gehen die Vorurteile zum einen auf Unkenntnis und zum anderen auf mangelnde Erfahrung zurück. Das hat sich ja durch die LAN-Party zumindest im Bundestag etwas gebessert. Allerdings betonen die Initiatoren, dass trotz der Präsenz der Unternehmen auf dem Event es sich nicht um Lobbyismus gehandelt hat. Obwohl Computerspiele letztlich ein Milliardenmarkt sind, ging es hier zunächst um „Arbeit an der Basis“, um im Politikersprech zu bleiben. Die Politiker sollten die Gelegenheit bekommen, Spiele auszuprobieren bzw. richtiges „Daddeln“ einmal aus der Nähe gesehen haben.

Ex-Justizministerin Brigitte Zypries hatte einen Vorsprung vor ihren Bundestagskollegen. Sie bekam zuvor private Nachhilfe aus der Familie. Sie erzählte, dass sie bereits mit ihrem Neffen Die Siedler gezockt hatte und das Spiel gut fand. Außerdem stellte sie sich beim Tennis an der Spielkonsole gar nicht so schlecht an. Lediglich beim Autorennen hatte sie Probleme. Von den relativ ungewohnten Bildern sei ihr schlecht geworden. Mit einem Augenzwinkern fügt sie an, dass sie das einfach noch mal machen muss.

Und genau diese Forderung werden auch viele Computerspiele an ihre Mitglieder des Bundestages stellen: Lasst dem Spieltrieb einfach freien Lauf. Dann klappt’s auch mit der Politik. In diesem Sinne: Ein dreifaches „Spiel & Daddel Gut“!

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 09. Februar 2012 um 21:10 Uhr )
 

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