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Ein Ver-Spielen gibt’s nicht!

Ein Ver-Spielen gibt’s nicht! (Wordle) Ist Spielen eigentlich Zeitverschwendung? Dem widersprechen Psychologen aufs Heftigste, denn Kinder lernen durchs Spielen fürs Leben. Allerdings auch für die Eltern gilt es, ein paar „Spielregeln“ einzuhalten.

Oftmals wird das kindliche Spiel von Erwachsenen unterschätzt. Die Lieblingsbeschäftigung der „Lütten“ sehen viele als bloßen Kinderkram an. Und in der Tat sieht es oftmals nach einem reinen, nutzlosen Zeitvertreib aus, wenn die Kinder im wahrsten Sinne des Wortes Frei-Zeit haben und nichts Wichtiges sonst ansteht. Doch das Spiel ist viel, viel mehr. Es ist ein notwendiger Bestandteil des kindlichen Alltags. Ausgiebiges Spielen garantiert eine gesunde Entwicklung, denn im Spiel kann jedes Kind seine Individualität ausleben, indem es in diesem Augenblick die eigene Realität gestaltet. Das ganze geschieht von sich aus und ohne Zwänge von außen. So erklärt Hans Mogel, Professor für Psychologie an der Universität Passau, das Phänomen des Spiels.

Das Spiel ist der Weg der Kinder zur Erkenntnis der Welt, in der sie leben! (Maxim Gorki)

Spielen heißt immer Ausprobieren und Erweiterung des Erfahrungshorizonts. So können zwei Freundinnen Ponyhof ganz ohne Pony und Hof spielen. Sie galoppieren dabei auf imaginären Pferden über die Gartenwiese und trotzdem nehmen sie sich gegenseitig als Reiterinnen wahr. Und auch beim Rollenspiel Vater-Mutter-Kind tauschen Jungen und Mädchen die Identitäten und schlüpfen in die Rollen von Erwachsenen. Sie ahmen dabei deren Verhaltensweisen nach. Für den Nachwuchs ist es so möglich, sich aus der Elternperspektive zu erleben.

Bereits Jaques Cousteau sagte, dass Spielen eine Tätigkeit ist, die man gar nicht ernst genug nehmen kann. Und auch für Kinder ist das Spiel eine todernste Angelegenheit, wo wenig Spaß verstanden wird. Denn sie fordern sich beim gegenseitigen Wettstreit heraus. Die Jüngsten strengen sich an. Spielen geht immer mit einer hohen Motivation und Konzentration einher. Manchmal vergessen Kinder beim Spielen alles um sie herum. Sie gehen dann voll und ganz in ihrem Tun auf. Werden sie dabei unvermittelt aus dem Spiel gerissen, kann es zum Teil zu sehr heftigen Reaktionen kommen.

Das Spiel dient der Psychohygiene und hat heilende Wirkung

Entsprechend gut tut das Spielen der Kinderseele. Psychologen sprechen in diesem Zusammenhang von aktiver Psychohygiene, die sogar eine heilende Funktion hat. Spielen dient dem Stressabbau. Die Kinder lernen dabei auch, mit den eigenen Ängsten umzugehen. Sie entspannen sich in der Beschäftigung. Auch bei Erwachsenen funktioniert dies ebenso, wenn diese das Spielen noch nicht ganz verlernt haben.
Auch Eltern können also davon profitieren, wenn sie es schaffen, wieder den Spieltrieb in sich zu wecken. Das schöne daran ist, dass man für diese gemeinsame Familienaktivität gar keine Ausrüstung benötigt. Im Grunde genommen sind Karten oder Würfel überflüssig. Ein einfacher Spaziergang kann zum Abenteuertrip werden. Auch ein Ausflug in den Klettergarten oder Geocaching (= die moderne GPS-Schatzsuche) können sehr viele spielerische Elemente beinhalten.

Mit kleinen Tricks zum perfekten Spiel

Wenn die Kinder mal keine wirkliche Lust haben, dann kann man mit kleinen Tricks arbeiten. Erziehung ist doch nicht viel was anderes als einen Trick und Kniff an den nächsten zu reihen, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen. Beispielsweise können Eltern einfach mit dem Spielen anfangen. Irgendwann setzen sich die Kinder schon aus lauter Neugierde mit dazu. Sie wollen sehen, was Mama und Papa da machen. Das ganze „Manöver“ klappt allerdings nur, wenn die Eltern ein Spiel spielen, dass sie selbst unwahrscheinlich spannend finden und deswegen gern spielen. Fängt man nur an, um den Nachwuchs zu animieren, geht das meist nach hinten los. 
Auch wenn viele Lernspiele versprechen, dass man mit ihnen spielend lernen kann. Man sollte den Kindern trotzdem die Möglichkeit einräumen, einfach nur zu spielen und nicht immer und überall beim Spielen zu lernen. Neue Erfahrungen, die Anwendung und der Ausbau von Fähigkeiten steigern das Selbstwertgefühl. Kleine Leute fühlen sich dabei groß und gut. Aber auch wenn man beim Spielen vieles dazulernen kann, ist Spielen nicht automatisch mit Lernen gleichzusetzen.
Beim Lernen wird meist von außen festgelegt, was man Lernen und damit tun soll. Dies aber kann jedes Spiel grundlegend ruinieren. Der Spielwunsch manifestiert sich im Spieler selbst. Er beginnt von sich aus. Benötigt er gegebenenfalls Mitspieler, so wird er sie sich selbst suchen.

