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Alaska: Überreste eines 11.500 Jahre alten Kindes gefunden

Alaska: Überreste eines 11.500 Jahre alten Kindes gefunden (Wordle) Als Asien und Amerika noch über eine Landbrücke verbunden waren, lebte ein Kind, dessen Überreste jetzt von Forschern in Alaska ausgegraben wurde. Das Kind starb vor ca. 11.500 Jahren während der letzten Eiszeit.
Es wurde auf den Namen "Xaasaa Cheege Ts'eniin", das "Kind von der Mündung des Flusses der aufgehenden Sonne" getauft.

Die gefundenen Knochen sind teilweise verbrannt und in kleine Teile zerbrochen. Weniger als 20 Prozent des Skeletts blieben erhalten. Allerdings konnten die Forscher rekonstruieren, dass sie zu einem etwa dreijährigen Kind gehörten. Ob es ein Junge oder ein Mädchen war, ließ sich nicht mehr feststellen, denn eine Geschlechtsbestimmung anhand von Knochen ist bei Kindern äußerst schwierig. Nachdem das Kind gestorben war, wurde es im Haus verbrannt. Dieses Haus gehörte vermutlich zu einer Art Sommersiedlung und nicht zu einem Jagdcamp.
Einen Einblick in die Bestattungsrituale der Menschen, die damals im eiszeitlichen Alaska lebten, erlauben die gefundenen Knochen. Außerdem erzählen sie noch einiges über das alltäglich Leben der Eiszeitbewohner. Über ihre Entdeckungen berichten die Forscher um Ben Potter von der University of Alaska Fairbanks (USA) in einem Aufsatz, der in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde.

Potter und sein Team machten diesen spektakulären Fund eher zufällig. Sie wollten eigentlich eine noch ältere Siedlung ausgraben. Diese Siedlung befand sich in Zentralalaska in der Nähe des Tanana-Flusses. Sie wird auf ein Alter von 13.200 Jahren geschätzt. Bei ihren Arbeiten stießen die Wissenschaftler auf die Grabstätte des Kindes. Diese befand sich in der Mitte des Wohnhauses in einer alten Feuerstelle. Neben den Knochen des Kindes wurden gleichzeitig weitere Funde gemacht. So fanden sich Fischgräten, Knochen von Vögeln und Kleinsäugern aber auch Pflanzenreste.

Eine Radiokarbonanalyse des Holzes an der Fundstelle erlaubte eine relativ genaue Datierung. Das Kind muss vor ungefähr 11.500 Jahren beerdigt worden sein. Es entstammt damit einer sehr interessanten Epoche, denn zu diesem Zeitpunkt waren Alaska und Asien noch über eine Landbrücke miteinander verbunden. Dieser ehemalige Landstreifen wird heute Beringia genannt.

Verwandschaft sowohl mit den Ureinwohnern Amerikas als auch mit den Ureinwohner Nordasiens

Eine Untersuchung der Zähne des Kindes lässt darauf schließen, dass eine verwandtschaftliche Beziehung sowohl zu den Ureinwohnern Amerikas als auch mit den Bewohnern Nordasiens besteht. Am Fundort selbst weißen die Steinüberreste aber ebenso die Struktur der Häuser eine relativ große Ähnlichkeit mit Funden vom Ushki-See im östlichen Sibirien auf. Diese Ähnlichkeiten sind größer als der Vergleich mit anderen Frühkulturen in Nordamerika ergeben hatte.

Siedlungen der frühen Bewohner Nordamerikas

Bislang bekannte Siedlungen der frühen Bewohner Nordamerikas.
Bildquelle: Ben A. Potter/Sciencemag.org

Der Fund ist auch deshalb von ziemlich großer Bedeutung, da Gräbstätten aus dieser Zeit in Nordamerika äußerst selten sind. Bis dato handelt es sich sogar um die frühesten Überreste in der arktisnahen Region Nordamerikas. Die Wissenschaftler können aber noch sehr vielmehr daraus ablesen.
So ist es möglich, aus den in der Feuerstelle aufgeschichteten Materialien und der Art und Weise, wie sie überhaupt aufgeschichtet wurden, herauszulesen, was damals vor Ort geschehen sein musste. In der Siedlung hielten sich höchstwahrscheinlich die Frauen und Kinder in den Sommermonaten auf. Sie gingen ihren alltäglichen Pflichten nach, indem sie Vögel und kleine Säugetiere fingen und in den Flüssen der näheren Umgebung fischten.

Vermutlich diente die Feuerstelle in der Hausmitte zum einem dem Kochen. Andererseits wurden dort auch Abfälle verbrannt. Als das Kind starb, wurde es ebenfalls verbrannt. Danach versiegelten die Bewohner allerdings die Feuerstelle mit Erde und es scheint auch so, dass sie das Haus kurz darauf für immer verließen. Ob es bei der Einäscherung des kleinen Familienmitgliedes eine feierliche Zeremonie gab, lässt sich nicht mehr einwandfrei feststellen. Allerdings fanden sich zwei Ocker-Bruchstücke. Möglicherweise handelt es sich um Grabbeigaben.
Damit lassen die ausgegrabenen Überreste Schlussfolgerungen über viele verschiedene Verhaltensweisen zu. Diese konnte bislang für diesen Teil der Welt und in dieser Epoche nie zuvor beobachtet oder belegt werden.

Die Fundstätte selbst ist ziemlich gut erhalten und auch vorher nicht von anderen Kulturen zerstört worden. So kann die Lebensweise dieser alten Kultur erforscht werden. Der Fund kann weiterhin ein Puzzleteil in der Frage liefern, wie Nordamerika besiedelt wurde. Beispielsweise wird noch immer heiß diskutiert, ob es mehrere Besiedlungswellen oder nur eine gab?
Die Antwort auf diese Frage könnten Genvergleiche mit der indigenen Bevölkerung bringen. Die Tanana Chiefs Conference (TCC) stimmte zu, dass Mitglieder der Stämme ihre DNA für entsprechende Analysen zur Verfügung stellen.


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 09. Februar 2012 um 21:03 Uhr )
 

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