Zufallskarte

Flöte von G...
Image Detail
Valid XHTML 1.0 Strict CSS ist valide!

Wenn Linguistik Evolution trifft: Wo liegt der Ursprung der menschlichen Sprache?

Wenn Linguistik Evolution trifft: Wo liegt der Ursprung der menschlichen Sprache? (Wordle) Rund um den Globus gibt es geschätzte 7000 Sprachen und beinahe unendlich viele Dialekte. Aber wo liegt der Ursprung für diese Vielfalt?

Der Evolutionsforscher Quentin Atkinson ging dieser Frage nach. Mit Hilfe der Theorie des Gründereffekts wollte er Antworten finden. Der auch als Founder-Effekt bezeichnete Ansatz stammt aus der Genetik. Mit ihm versuchen Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen wie der Evolutionswissenschaft, der Verhaltensforschung oder der Kulturforschung verschiedene Phänomene zu erklären. Diese reichen von Variationen des Vogelgesangs über archäologische Entdeckungen bis hin zu den Sprachen.
Die Basis des Gründereffekts bildet folgendes Denkmodell:
Wenn die Teilmenge einer Stammpopulation sich von ihr isoliert und somit immer weiter entfernt, dann verfügt sie über weniger Varianten als die Ursprungspopulation. Mit diesem Kerngedanken analysieren Wissenschaftler Genmuster, Verhaltensmuster aber auch Sprachvarianten. Dadurch ist es möglich, auf den jeweiligen Ursprungsort bzw. manchmal auch Ursprungsorte zu schließen. Je mehr Variationen gefunden werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Verhaltensmuster oder Sprachelemente an diesem speziellen Ort nahe am Ursprungsort liegen.

Phoneme als kleinste Lauteinheiten einer Sprache sind für die Bedeutung eines Wortes von enormer Wichtigkeit

Für seine Untersuchung analysierte Atkinson die Anzahl der Phoneme in 504 Sprachen, die noch gesprochen werden. Solche Sprachen werden als lebende Sprachen bezeichnet. Phoneme sind dabei die kleinsten Lauteinheiten einer Sprache. Sie erlauben es den Sprechern, die Bedeutung von Wörtern zu unterscheiden. Beispielsweise sind das gerollte und das nicht-gerollte „r“ zwei unterschiedliche Laute. Im Deutschen machen sie keinen Unterschied in der Bedeutung von Wörtern. In dem Fall spricht man nicht von zwei Phonemen sondern lediglich von einer Variation des Phonems „/r/“. Vergleicht man dagegen die beiden Wörter „Katze“ und „Tatze“, so stellt man fest, dass der Austausch eines einzigen Phonems letztlich die Bedeutung des Wortes verändert. Damit sind „/t/“ und „/k/“ je ein eigenständiges Phonem.

Die Studie von Atkinson wurde in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht. In ihr weist der Wissenschaftler eine hohe Korrelation zwischen Anzahl der Phoneme in einer Sprache und der Anzahl der Menschen, die diese Sprache sprechen, nach. Sprachen, die nur von kleineren Populationen gesprochen werden, haben weniger Phoneme.
Auf diese richtungsweisende Erkenntnis wandte Atkinson im nächsten Schritt das Prinzip des Gründereffekts an. Die daraus entstehende Argumentationskette ist relativ einfach: Wenn die Variationen von Phonemen in kleinen Populationen geringer sind als in größeren Populationen mit vielen Phonemen, so müsste letztlich der Ort mit den meisten Phonem-Variationen auch der Entstehungsort der modernen Menschheitssprache sein.
Damit lässt sich folgendes Bild der Sprachevolution skizzieren. Die Sprache der Menschheit stammte aus einer Region, aus der immer wieder einzelne Gruppen abwanderten. Durch diese Abwanderung entstanden kleinere Völkergruppen oder Stämme, die nicht nur in isolierten Regionen lebten sondern auch eine Sprache entwickelten, die weniger Phonem-Variationen enthielt als die Sprache der Stammpopulation. Als Fazit dieser Überlegungen könnte man ziehen: Je weiter man sich vom Ursprungsort der Menschheitssprache entfernt, desto geringer wird die Anzahl der Phoneme in den abgeleiteten, regionalen Sprachen.

Je weniger Phoneme es gibt, desto weiter von der Ursprungssprache entfernt entwickelte sich eine Sprache

Soweit so gut. Die nächste Erkenntnis, die Atkinson gewann, überrascht eigentlich nicht. Ihm gelang es, mit Hilfe statistischer Verfahren, die er auf Sprachanalysen anwandte, nachzuweisen, dass die moderne Menschheitssprache ihren Ursprung in Afrika hat und sich von dort aus verbreitete, denn in den mittleren und südlichen Gebieten des afrikanischen Kontinents gibt es die meisten Variationen von Phonemen. Entfernt sich eine Sprache nun von diesem „Epizentrum“, desto geringer wird die Anzahl der verwendeten Phoneme. In Südostasien gibt es die zweithöchsten Phonem-Variationen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass sich die ersten Auswanderer aus Afrika in Richtung Südostasien aufmachten.

Die Ergebnisse der Atkinsonschen Studie stimmen exakt mit den Erkenntnissen aus den Evolutionstheorien und der Genetik überein.
Neben der Bestätigung dieser Erkenntnisse liefert die Untersuchung noch einen weiteren, wichtigen Hinweis: Nämlich wo einer der wichtigsten Aspekte der menschlichen Kultur sich erstmals entwickelte: die Fähigkeit der komplexen Kommunikation. Erst dadurch konnte die Menschheit Verhaltensmuster koordinieren und sich über den gesamten Globus ausbreiten.

 


Quellen:

Aktualisiert ( Donnerstag, 02. Februar 2012 um 15:18 Uhr )
 

© H[AGE]: Langenwetzendorf (2008 - 2011)