Der Psychologe Mogel vertritt die Auffassung, dass man das Spielen nicht dazu einsetzen sollte, um damit das Lernen zu fördern. Er verweist bei seiner Argumentation auf eine Studie, in der herausgefunden wurde, dass sich die Lernmotivation von Kindern erhöht, wenn diese vor dem Unterricht eine Stunde spielen konnten. Die Lernmotivation war in dieser Gruppe deutlich und auch dauerhaft größer als bei der Vergleichsgruppe. Es ist also durchaus sinnvoll, wenn Kinder in der Grundschule die Möglichkeit bekommen, auch zwischendurch zu spielen. Letztlich kann Lernen nicht durch Spielen ersetzt werden - genauso wenig wie das Spielen durch Lernen. Allerdings ergänzen sich beide Lebensbereiche wechselseitig und das eine System kann vom anderen nur profitieren.

Wer spielt, der lernt! Wer lernt, der lebt! Wer lebt, der spielt (Jörg Roggensack)

Beim sonntäglichen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Turnier mit Opa, Mutti, Tochter und Geschwisterchen geht es nicht ausschließlich ums Gewinnen. Kinder genießen die gemeinsame Zeit und sowohl die Aufmerksamkeit als auch die Zuwendung durch die Erwachsenen. Außerdem begegnen sich die verschiedenen Generation beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht auf Augenhöhe. Denn es gelten für alle die gleichen Regeln – egal wie alt der Mitspieler ist. Kinder können von dieser so vorgelebten Gleichrangigkeit sehr stark profitieren.

Potentiell haben Kinder beim Spielen auch gute Chancen, sich gegen die Erwachsenen, die sonst meist am längeren Hebel sitzen, durchzusetzen. Entsprechend groß ist dann allerdings auch die Enttäuschung, wenn dieses Vorhaben nicht klappt. Kleine „Wutgriefen“ können dann schon mal den gemütlichen Spieleabend sprengen. Sollen Eltern deshalb ihre Kinder im siegen lassen? Experten raten dringend davon ab. Es gibt beinah nichts schlimmeres, als seinem Kind alle Steine aus dem Weg zu räumen und es immer gewinnen lassen. Es muss lernen, auch Niederlagen wegzustecken. Dies sollte zu Hause im geschützten Raum passieren, dann sind negative Folgen auch nicht zu befürchten.
Hat man allerdings bislang immer Rücksicht genommen, so sollte man langsam aber konsequent diese Taktik entsprechend umstellen. Denn allerspätestens in der Schule wird kein Kind immer und überall der oder die Beste sein. Spielen schulen also so ganz nebenbei für das Leben.

Spielregeln für Große

  • Sie müssen nicht immer mitspielen. Vermeiden Sie, sich aufzudrängen. Auch den Pausenclown müssen sie nicht mimen. Kinder brauchen Phasen, in denen sie völlig allein spielen genauso wie ab und an einmal Langeweile.
  • Reißen Sie Kinder keinesfalls ohne Vorwarnung aus ihrem Spiel. Durch eine rechzeitige Ankündigung (z. B. „In 10 Minuten gibt es Essen.“) des Endes vermeiden Sie endlose Diskussionen und Auseinandersetzungen.
  • Im Normalfall suchen sich Kinder ihr Spielzeug selbst aus. Eltern können aber steuernd eingreifen, indem sie für Anregungen oder die richtige Auswahl sorgen. Das Einhalten von Regeln aber auch das Verlieren kann man bei Mannschaftssportarten übrigens genauso gut lernen wie bei Monopoly oder Mau-Mau.
  • Beißen Sie sich auf die Zunge, wenn Sie meinen, es besser zu wissen oder schneller zu können. Kinder müssen es auf ihre Art und Weise ausprobieren – egal wie umständlich es ist oder wie lange es dauert. Letztlich ist die Gratwanderung zwischen einem Tipp-Geben und Bevormundung äußerst schmal.
  • Regeln sind Regeln! Sicherlich, doch es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Noch reizvoller kann ein Spiel vor allem für Jüngere werden, wenn man gemeinsam die Regeln an die Gegebenheiten anpasst. Ein Machtwort a la „Das spielen wir jetzt genauso zu Ende wie wir es angefangen haben:“ funktioniert in den seltensten Fällen.

Eine letzte Frage bleibt: Welche Spielsachen sind gut und was ist pädagogisch wertvoll?

In der Regel suchen sich Kinder selbst heraus, womit sie besonders gern spielen. Selbst mit scheinbarem „Sperrmüll“ lässt es sich hervorragend und intensiv spielen. Insofern ist fast alles pädagogisch wertvoll, was sich zum Spielen eignet. Allerdings sollten Eltern trotzdem nicht alle Wünsche des Nachwuchses erfüllen. Besonders an Weihnachten wird in vielen Familien die große „Spielzeugschlacht“ geschlagen. In der Regel gilt auch hier: Weniger ist mehr. Letztlich sind der Spiel- und Erlebniswert entscheidend und nicht die Größe oder der Preis. Für den Schenker kann es manchmal schwer sein, den richtigen Zeitpunkt für das Spielzeug abzupassen. Schenkt man es zu früh, so hat das Kind keine Freude daran, da es überfordert wird. Schenkt man es zu spät, so kann es sich damit schnell langweilen. Einen ersten groben Orientierungspunkt für die Eignung steht auf der Spielzeugverpackung. Dort wird eine Altersangabe gemacht.

Weitere Überlegungen zur Natur des Spieles finden Sie auf H[AGE] im Bereich Hinter den Kulissen: "Spiel & Spielen". Außerdem haben wir hier eine Sammlung von Zitaten zum Spiel.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 09. Februar 2012 um 20:28 Uhr )
 

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