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Das Beben verschob die Erdachse und verkürzt so die Tage

Das Beben verschob die Erdachse und verkürzt so die Tage (Wordle) Nicht nur den Menschen in Japan fuhr der Schreck in die Glieder. Nach wie vor zittert der gesamte Erdball. Das Beben vor Japan hat unsere Erdkruste ins Mark getroffen. Nun schwingt sie wie eine Glocke. Der Globus dehnt sich und flacht wieder ab. Geophysiker von der Universität Bonn haben ermittelt, dass dieses auf und ab im Rhythmus von sechseinhalb Minuten erfolgt.

Könnte das menschliche Ohr besser tiefe Töne wahrnehmen, so könnten auch wir das Brummen der Erde hören. Der Planet schwingt aber elf Oktaven zu tief, sodass wir den Infraschall nicht wahrnehmen. Die Erde klingt möglicherweise wie die ausgeleierte Saite eines Kontrabasses. Forscher von der Universitat Politècnica de Catalunya in Barcelona (Spanien) haben versucht, den Sound des Bebens zu rekonstruieren. Um die Töne hörbar zu machen, spielten sie die aufgenommenen Druckwellen schneller ab. Hier gibt es die Samples: Hier. (Bitte auf "Earthquakes" klicken).

Man könnte meinen, so schnell wirft unsere Erdkugel nichts aus der Bahn. Das Beben vor Japan hat es allerdings geschafft. Haben wir anfangs berichtet, dass der Ruck die Erdachse um ca. 10 bis 15 cm verschob, so berichtet die NASA mittlerweile sogar von 17 cm. Die Erdachse (auch als Figurenachse bezeichnet) balanciert unseren blauen Planeten aus. Durch sie wird die Kugel in zwei Hälften geteilt. Die Erdachse liegt jetzt zehn Meter neben der eigentlichen Drehachse. Man kann sich das Szenario in etwa so vorstellen, dass die Erde nun eine schiefere Position hat.

Die neuerliche Verschiebung der Erdachse ist allerdings bis jetzt nur berechnet worden. Genau nachmessen wollen die Forscher in den nächsten Tagen. Dann ließe sich per Satellit die Änderungen der Erdachse mit einer Genauigkeit von fünf Zentimetern nachweisen.
Die Experten können allerdings erklären, warum das Erdbeben die Erdachse verschoben hat. Es bewegte Millionen Tonnen Gestein, so dass sich die Achse neu einpendeln musste. Der Meeresboden des Pazifiks schob sich weiter unter den asiatischen Kontinent. Dabei schoben sich riesige Felspakete ins Erdinnere.
Ähnlich wie bei der Pirouette einer Eiskunstläuferin hat dieser Vorgang die Erdrotation beschleunigt. Zieht eine Eistänzerin bei den schnellen Drehungen ihre ausgestreckten Arme an den Körper heran, dreht sie sich schneller, denn ihre oberen Extremitäten haben eine höhere Drehgeschwindigkeit. Diese überträgt sich so auf den gesamten Körper und beschleunigt ihn.

Der Erdball dreht sich seit dem Beben ein wenig schneller. Um zwei Millionstelsekunden hat sich die Tageslänge verkürzt. Damit wird etwas die Bremswirkung des Mondes kompensiert. Denn die Anziehungskraft unseres Trabanten wirkt wie ein Klotz am Bein. Die astronomische Zeit fällt gegenüber der von den Atomuhren angezeigten Zeit zurück. Die Dinosaurier vor 100 Millionen Jahren kannten noch einen 23-Stunden-Tag. Ein Erdentag heute dauert 24 Stunden. Doch nicht nur die Rente mit 70 wird kommen. Auch der 25 Stunden-Tag ist im wahrsten Sinne des Wortes nur noch eine Frage der Zeit.
Irgendwann würden wir wahrscheinlich mittags im Dunkeln sitzen. Damit dies nicht geschieht, fügt man alle paar Jahre in der Silvesternacht eine sogenannte Schaltsekunde ein. Das Japan-Erdbeben zögerte die nächste Schaltsekunde nur etwas weiter hinaus.

 

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 15:53 Uhr )
 

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