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Nicht nur die Erde wankte. Auch Erdbebentheorien müssen Forscher neu überdenken

Nicht nur die Erde wankte. Auch Erdbebentheorien müssen Forscher neu überdenken (Wordle) Zwar rechneten alle Experten mit einem größeren Beben in der aktiven Zone rund um Japan, aber dass es so schlimm kommen würde, sah niemand voraus. Die bisherigen Theorien zur Entstehung von Erdbeben ließen kein Beben der Stärke 9 vor der japanischen Küste erwarten. Diese Annahmen beruhten auf folgenden Argumenten:

  • Weder am Meeresgrund noch an Land fanden sich Spuren von derart starken Erdstößen. In den vergangenen Jahrhunderten gab es keine Beben, die auch nur annähernd an die Stärke des Bebens vom 12. März heranreichten. Gegen die Tsunamis wappneten sich die Japaner mit Mauern, die meterhoch waren und die viele Küstenstrecken im Nordostens Japans umschlossen.
  • Gegen ein Super-Beben oder Mega-Beben sprach bislang außerdem die Form, wie die Erdplatten in dieser Region kollidieren. Der pazifische Meeresboden taucht vor Japan sehr steil unter den asiatischen Kontinent. Das Gestein, dass hier nach unten gepresst wird, ist sehr alt. Es ist nach 140 Millionen Jahren kalt und schwer. Die Lehrmeinungen gingen bislang davon aus, dass bei einem so steilen und dementsprechend schnellen Wegsacken die Erdplatten sich nicht so stark aneinander reiben können und daher weniger Spannungen entstehen könnten. Weniger Spannungen gehen in der Seismologie in der Regel auch mit schwächeren Erdbeben einher.

Das war bislang die Theorie. Doch seit dem 11. März ist nichts mehr so wie es war. Denn es kam anders als erwartet. Das Beben erreichte mit einer Stärke von 9,0 auf der Richterskala den vierthöchsten Wert, der seit Beginn der Aufzeichnungen registriert wurde. Die Tsunami-Mauern wurden durch gigantische Flutwellen einfach überspült.
Auch für die Forscher sind die sich jetzt abzeichnenden Erkenntnisse ein schmerzhafter Prozess. Denn die Theorien waren einfach falsch. Möglicherweise hätten Menschenleben gerettet werden können, wenn man andere Hinweise auf die doch drohende Gefahr nicht einfach ignoriert hätte. Denn bereits nach dem schweren Beben vor Sumatra und den darausfolgenden Tsunamis, die Weihnachten 2004 die südostasiatischen Küsten von Thailand und Indonesien verwüsteten und mehr als 300.000 Todesopfer forderten, sei klar geween, dass die Theorie der abtauchenden, alten Platte ohne Starkbeben ein Märchen sein muss.

Vor Sumatra gibt es eine ähnliche Konstellation der Erdplatten wie vor Japan. Auch hier verschwindet eine alte und damit schwere Platte schnell in der Tiefe. Und doch kam es 2004 zu diesem verheerenden Beben. Man hätte eigentlich misstrauisch sein müssen. Vor allem dann, als sich abzeichnete, dass sich der Nordosten Japans immer stärker aufwölbt unter dem Druck der kollidierenden Erdplatten. Ein solcher Druck kann nur durch starke Beben abgebaut werden. Darin sind sich im Nachhinein alle Experten einig und sie warnen auch, dass noch längst nicht alle Spannungen abgebaut sind – trotz der vielen Nachbeben, die Japan noch immer erschüttern.
Entsprechend gewarnt sein sollten ab jetzt auch andere Regionen. Vor Tonga oder in der nordöstlichen Karibik müsste das Starkbebenrisiko entsprechend neu eingeschätzt werden. Denn auch hier gibt es eine ähnliche Situation bei der Kollision der Erdplatten.

Forscher müssten nun hier und in Japan den Untergrund noch genauer erkunden, um so mehr Spuren früherer Katastrophen aufzuspüren. Auch in Japans Nordosten gab es früher so manche Tsunamis. Hinweise darauf finden sich in historischen Aufzeichnungen und bei geologischen Kartierungen. 2001 entdeckte Koji Minoura von den Universität in Sendai ein Ereignis, dass im Jahr 869 eintraf. Auch damals überschwemmte ein Mega-Tsunami die jetzt wieder betroffene Region. Doch die Entdeckung von Minoura ging in der Fülle von wissenschaftlichen Publikationen unter – und das obwohl Minoura entsprechend warnte. Die Wahrscheinlichkeit eines großen Tsunamis wäre entsprechend hoch, da das Ereignis so lange her sei. Ein neuerliches Eintreten wäre demnach längst überfällig. Wie recht er hatte, zeigte sich als das Beben vor Japan mit voller Wucht zuschlug. Doch erst im Nachhinein erlangt die Studie traurige Berühmtheit.

 

 


Quellen:

 

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 15:48 Uhr )
 

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