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100 jähriger Kalender & Bauernregeln: Stimmt die Wettervorhersage oder stimmt sie nicht?

100 jähriger Kalender & Bauernregeln: Stimmt’s die Wettervorhersage oder stimmt sie nicht? (Wordle) Wenn Opa das Wetter anhand alter Bauernregeln vorhersagt, rollt die heutige Jugend im Zeitalter vom Wetterbericht übers iPhone oder dem Kachelmann-Wetter mit den Augen. Doch so manches Mal haut auch die Vorhersage ohne technischen Schnickschnack hin. Was ist also dran an den alten Bauernregeln oder dem 100-jährigen Kalender?

Schauen wir uns zunächst überhaupt einmal an, was man unter Bauernregeln versteht.

Bauernregeln sind überlieferte Regeln übers Wetter und dessen Folgen für die Landwirtschaft. Da sie über die Jahrhunderte mündlich weitergegeben wurden, sind sie meist in Reimform gefasst z. B. "Gibt's im Juni Donnerwetter, wird g'wiss das Getreide fetter."
Viele klingen heute doch sehr altertümlich z. B. die Wetteregel zu den Eisheiligen vom 12. bis 14. Mai „Pankraz, Servaz, Bonifazi, drei frostige Lumpazi“. Und wahrlich, viele Regeln sind jahrhunderte alt. Sie entstanden aus der Beobachtung des Wetters und waren ein Versuch, aus den Wetterlagen Vorhersagen und Rückschlüsse auf künftige Ereignisse zu treffen. Meist handelt es sich dabei um mittelfristige Wetterprognosen.

Auch der hundertjährige Kalender ist ein Versuch, Wetterprognosen festzuhalten. Dieser Kalender, nach dem sich viele Gärtner richten, geht auf den Abt des Klosters Langheim Mauritius Knauer im 17. Jahrhundert zurück. Mit seinem Buch Calendarium oeconomicum practicum perpetuum wollte er den Mönchen seines Klosters einen Leitfaden an die Hand geben, mit dem sie die klösterliche Landwirtschaft durch gute Wetterprognosen optimieren konnten.
In späterer Zeit wurde behauptet, dass der 100jährige Kalender auf Wetterbeobachtungen aus 100 Jahren basiert und sich das Wetter auch alle 100 Jahre wiederholt. Dies ist falsch.

Bauernregeln und Hundertjähriger Kalender basieren zum Teil auf Großwetterlagen

Selbst wenn nicht alle alten, überlieferten Prognosen eintreffen, so haben die Regeln doch eine erstaunlich hohe Trefferquote, wenn man den regionalen Bezug sowie die Verschiebung durch die Einführung des Gregorianischen Kalenders berücksichtigt. Nur so ist auch verständlich, warum es für verschiedene Lostage beinahe konträre Regeln gibt. Die eine mag an der Nordseeküste entstanden sein, die andere am Alpenrand. Dass in beiden Mikroklimaten andere Bedingungen herrschen, ist einleuchtend. Doch sorgte dies dafür, dass in jüngerer Zeit den Regeln nicht getraut und über die Anhänger gespöttelt wurde „Wer rät trocken oder nass, der trifft auch mitunter was.

Der Meteorologe Karsten Brandt hat die bekanntesten Bauernregeln näher untersucht und mit Wetterstatistiken verglichen. Herausgekommen ist das Buch „Was ist dran an Bauernregeln?“
Erstaunlicherweise lassen sich für viele Regeln bestimmte, regelmäßig wiederkehrende Großwetterlagen identifizieren. Doch von der Existenz von Großwetterlagen wussten die Menschen im Mittelalter nichts.

Schauen wir uns ein paar Beispiele, die Brandt in seinem Buch vorstellt, näher an.
Die Regel „Gibt’s im April mehr Regen als Sonnenschein, wird warm und trocken der Juni sein“ hat je nach Region eine ganz unterschiedliche Trefferquote: Sie liegt im Osten bei 60 %, im Westen bei 30% und im Süden bei 20%.
Die Prophezeiung „Wie’s im April und Maien war, so wird das Wetter im ganzen Jahr“ erfüllt sich in den meisten Jahren in fast allen Regionen Deutschlands. Die Trefferquote liegt bei 60 % für den Norden, die Mitte und im Westen. Im Osten und Süden erreicht sie sogar fast 70 %. Damit kann man festhalten: War das Frühjahr warm, so wird auch der Sommer war. Gleiches gilt auch für ein kaltes Jahr.
Mancher Spruch versucht sich sogar an einer Vorhersage des Wetters in 6 Monaten und hat sogar recht. Die Bauernregel „Wie der August war, wird der künftige Februar“ hat einen erstaunlich hohen Wahrheitsgehalt. Sie trifft vor allem im Süden und Westen mit einer Quote von 75 % zu. Dort folgt auf einen warmen August sehr oft ein milder Februar.

Die bekannteste Bauernregel ist die Siebenschläfer-Regel

Eine der bekanntesten Bauernregel ist die Siebenschläfer-Regel. Sie besagt: „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“ Mit ihr liegt man beinahe nie falsch. Denn die Trefferquote ist sehr hoch. Diese Bauernregel tritt im Norden mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 % ein. Im Osten und Westen sind es bis zu 70% und für die Mitte und den Süden hat sie sogar in 80 bis 90% der Fälle recht.
Also, wenn Sie wissen möchten, ob es ein Baggersee-Sommer oder ein Gummistiefel-Sommer wird, dann kreuzen Sie sich in ihrem Kalender den 27.06 rot an und schauen Sie wie an diesem Tag das Wetter ist.

Aber egal, ob man an den 100jährigen Kalender oder die Bauernregeln glaubt bzw. nicht glaubt, mit einer Regel liegt man garantiert immer richtig: „Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.“.

 

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Quellen:

Aktualisiert ( Sonntag, 17. April 2011 um 09:23 Uhr )
 

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